Was brauchen Menschen in ländlichen Regionen wie dem östlichen Kyffhäuserkreis, um so mobil zu sein, wie es ihren Bedürfnissen entspricht? Wo fehlt es an Busverbindungen? Radabstellmöglichkeiten? Wann würden die Menschen auf‘s Auto verzichten und eher auf das Rad steigen? Antworten auf diese und noch mehr Fragen liefert eine Veranstaltung am 8. Januar ab 16.30 Uhr im Mehrzwecksaal Oldisleben. Im Fokus steht die Mobilität im und um das Gebiet des Naturschutzgebietes „Hohe Schrecke“.

Abstellanlagen, Mitfahrbänke, Ruftaxis

Der Hohe-Schrecke-Verein, zu dem unter anderem Gemeinden aus dem Kyffhäuserkreis und Kreis Sömmerda zählen, will mit diesem Anlauf neue Ideen für Verbesserungen der Mobilität in der Region formulieren, heißt es von Dagmar Dittmer, der Vorsitzenden des Hohe-Schrecke-Vereins. Ideen, Wünsche und Anregungen dafür gab es viele. Eine Bushaltestelle in Harras war eine der Ideen. Oder Mitfahrbänke und Ruftaxis. Nach 15 Uhr führen etwa keine Busse mehr nach Hauteroda und andere Dörfer, bemängelten Bürger bei einer Befragung, wie es bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse hieß. „Die meisten wünschen sich mehr Radwege, sicherere Radwege, Wege zwischen den Orten“, zog Dittmer eine Zwischenbilanz.

Die meisten wünschen sich mehr Radwege, sicherere Radwege, Wege zwischen den Orten.

Dagmar Dittmer, Vorsitzende des Vereins „Hohe Schrecke - Alter Wald mit Zukunft“

Ein besseres Busangebot außerhalb der Schulzeiten, insbesondere abends, in den Ferien und an den Wochenenden, steht genauso auf der „Wunschliste“ der Leute wie etwa Lückenschlüsse bei den Radwegen. Beispielsweise zwischen Wiehe und Roßleben. Wünschenswert sei außerdem eine bessere Anbindung an den Unstrutradweg. Oder im Bereich Kölleda: „Radweg Battgendorf - Kölleda. Die jetzige als Radweg ausgeschilderte Pflasterstraße ist eine Zumutung.“, hieß es in den eingehenden Antworten.

Knapp 160 machen bei Bürgerbefragung mit

Radwege sollen aber nicht nur neugebaut werden, sondern auch breiter und sicherer werden, hieß es bei einer Präsentation von Zwischenergebnissen. Das Verbesserungspotenzial beim ÖPNV bezieht sich auch nicht ausschließlich auf neue Linien, sondern bessere Anbindung, um beispielsweise außerhalb der Schulzeiten besser aus den Orten des östlichen Kyffhäuserkreises nach Artern oder Bahnhof Heldrungen zu gelangen, um von dort den Bahnanschluss an die Nord-Süd-Verbindung Erfurt-Magdeburg nutzen zu können. Angeregt wurde in der Diskussion auch das Schaffen von Radabstellanlagen an Bahnhöfen.

Es ist geschafft: Der über fünf Kilometer lange Abschnitt des Radweges am Fuße des Naturschutzgebietes "Hohe Schrecke" wurde freigeben. Günter Peisler aus einer Anrainergemeinde nutzt den Weg nun häufiger für einen Ausflug durch das Unstruttal.
Im April letzten Jahres wurde ein großer Teil des Hohe-Schrecke-Rundweges freigegeben. Der Radweg führt nahe der Kommunen wie Gehofen (Bild), Reinsdorf, Nausitz, Donndorf entlang. (Archivbild)© Funke Medien Thüringen | Susann Salzmann

Von April bis Juni 2025 konnte sich jedermann an einer Umfrage zur Mobilität in der „Hohen Schrecke“ beteiligen. Im August letzten Jahres wurden Zwischenergebnisse vorgestellt. Die finalen Ergebnisse und Handlungsansätze des durch den Verein „Hohe Schrecke - Alter Wald mit Zukunft“ beauftragten Mobilitätskonzeptes sollen nun am 8. Januar vorgestellt werden. Das beauftragte Beratungsunternehmen PTV Transport Consult GmbH wertete einerseits den Rücklauf von 158 Antworten aus; erstellte andererseits ein Mobilitätskonzept, dem neben der Bürgerbefragung unter anderem ein regionaler Mobilitätsdialog vorausging.

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Die Umfrage konnte online beantwortet werden. Fragebögen wurden aber laut Dittmer überdies an alle Haushalte verteilt, die das „Hohe-Schrecke-Journal“ erhalten. Angesichts eines Einzugsgebietes durch das rund 7000 Hektar große Waldgebiet, in deren Anrainerkommunen insgesamt rund 20.000 Einwohner leben, wirken 158 Antworten bei der Bürgerbefragung gering. „Das ist nicht viel, aber aus nahezu allen Orten gab es Rückmeldungen. 40 Prozent der Leute waren zwischen 30 und 49 Jahren alt“, gewann Dittmer dem Rücklauf etwas Positives ab.

Fast ein Drittel im Freizeitbereich zu Fuß oder per Rad unterwegs

Gefragt wurde beispielsweise, welches Verkehrsmittel üblicherweise für Wege zur Arbeit oder Ausbildung sowie für Erledigungen als auch für Hobby und in der Freizeit genutzt werden: in allen drei Bereichen (Arbeit/Ausbildung, Erledigungen und Hobby/Freizeit) dominiert das Auto als wichtigstes Verkehrsmittel. Die prozentualen Anteile liegen zwischen 55 und 71 Prozent. Am wenigsten werden laut der ausgewerteten Antworten Bus und Bahn genutzt (elf bis 14 Prozent).

Der prozentuale Anteil derjenigen, die zu Fuß, mit dem Fahrrad und E-Bike unterwegs sind, hängt laut der Zwischenergebnisse deutlich vom Zweck ab. Im Freizeitbereich sind ein Drittel der Antwortgeber als Fußgänger oder Radfahrer unterwegs; bei Arbeits- und Ausbildungswegen sind es zusammengenommen nur noch 15 Prozent.

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In Oldisleben wird nun über Handlungsansätze gesprochen; zum Beispiel den Ausbau des Bahnhofes Artern zum Verknüpfungspunkt, so Dittmer. Das Mobilitätskonzept ist „dann die Grundlage, um umzusetzen, voranzutreiben, den Radewegeausbau zu forcieren und zum Beispiel Fördermittel zu beantragen“, argumentierte Dittmer.