Mit 16 Jahren mit „waschechten“ Polizisten auf Streife gehen? Das geht, kommentierte Kevin Clemen von der Landespolizeiinspektion Nordhausen. Das Ganze nennt sich „Weekend on duty“: Seit 2022 soll es 16- bis 35-Jährigen in Form eines eintägigen Praktikums einen hautnahen Einblick in die Polizeiarbeit der Dienststellen geben; auch in die im Kyffhäuserkreis. Das Angebot richtet sich speziell an Schüler, Studenten und Berufsumorientierer.

Polizei räumt mit Irrglauben auf

Bei einem Gespräch gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Thüringen Nord erzählte Kevin Clemen als zuständiger Koordinator für Nachwuchsgewinnung, wie man in den Polizeidienst einsteigen und später aufsteigen kann. Und er räumte mit einem offenbar weitverbreiteten Irrglauben auf: Um zur Polizei gehen zu können, „muss man nicht unbedingt ein Abi haben“, sagte Clemen. Ein Einstieg sei über den mittleren Dienst mit Mittlerer Reife möglich.

Später stehen durch betriebsinterne Weiterbildungen die Wege zum gehobenen Polizeidienst offen. Über allem stehe ein Eignungsauswahlverfahren. Bis Ende März könne man sich für das laufende Jahr noch bewerben, sagte Clemen. Zu den Kompetenzen zählten Kommunikations- und soziale Kompetenzen; „interkulturelle Kompetenzen müssen wir vermehrt haben“, gab er einen Einblick.

Das Risiko reduziert sich drastisch, je höher ich qualifiziert bin. Qualifikation schützt deutlich vor Arbeitslosigkeit.

Tabea Meyer, Sprecherin Agentur für Arbeit Thüringen Nord

Im letzten Jahr sollten 360 Polizeianwärter landesweit für den Polizeivollzugsdienst eingestellt werden. Leicht war es nicht. Es gab unterm Strich, so Clemen, rund 300 Einstellungen landesweit. Um so einem Ziel gerecht werden zu können, brauche es rund 3000 Bewerber, die sich zunächst für den Polizeiberuf interessieren, verdeutlichte Clemen die Herausforderung.

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Um Anwärter zu gewinnen, sei man in Kitas, Schulen sowie auf Messen präsent. Das „Weekend on duty“ käme dann obendrauf. Im ersten Jahr 2022 wurde dieser polizeiliche Praxiseinblick sehr gut angenommen. Kevin Clemen sprach von 30 bis 50 Leuten, die das Angebot genutzt hätten.

Die Landespolizeiinspektion (LPI) Nordhausen mit den zugehörigen Dienststellen sei laut Clemen einer der, bezogen auf die Personalstruktur, ältesten LPI-Bereiche, der sich nun durch das reguläre Ausscheiden der „Babyboomer“-Jahrgänge verjüngt. Jährlich liege die Pensionierungsquote im LPI-Bereich nach seinen Angaben im zweistelligen Bereich. Bisher gelinge es bei der Polizei in Nordthüringen, den Personalbedarf, zum Beispiel durch altersbedingte Abgänge, durch neue Kollegen zu kompensieren, sagte er.

Kyffhäuserkreis prozentual höchste Arbeitslosigkeit im Nordthüringer Raum

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist in Teilen schwierig. Zuletzt sorgten im Kyffhäuserkreis die Entlassungen des Tiefkühlpizzaherstellers Gustavo Gusto am Standort Artern für Gesprächsstoff. Qualifikationen können vor Arbeitslosigkeit schützen. „Es schützt das, was in Zukunft gebraucht wird“, brachte es Karsten Froböse, Chef der Agentur für Arbeit Thüringen Nord, auf den Punkt. Ein Blick auf den Arbeitsmarkt zeigte: Der Kyffhäuserkreis ist von vier Nordthüringer Landkreisen (Nordhausen, Unstrut-Hainich-Kreis, Eichsfeld, Kyffhäuserkreis) zwar derjenige, der im Vergleich zum Vorjahr prozentual weniger Arbeitslose zählt (-3,2 Prozent zum Vorjahr).

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Allerdings betrifft die Arbeitslosigkeit (Stand: Ende Januar) 3277 Menschen. Das entspricht einer Quote von 9,1 Prozent, was wiederum die höchste Arbeitslosenquote unter den zugehörigen Landkreisen darstellt. Die niedrigste Arbeitslosenquote gibt es mit 4,8 Prozent im Eichsfeld. Im gesamten Agenturbezirk waren Ende Januar 13.383 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 1093 Menschen mehr als noch im Dezember (+8,9 Prozent), aber 233 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr (-1,7 Prozent).

Ein Problem auch: Der sogenannte Helfermarkt schrumpft, sagte Agentursprecherin Tabea Meyer. Nur noch 16,3 Prozent der Stellen richten sich laut Meyer an Hilfskräfte. Drastisch: „55,3 Prozent der Arbeitslosen, die wir bei der Agentur und im Jobcentern betreuen, verfügen im Moment über keinen Abschluss, den sie momentan auf dem Arbeitsmarkt einbringen können und suchen eine Beschäftigung als Helfer“, so Meyer. Mit Aus- und Weiterbildung soll dagegen gesteuert werden. Zur berufsspezifischen Arbeitslosenquote hieß es: Im Helfer-Bereich liegt die Arbeitslosenquote bei 19,2 Prozent. Bei Fachkräften mit Berufsabschlüssen liege sie dagegen lediglich bei 3,9 Prozent. „Das Risiko reduziert sich drastisch, je höher ich qualifiziert bin. Qualifikation schützt deutlich vor Arbeitslosigkeit“, fasste Meyer zusammen.

Die im Januar 2203 gemeldeten offenen Arbeitsstellen im Agenturbezirk seien darüber hinaus bereits über längere Zeit unbesetzt, da für die Positionen oft die notwendigen Qualifikationen fehlten.

Wer Lust auf ein eintägiges Praktikum bei der Polizei hat, kann sich ab Februar für das „Weekend on duty“ bewerben. Die Mailadresse lautet weekendonduty.lpindh@polizei.thueringen.de .