Auf die Größe kommt’s nicht an. Das gilt auch im närrischen Leben. Und deshalb ist einer der kleinsten Karnevalvereine Thüringens in der Lage, einen großartigen und stimmungsvollen Umzug auf die Beine zu stellen.

34 Mitglieder bündeln ihre Kräfte im Krajaer Karneval-Club (KKC). Voller Leidenschaft bewahren sie dem Dorf die allseits beliebte fünfte Jahreszeit. Motiviert sind sie bis zum letzten Zipfel ihrer Kostüme. „Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist es doch wichtig, den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, meint KKC-Chefin Ilona Scharff. „Den anderen ein wenig Freude in den Alltag zu bringen, damit sie wenigstens für ein paar Stunden alle Sorgen vergessen können, darin sehen wir unsere Aufgabe.“

Sieben befreundete Vereine unterstützen die Jubilare
Der Verein, gegründet 1974, schaut auf ein halbes Jahrhundert zurück. Ein Festumzug krönt das Jubiläum. Im vergangenen Januar hatte eine blöde Baustelle am Sportplatz diesen noch verhindert. Deshalb holen ihn die Krajaer an diesem Sonnabend im November nach.

Ihren Straßenkarneval müssen sie nicht allein feiern. Sechs närrische Vereine (aus Bleicherode, Großbodungen, Großwechsungen, Haynrode, Lipprechterode und Sollstedt) sowie die Kirmesburschen aus Kleinbodungen verstärken den Umzug. Wegen des 50-jährigen Jubiläums sind die Gastgeber im Goldrausch. Die Frauen-Truppe der Alten Eisen kommt deshalb in goldenen Umhängen. Und die nimmermüde Evelyn kutschiert eine goldene Henne durchs Dorf. Als Goldstücke glänzen auch die Prinzenpaare – sowohl die Großen (Patrick I. und Emily I.) als auch die Kleinen (Anton I. und Romy I.).

Voller Freude blickt Ilona Scharff aufs Dorf. Ganz viele Häuser sind bunt geschmückt. „Dafür sind wir sehr dankbar“, betont die Vereinschefin, „und wir sehen es als Wertschätzung unserer ehrenamtlichen Arbeit.“ So einen Umzug erlebt Kraja nur alle zehn Jahre. Daher haben die Gastgeber keine Mühen gescheut, bei diesem Höhepunkt diesmal mit drei Festwagen vertreten zu sein. Auf einem hockt der Sechserrat des KKC. „Einen Elferrat kriegen wir in Kraja nicht voll“, erklärt Ilona Scharff und lacht.

Bunt ist der Umzug und attraktiv. Für Letzteres sorgen vor allem die Funkenmariechen und Prinzengarden. Ein Blickfang sind wie immer auch die Bodepiraten aus Lipprechterode. Doch die Gäste aus dem Nachbardorf kommen nicht nur wild daher, sondern wunderschön dank der geheimnisvollen Damen vom Venezianischen Maskenball.

Für einen zusätzlichen Humorpunkt sorgen die Kleinbodunger Kirmesburschen, die sich unter die Narren gemischt haben. Selbst der Erbesbär hat sich auf den Weg gemacht. Doch diesmal ist Marvin nicht in Stroh gewickelt, sondern steckt in einem plüschigen Teddy-Kostüm. Trotzdem nimmt Bärenführer Martin seinen Job auch hier ernst und hält die Leine kurz. „Unser Stroh ist alle“, behauptet er augenzwinkernd.

Der Umzug startet an der Wallroder Straße, erfreut sich unterwegs im Dorf zahlreicher Zaungäste und endet am Sportplatz. Dort gelingt der fast nahtlose Übergang zur närrischen Party. Ilona Scharff ist begeistert. „Ich freue mich sehr, dass so viele Menschen hier mitgemacht haben“, fasst sie ihr Glück in Worte.

Sicher hat es in den vergangenen 50 Jahren neben den Höhen auch Tiefen im närrischen Geschehen gegeben. Aber dieser Jubiläumsumzug ist fraglos ein absoluter Glanzpunkt, an dem sich folgende Spektakel messen lassen müssen.


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