Nordhausen. Zehn Frauen und Männer haben in Nordhausen die neue Rettungshundestaffel Goldene Aue gegründet. Das Team sucht dringend Anschluss an eine Feuerwehr.

Die Vermisste heißt Antje. Ihr Auto steht auf dem Parkplatz an der Gumpestraße. Die Frau ist fort. „Spurlos verschwunden“, sagen Laien in solchen Fällen gern. Doch Jolandi weiß es besser. Die Dogge ist ein Mantrailer, ein Personenspürhund. Edith Stehfest, die Hundeführerin, muss ihr nur einen Geruchsträger von der gesuchten Frau vor die Nase halten, schon macht sich Jolandi auf den Weg.

Nordhausen hat eine neue Rettungshundestaffel. Zehn Frauen und Männer gehören derzeit dem Team an. Es sind überwiegend erfahrene Einsatzkräfte, die ihre Fähigkeiten in anderen Staffeln erlangt haben und all diese Kenntnisse jetzt in die frisch formierte Truppe einbringen wollen. Die Mitglieder stammen aus den Landkreisen Nordhausen, Eichsfeld, Mansfeld-Südharz, Northeim und Göttingen. Christin Sengfelder aus Bleicherode leitet die Staffel. Die Einheit verfügt bisher schon über fünf ausgebildete und geprüfte Rettungshunde, einsatzfähig im Mantrailing und in der Flächensuche.

Hohe Einsatzbereitschaft für zeitintensives Ehrenamt

Jolandis Spürnase hat den Stadtpark erreicht. Nicht nur Edith folgt ihrer Dogge. Ausbilderin Diana Söllner und zwei weitere Helfer begleiten sie ebenso. So wäre es auch im Ernstfall. Während sich der Hundeführer voll auf das Tier konzentriert, orientieren sich die Helfer im Gelände, achten auf Wege, sind aufmerksame Beobachter. Jolandi findet Antje. Die Freude ist beidseitig, der Jubel groß. Jolandi erntet viel Lob und ein ganz besonderes Leckerchen. Kein Alltagsfutter, sondern ein köstliches Extra, das die Hunde nur bei ihren Erfolgen im Training erhalten.

Beim Training im Wilden Hölzchen: Christin Sengfelder (vorn) mit ihren Hunden Atze und Alfred sowie Diana Söllner mit Echo.
Beim Training im Wilden Hölzchen: Christin Sengfelder (vorn) mit ihren Hunden Atze und Alfred sowie Diana Söllner mit Echo. © Funke-Medien | Jens Feuerriegel

Jede Staffel braucht einen Namen. Die Südharzer entscheiden sich für Goldene Aue. Zweimal in der Woche treffen sie sich zum Training, immer freitags und sonntags etliche Stunden. Es ist ein zeitintensives Ehrenamt. Aber alle wissen, worauf sie sich einlassen. Sie brennen für diese Aufgabe, erfüllen sie mit großem Eifer. „Man könnte meinen, dass wir einen Knall haben“, sagt Thomas Credo aus Kirchworbis. Aber die Gewissheit, Menschen in Not helfen zu können, und die Freude an der gemeinsamen Arbeit mit den geliebten Hunden seien sehr motivierend.

Und wer einmal im Einsatz ein Erfolgserlebnis hat, trägt fortan diesen emotionalen Augenblick in seinem Herzen. Thomas Credo kennt diesen Glücksmoment. Seiner liegt sieben Jahre zurück. In einem Pflegeheim in Gotha wird eine ältere Dame vermisst. Der Eichsfelder macht sich mit seinem Hund auf die Suche und findet die Frau hinter einer riesigen Industriehalle. Unterkühlt, aber lebend.

Die Eichsfelder Künstlerin Edith Stehfest hat das Vereinslogo für die Rettungshundestaffel entworfen.
Die Eichsfelder Künstlerin Edith Stehfest hat das Vereinslogo für die Rettungshundestaffel entworfen. © Funke-Medien | Jens Feuerriegel

Training ist bei Wind und Wetter. Das ganze Jahr über. Nur zu Weihnachten und im Sommerurlaub pausiert das Team. Die Mannschaft ist gut aufgestellt. Mit der Bleicheröderin Diana Söllner hat die Einheit eine etablierte Ausbilderin. Mit Anwärter Frank Rudolf aus Niederorschel ist eine zweite Lehrkraft an Bord. Weitere Mitglieder sind in der Staffel willkommen. Bei den geeigneten Hunderassen ist die Auswahl keineswegs eng. Schon jetzt bietet die Nordhäuser Truppe eine bunte Mischung. Vom Hannoverschen Schweißhund bis zum Großpudel. Von der Dogge bis zum Terrier-Mix. Hauptsache, die Vierbeiner haben einen hervorragenden Geruchssinn.

Pudeldame Dori kommt von ihrer Übung aus dem Park Hohenrode zurück. Allen Beteiligten ist das geglückte Finale anzusehen. Nun ist Frieda an der Reihe, die dreieinhalbjährige Weimaraner-Hündin von Dirk Sabrowski aus Berga. Die Spur zur vermissten Person führt wieder in den Stadtpark.

Mit seiner Weimaraner-Hündin Frieda hat sich Dirk Sabrowski aus Berga der neuen Rettungshundestaffel Goldene Aue angeschlossen.
Mit seiner Weimaraner-Hündin Frieda hat sich Dirk Sabrowski aus Berga der neuen Rettungshundestaffel Goldene Aue angeschlossen. © Funke-Medien | Jens Feuerriegel

Die Ausbildung zum Mantrailer sollte idealerweise schon im Welpenalter beginnen, meint Diana Söllner. Ein späterer Einstieg sei möglich, doch mit jedem Lebensjahr verschlechtere sich das Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Um einen nahezu perfekten Suchhund zu bekommen, sind Geduld und Ausdauer vonnöten, man müsse zwei bis drei Jahre intensiv trainieren. Mantrailing ist für die Hunde Hochleistungssport. Deren Kopfarbeit ist enorm. Und der Mensch muss in der Lage sein, seinen Hund lesen zu können, um dessen Körpersprache zu verstehen.

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Christin Sengfelder und Diana Söllner haben die Gründung ihrer neuen Staffel nicht bereut. Trotz aller Bürokratie, die auch gemeinnützigen Vereinen den Start erschwert. Das nächste Ziel sei die Aufnahme in die Liste der Rettungsleitstelle, erklärt die Vorsitzende. Dafür müsse die Staffel aber den Anschluss an einer freiwilligen Feuerwehr finden. Erste Gespräche laufen bereits.

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