Michael Gabel ist verstorben. Die Nachricht, dass der ehrenamtlich tätige Pfarrer von Ichtershausen in den Morgenstunden des 10. Septembers friedlich eingeschlafen ist, verbreitete sich schnell. Die Betroffenheit ist groß – ebenso wie die Lücke, die er hinterlässt. „Wir haben uns am Abend spontan getroffen, für ihn gebetet und die Glocken läuten lassen“, erzählt Mechthild Kudraß. Sie ist ehrenamtlich in der Pfarrei tätig und Vorsitzende des Kirchortrats.

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Michael Gabel wurde am 12. Januar 1953 in Erfurt geboren. Bereits während seiner Schulzeit wurde sein Interesse an biblisch-theologischen und philosophischen Fragen geweckt, heißt es im Nachruf des Bistums Erfurt. Prägend waren für ihn die Jugendkurse im Jugendhaus St. Sebastian in Erfurt und im Marcel-Callo-Haus in Heiligenstadt sowie die Gemeinschaft der Jugendgruppe der Pfarrei St. Laurentius in Erfurt.
Im Erfurter Dom zum Priester geweiht
1972 bat Michael Gabel um die Aufnahme als Priesteramtskandidat und begann sein Theologiestudium in Erfurt. Am 24. Juni 1978 empfing er im Erfurter Dom St. Marien die Priesterweihe. Seinen priesterlichen Dienst begann er als Kaplan in der Pfarrei Breitenworbis.
Neben seiner seelsorglichen Berufung verfolgte Michael Gabel früh seinen wissenschaftlichen Weg. 1981 wurde er für ein Aufbaustudium im Fach Fundamentaltheologie freigestellt und übernahm zugleich den Dienst als Präfekt am Priesterseminar Erfurt, schreibt das Bistum. 1987 wechselte er als Assistent mit dem Titel „Pfarrer“ in das Seelsorgeamt und widmete sich gleichzeitig dem Abschluss seiner Dissertation. 1989 erhielt er einen Lehrauftrag für Religionsphilosophie und Philosophiegeschichte. Nach seiner erfolgreichen Promotion verlieh ihm die Päpstliche Universität Gregoriana in Rom 1990 den Doktortitel.

1992 wurde Michael Gabel zum Kaplan der Pfarrei St. Elisabeth in Arnstadt mit Sitz in Ichtershausen ernannt. Dort lebte und wirkte er als Seelsorger der Kuratie. Für die Menschen vor Ort blieb er ungeachtet seiner wissenschaftlichen Laufbahn stets ihr Pfarrer. „Während er in Erfurt der Professor war, war er bei uns Pfarrer Gabel“, erzählt Mechthild Kudraß lächelnd. Er sei ein Mensch wie jeder andere gewesen, sehr gesellig und stets Ansprechpartner für die Vereine und das Gemeindeleben. Auch die Kirmes in Ichtershausen habe er wieder ins Leben gerufen – ausgehend vom Kirchweihfest.
Berufung zum ordentlichen Professor an der Uni Erfurt
Ab 1993 verwaltete Michael Gabel den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie und Religionswissenschaft und wurde zum Dozenten ernannt. Im Jahr 2000 folgte die Berufung zum ordentlichen Professor für Fundamentaltheologie und Religionswissenschaft an der neu gegründeten Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. So verband er über viele Jahre sein wissenschaftliches Wirken mit seinem Dienst für die Menschen in Ichtershausen.
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„Pfarrer Gabel war vor allem Mensch“, betont Mechthild Kudraß. Er habe den Trubel auf dem Hof und die Gemeinschaft geliebt. „Kinder waren für ihn das Wichtigste.“ Deshalb habe er sie immer in die Messe einbezogen. Seine Kinderpredigten seien bewusst einfach, für die Kleinen verständlich und auf Augenhöhe gewesen. Er habe es verstanden, theologische Themen herunterzubrechen und kindgerecht aufzubereiten.
Auch das gesellige Beisammensein habe ihm viel bedeutet. „Er hat die Musik geliebt und war ein sehr guter Tänzer“, erinnert sich Mechthild Kudraß. Nicht nur bei der Kirmes sei er mit Freude dabei gewesen. Auch zum Fasching habe er sich schminken und verkleiden lassen. Besonders schön seien die Weinabende mit Musik gewesen – und Pfarrer Gabel sei stets mittendrin im Geschehen gewesen.
Besondere Gabe: Menschen gefördert und gefordert
Seine menschliche Seite habe sich ebenso darin gezeigt, dass er manche Dinge erst auf den letzten Drücker erledigte. „Da konnte er auch mal grummelig werden“, erzählt Mechthild Kudraß. Das sei jedoch meist schnell wieder verflogen. Ein Morgenmensch sei der Pfarrer ebenfalls nicht gewesen.
Zugleich war Michael Gabel sehr naturverbunden. Er fuhr viel mit dem Fahrrad und ging gern wandern. Auch das Reisen gehörte zu seinem Leben – beruflich wie privat. Seine Wege führten ihn unter anderem in die USA, nach Singapur und nach Indien.
Eine besondere Gabe habe er im Umgang mit seinen Mitmenschen besessen. „Er hat die Menschen gefördert und gefordert. Er hat ihnen Selbstvertrauen gegeben, weil er ihnen Aufgaben zugetraut hat“, berichtet Mechthild Kudraß.
Requiem mit Erntedankfest in Ichtershausen
Pfarrer Gabel habe sowohl das Gemeindeleben als auch seine Tätigkeit als Professor an der Universität mit Überzeugung gelebt und geschätzt. Am 1. Oktober 2020 trat er in den Ruhestand. Den Menschen und der Gemeinde blieb er dennoch eng verbunden. „Meine Familie ist die Gemeinde“, habe er immer gesagt, „und in einer Familie darf man sich auch mal fallen lassen.“
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Mechthild Kudraß ist sich sicher, dass die Lücke, die Pfarrer Gabel hinterlässt, nicht zu füllen sein wird. „Er war einfach ein Mensch, außerordentlich, vielseitig und herzensgut.“
Das Requiem wird am Freitag, dem 18. September, um 10.30 Uhr im Dom St. Marien zu Erfurt gefeiert. Die Beisetzung auf dem Hauptfriedhof findet um 13 Uhr statt. Ein weiteres Requiem wird am 27. September um 14 Uhr in der Kirche in Ichtershausen gefeiert. An diesem Tag begeht die Gemeinde zugleich das Erntedankfest. Dabei werden auch die Weintrauben verteilt, die Pfarrer Gabel in seinem Garten angepflanzt und gepflegt hat.









