Vom Donndorfer Bahnhof fahren längst keine Züge mehr ab. Dafür rollen in den nächsten Wochen Äpfel an – tonnenweise! Vom 22. August an verwandelt Maik Rahaus im ehemaligen Donndorfer Dorfbahnhof Obst in Saft. Je nach Ernte könnte sich die Mostsaison bis in den November ziehen. Die Saison wird am Samstag eingeläutet. Ist es soweit, läuft der 38-Jährige zur Höchstform auf.

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Seit 2015 betreibt Rahaus die „Kelterei im Bahnhof“ im Nebenerwerb. Dort, wo Reisende früher ihre Zugfahrt organisierten und warteten, müssen heute Äpfel dran glauben. Im ehemaligen Lager- und Gütergepäckraum stehen eine Apfelpresse, eine Presse für Steinobst und eine Schaupresse. In 15 Minuten schafft die Anlage rund 150 Kilogramm Obst, erzählt Rahaus.

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2025 war rekordverdächtiges Jahr

Für einen Liter Apfelsaft braucht Rahaus etwa 1,8 bis 1,9 Kilogramm Äpfel. Das klingt zunächst nicht spektakulär, summiert sich aber gewaltig auf: 2025 presste die Kelterei insgesamt 480.000 Liter Saft – ein absoluter Rekord! Umgerechnet entspricht das 96.000 der Fünf-Liter-Boxen, wie er sie verkauft. „Normalerweise liegen wir in der Saison bei rund 200.000 Litern“, sagt Rahaus. In diesem Jahr könnte die Ernte allerdings weit weniger üppig ausfallen. Der Mann weiß inzwischen, dass Obstbäume weder Produktionspläne lesen noch Überstunden machen.

Maik Rahaus betreibt in einem alten Bahnhofsgebäude in Donndorf im Kyffhäuserkreis eine Mosterei. Die Saison fängt am 22. August an.
Maik Rahaus an der Presse. Auch Sauerkirschen können bei ihm gepresst werden. Wer das möchte und weniger als 50 Kilo mitbringt, muss diese allerdings vorher entsteinen. © Funke Medien Thüringen | Susann Salzmann

Das Obst für seine eigenen Säfte stammt von Streuobstwiesen der Region, unter anderem aus dem Naturschutzgebiet der „Hohen Schrecke“, aus Kindelbrück und aus dem Gebiet rund um den Süßen See in Sachsen-Anhalt. Angefangen hatte Rahaus einst mit fünf Apfelsäften. Inzwischen umfasst sein Sortiment 17 Fruchtsäfte, drei Liköre und Shrub, ein Fruchtsirup. Zuletzt hinzugekommen ist die Apfelsaftsorte „Rosalie“, für die er schon viel Lob eingeheimst hat. „200 Liter waren innerhalb eines Tages weg“, erinnert er sich an den enormen Andrang.

Meine Geschmacksnerven müssen trainiert bleiben.

Maik Rahaus, Unternehmer im Nebenerwerb

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Verkauft werden seine Erzeugerprodukte in der Region, seit neuestem mit dem Restaurant und Hotel „Zur Kaiserpfalz“ in Wohlmirstedt in der Gastronomie. Aber auch im kleinen Laden des alten Bahnhofs – ausgerechnet dort, wo sich früher die Bahnhofskneipe befand. Flüssiges gibt es in den einstigen Kneipenräumlichkeiten also weiterhin, nur der Kater dürfte heute deutlich milder ausfallen.

Mindestannahmemenge 80 Kilogramm

Neu ist in diesem Jahr eine 20-Liter-Verpackung. Wem die Vorratsboxen mit fünf oder zehn Litern bisher zu zaghaft erschienen, kann sich nun gleich einen kleinen Safttank ins Haus stellen. Neben seinen eigenen Produkten bietet Rahaus Lohnmosterei an. Privatleute bringen ihre Äpfel zur Donndorfer Kelterei und nehmen frisch gepressten Saft wieder mit. Der gepresste Liter kostet 1,80 Euro, mindestens 80 Kilogramm Äpfel müssen angeliefert werden.

Maik Rahaus betreibt in einem alten Bahnhofsgebäude in Donndorf im Kyffhäuserkreis eine Mosterei. Die Saison fängt am 22. August an.
Hohe Regale unter dem Bahnhofsdach: Zu sehen sind auf dem Bild die „Restbestände“ seiner Säfte und Liköre.© Funke Medien Thüringen | Susann Salzmann

Nach oben ist allerdings reichlich Luft, wie Rahaus‘ Erfahrungswerte zeigen: An eine Einzelannahme von 1500 Kilogramm erinnert sich Rahaus noch gut. Das ist kein Obstkorb mehr, sondern eine klare Ansage. Wer seine Ernte im Bahnhof unter die Presse bringen möchte, braucht einen Termin. Im vergangenen Rekordjahr wurde die Annahme noch mit zwei Telefonen organisiert. „Die Nachfrage nach Mosten war riesig“, erzählt Rahaus. Damit der Saisonstart diesmal nicht wieder zum Telefonmarathon wird, können Termine seit diesem Jahr auch online über www.kelterei-bahnhof.de gebucht werden.

Persönlicher Favorit ist Apfel-Heidelbeere

Was von Ende August bis November im Donndorfer Bahnhof verflüssigt wird, ist schon aufgrund des Pensums bemerkenswert, denn Maik Rahaus ist der einzige Beschäftigte des Betriebs. Bei Bedarf unterstützen Familie und Freunde. Zu seinem traditionellen Mostfest Mitte September stehen ihm fast 20 Helfer zur Seite – eine Einsatzgruppe gegen akute Apfelschwemme sozusagen.

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Er selbst kann übrigens trotz Apfelpressens immer noch Apfelsaft sehen und riechen. „Meine Geschmacksnerven müssen trainiert bleiben“, nimmt er die Nachfrage mit Humor und erzählt, dass sein Lieblingssaft derzeit Apfel-Heidelbeere ist. Absoluter Verkaufsschlager bei seinen Abnehmern sei der „reine“ Apfelsaft.

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Und was hat der 38-Jährige in mehr als zehn Jahren Kelterei gelernt? Er lächelt: „Dass die Natur unberechenbar ist.“ Immerhin auf eines ist Verlass: Kommt der Apfel nach Donndorf, fährt er als Saft wieder nach Hause.

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Das Mostfest im Bahnhof Donndorf findet am 12. September ab 13 Uhr statt. Es gibt Live-Musik mit Madlen Rausch, ein Apfelglücksrad, Kinderschminken, Interessantes über die Jagd, Apfelbestimmung, Infos von der Interessengemeinschaft Unstrutbahn, eine Draisine auf den Gleisen, Cocktails und mehr.