Vor dem Haus liegt ein Boot auf dem Trockenen. Irgendwann ist es irgendwo gestrandet. Jetzt hat es hier im Hospiz-Garten seine letzte Ruhestätte. In dem Boot sind viele weiße Steine. Jeder Einzelne erinnert an Menschen, die im Neustädter Haus Geborgenheit ans Ende ihres Lebens gelangt waren.

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Auf den Steinen stehen die Namen. Geschrieben von Hospiz-Mitarbeitern oder von Familienangehörigen der Verstorbenen. Die Buchstaben verblassen allmählich. Auch Andenken sind endlich.
Eine Katze huscht ins Haus. Seit zwei Jahren ist das Hospiz ihre Bleibe. Mitarbeiter wie Gäste haben das Tier ins Herz geschlossen. Dennoch ist die Katze namenlos. „Jeder nennt sie anders“, amüsiert sich die Hospiz-Leiterin Antje Wolf-Sauer (51). Geht es ums Fressen, höre die Katze auf jeden Namen. Die Chefin lacht. Das tut gut in diesem Haus.
Die Neustädter kennen das Klischee vom Hospiz: ein dunkles Haus, in dem gestorben wird. Die Südharzer leben den Gegenentwurf: „Wir sind ein helles Haus“, betont Antje Wolf-Sauer. „Wir lachen viel. Und weinen auch.“
Zwölf Einzelzimmer und 27 feste Mitarbeiter
Seit 15 Jahren steht das Hospiz nahe der Lungenklinik. Das Haus Geborgenheit verfügt über zwölf Einzelzimmer. Die sind so groß, da können auf Wunsch auch Partner oder Verwandte Platz finden.
Wer alleinstehend ist, muss nicht einsam sein. „Jeder stirbt individuell“, sagt Antje Wolf-Sauer, „aber nicht für sich allein. Dafür sind wir da. Wir begleiten jeden bis zum Schluss.“ Das Wir steht für 27 feste Mitarbeiter in der Pflege und Hauswirtschaft. Hinzu kommen Ehrenamtliche, die sich vielfältig einbringen. Sie dienen den Gästen als Gesprächspartner oder Vorleser, begleiten sie bei Spaziergängen oder übernehmen die Sitzwachen. Und dank ihnen ist das große Aquarium stets in einem tadellosen Zustand.
Für die palliative Arbeit müsse man geboren sein, meint die Leiterin. Die körperliche Tätigkeit sei nicht das Schwerste, sondern die emotionale Belastung. Hier findet kein einziges Schicksal ein Happy End. In den 15 Jahren sind in Neustadt rund 1800 Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet worden.
Von der Diakonie über Doceins zur Stiftung
Die Wurzeln des Hauses sind christlich. Die Trennung von der Diakonie in Elbingerode ist fünf Jahre her. Vom Doceins-Unternehmen, das noch immer Träger der Lungenklinik ist, hat sich das Hospiz im Vorjahr gelöst. Seitdem ist es eine Stiftung. Als Kooperationspartner bleibt Doceins aber. „Wir teilen uns noch die Technik.“
Beim Essen geht das Hospiz nun ebenfalls eigene Wege. „Wir wollen unseren Gästen kein Wahlessen aus der Klinik vorsetzen“, erklärt die Hauschefin. Jetzt können jederzeit auch die individuellen Wünsche erfüllt werden. Weil das Hospiz eine eigene Köchin hat.
Zum 15-Jährigen eine Feier im Saal Hohnstein
Das 15-jährige Bestehen des Hauses ist ein Grund zum Feiern. Das Fest am Sonnabend, 14. September, soll in erster Linie ein Dank an die Mitarbeiter sein. Aber es ist öffentlich und jeder willkommen. Die Feier im Saal Hohnstein startet 18 Uhr. Für Live-Musik sorgt die Band Stubenhocker. Der Eintritt kostet zehn Euro. Eine Partyküche kümmert sich um das Essen und Trinken. Geplant ist eine Tombola mit vielversprechenden Preisen – von Ballonfahrt bis Wellness-Gutschein. Der Erlös des gesamten Abends kommt komplett dem Hospiz zugute.
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