Samstagabend im Kyffhäuserkreis: Bei Rü‘s Trödelhof in Voigtstedt sind die letzten Vorbereitungen für den wichtigen Sonntag abgeschlossen. Am Sonntag sollte immerhin, wieder in Erfurt auf dem Gelände des Thüringen Parks, ein neuer Weltrekord aufgestellt werden. Abermals sollte die längste Klappi-Schlange gebildet werden. Was im Vorjahr Aufsehen erregend gelang, sollte sich am Muttertag 2026 wiederholen. Bei Kaiserwetter fuhren daher neun Voigtstedter mit acht Rädern, aber auch Klapprad-Freunde aus Gehofen, Kalbsrieth und von den IFA-Schraubern Bad Frankenhausen e.V. nach Erfurt.

Der von Jan Hähnlein organisierte Rekordversuch scheiterte am Sonntag knapp. Erst im Vorjahr wurde mit vielen Klappi-Fans ein neuer Weltrekord mit 507 Falträdern aufgestellt. Das DDR-Produkt, einst vom Mifa-Produktionsband gelaufen, bedeutet ein Stück Ostalgie.
Kaiserwetter, Klappräder und DDR-Nostalgie: 69 Bilder einer beeindruckenden Aktion
Allein aus Voigtstedt neun Klappi-Fans dabei
Die Voigtstedter Familie Rüdiger besitzt insgesamt drei Mifa-Klappräder; alle vor 1980 gebaut und noch fahrtüchtig. Am Vortag vor dem neuerlichen Rekordversuch wurden sie vom Familienvater noch geölt und gefettet, damit sie nicht nur im Originalzustand strahlen, sondern auch die erforderlichen zwei Runden um den Thüringen Park schaffen.
Eigentlich ist das Mifa-Klapprad unverwüstlich. Man braucht vielleicht mal einen Mantel oder einen Schlauch, aber die wurden gebaut, damit man sie Jahrzehnte benutzen konnte.
Jens Rüdiger, Klapprad-Besitzer
Zum Weltrekordversuch am 10. Mai waren laut Organisator 20 Zoll Mifa-Klappräder, gebaut vor 1990 und mit originalem Rahmen erlaubt. Gepimpte Räder waren auch erlaubt, durften allerdings keine Gangschaltung besitzen. Das Mifa-Klapprad gehöre für Jens Rüdiger zum DDR-Kult wie die Simson. „Eigentlich ist das Mifa-Klapprad unverwüstlich. Man braucht vielleicht mal einen Mantel oder einen Schlauch, aber die wurden gebaut, damit man sie Jahrzehnte benutzen konnte“.

Gegen 8.30 Uhr am Sonntag machten sich die Voigtstedter auf nach Erfurt, um pünktlich bis 10 Uhr dort zu sein. Auch in den letzten Jahren waren sie immer dabei, wenn zur weltlängsten Klappi-Schlange geladen wurde. Die Stimmung war auch diesmal prima. „Die Leute kommen von überall her. Der am weitesten Gereiste kam diesmal knapp 800 Kilometer aus Ungarn“, freute sich Rüdiger über diesen besonderen Zusammenhalt für diese Sache. Sogar die Jugend, wie die zwölfjährige Ida, die mit ihrem Klapprad ansonsten eher im Dorf unterwegs ist, schwang sich auf den Sattel.

Bereits im letzten Jahr aber gab es über die Voigtstedter hinaus einzelne Klapprad-Fans aus Artern und umliegenden Orten, die mit nach Erfurt aufbrachen.

Mehr Themen aus dem Kyffhäuserkreis:
- Wo früher der Saal bebte: Ein Paar im Kyffhäuserkreis holt die Kirmes zurück
- Gewerbesteuereinbruch: Stadt im Kyffhäuserkreis rutscht in die Konsolidierung
- Dorf im Kyffhäuserkreis will eigenständig bleiben, aber das ist ein Kraftakt
- Wer wird neuer Chef im Rathaus von An der Schmücke?
- Kleine Operation, lange Wartezeit: Ärzte befürchten Nachteile durch neues Gesetz
Zu denen, die erstmals zum Klappi-Rekordversuch fuhren, zählte Kevin Fuhrmann von den IFA-Schraubern Bad Frankenhausen e.V. aus Udersleben mit seinem Sohn Lennard. Im Internet von der Aktion zugunsten demenzkranker Kinder erfahren, war der Entschluss zur Teilnahme schnell gefasst. Zu viert reiste das kleine Grüppchen an und kaufte ungeplant vor Ort noch ein fahrtüchtiges Klapprad für 60 Euro, erzählte Fuhrmann, eingereiht in eine Menschenschlange stehend.

Im Internet werden Mifa-Klappräder für Preise zwischen 50 und 300 Euro gehandelt. Schöne Räder, manche ganz fantasievoll hergerichtet, fanden sich unter den Drahteseln, die über den Parkplatz des Einkaufszentrums radelten.

Täglich
Der Newsletter für den Kyffhäuserkreis
Alle wichtigen Informationen aus dem Kyffhäuserkreis, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Für Fuhrmann war klar: Das Mifa-Klapprad hat genauso viel Kultstatus wie das beliebte, einst in Suhl produzierte Moped der Marke Simson. „Mein Klappi hab ich seit der Kindheit und genau wie Martin waren wir damit schon in unserer Jugend unterwegs“, blickte Fuhrmann zu seinem Kumpel Martin Kolboske. Mit dem Faltrad aus DDR-Zeiten wurde zu Freunden oder ins Freibad gefahren, erinnerte sich Fuhrmann. Und letztlich steigerten seine Erfahrungen mit dem Rad auch sein Interesse an Ost-Fahrzeugen.



































































