Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) war dieser Tage mal wieder in Nordhausen zu Gast. Der Nordthüringer Unternehmerverband (NUV) feierte sein 20-jähriges Bestehen und präsentierte Schröder als Festredner. Bereits im Vorfeld dieses Besuches erinnerten sich viele Südharzer an Schröders ersten Aufenthalt in Nordhausen. Dieser war am 23. August 2000.

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Im kollektiven Gedächtnis blieb vor allem ein Spruch des damaligen Kanzlers, den er sich vor 24 Jahren vor laufender Fernsehkamera nicht verkneifen konnte: „Hol‘ mir mal ne Flasche Bier, sonst streik‘ ich hier.“

Nordhäuser erlebt hautnah den Ursprungsmoment des Musikhits

Aus dem fast schon poetischen Satz zauberte der Musiker und Fernsehproduzent Stefan Raab wenig später einen Song, der zum Hit wurde. Fortan gab es zahlreiche Nordhäuser, die meinten, dass diese berühmten Worte des Kanzlers in der Rolandstadt gefallen seien. In Wahrheit stammte das Zitat aber von Schröders Station, die er erst nach seiner Nordhäuser Stippvisite aufsuchte.

20 JAHRE NORDTHÜRINGER UNTERNEHMERVERBAND
Gerhard Schröder und seine Ehefrau Kim Syeon bei der Festveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV) am vergangenen Freitag. Auch diesmal mit einem Bier.© FUNKE Foto Services | Marco Kneise

Das bestätigt auch Norbert Obbarius, ein Zeitzeuge aus Nordhausen: „Der allseits bekannte Spruch des damaligen Kanzlers fiel in Berka beim Starthilfe-Verein am Nachmittag des 23. August 2000, nachdem Schröder zuvor Nordhausen besucht hatte.“

Der Spruch galt damals Schröders Pressesprecher

Obbarius erinnert sich: Der Spruch „galt mir oder dem neben mir sitzenden Uwe-Karsten Heye. Ganz genau kann man da nicht sicher sein. Angeschaut hat er mich, aber gemeint hat er sehr wahrscheinlich seinen Pressesprecher.“

Und das kam so: In seiner damaligen Funktion als „für die berufliche Bildung im Schulamt Artern Zuständiger“ begrüßte Obbarius den Kanzler bei dessen Eintreffen in Berka und bat ihn im Gespräch, später ein paar Zeilen in eine Ausgabe des Grundgesetzes zu schreiben. „Gedacht für unseren Politikwissenschaft studierenden Sohn“, verrät der Nordhäuser.

Schröder habe mit den Worten reagiert: „Sag’ das Heye, der soll mich daran erinnern!“ Obbarius amüsiert dies noch heute: „Der Kanzler duzte offenbar jeden, den er für einen Sozialdemokraten hielt.“

Bratwurst-Genuss mit Unterbrechungen

Nach einem Zusammentreffen mit Auszubildenden geleiteten die damaligen Sondershäuser Landkreisgrößen Schröder zu einem Bratwurststand. „Heye positionierte mich an einer Biertischgarnitur neben sich und genau gegenüber dem Kanzler“, erinnert sich Norbert Obbarius. „Statt nun genüsslich seine Thüringer Bratwurst verspeisen zu können, bestürmte ihn unvermittelt eine Gruppe Halbwüchsiger mit Autogrammwünschen. Heye reichte ihm Autogrammkarte um Autogrammkarte über den schmalen Tisch, und Schröder schrieb, biss an der Wurst, schrieb wieder und schenkte schließlich die restliche Hälfte einem der Bengels.“

Mit den Worten „Schieb ihm das Buch rüber“ habe Heye damals Obbarius in die Seite gestoßen und den Rest der Kinderschar verscheucht. „Ich tat’s“, blickt Obbarius zurück, „und Schröder – vom Autogrammschreiben offenbar etwas genervt – ließ den berühmten Spruch los. Hinter uns standen die TV-Leute. Sie filmten die Szene, und abends lief diese vertont bei Stefan Raab.“ So war ein Hit geboren, der bis heute nachhallt.

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