Am 9. November noch verließ er voller Vorfreude sein Dorf gen Berlin, den Mauerfall 1989 zu feiern. An der Gedenkstätte Bernauer Straße gestaltete er mit anderen vom Limlingeröder Posaunenchor das offizielle Gedenken musikalisch. Nun bleibt sein Tenorhorn stumm - vergangenen Sonntag ist Ehrhart Neubert gestorben. Mit 84 Jahren.

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Die Bundesrepublik verliert mit ihm einen herausragenden DDR-Bürgerrechtler, einen der Hauptakteure der Friedlichen Revolution 1989; der Südharz einen langjährigen Pfarrer, der auch im Ruhestand ruhelos blieb. Der zuletzt beim sommerlichen Tauffest im Wald von Trebra predigte. Der in Limlingerode wie auch in Epschenrode und Friedrichsthal zu den treibenden Kräften der Kirchensanierung zählte - weil er es verstand, ein ganzes Dorf dafür zu begeistern. Er habe, sagt Superintendent Andreas Schwarze, „die Herzen der Menschen über die Kirchenmauern hinaus erreicht“.
Ausgerechnet in Limlingerode, diesem früheren Grenzort, wurde er heimisch nach der Wende, die er in Berlin maßgeblich mitgestaltet hatte: am Runden Tisch als Vize-Vorsitzender des Demokratischen Aufbruchs, den er in seiner Wohnung im Oktober 1989 mitbegründete.
In einem südthüringischen Pfarrhaus groß geworden, studiert Ehrhart Neubert in den späten 1950ern selbst evangelische Theologie. Er wirkt als Studentenpfarrer in Weimar, findet in 1970ern in verschiedene oppositionelle Friedenskreise, zieht mit seiner Frau Hildigund Neubert - Tochter des Theologen Heino Falcke - 1987 nach Berlin. Er ist ein zutiefst politischer Mensch - aber selbst nach dem Mauerfall nie ein aktiver Politiker. Daran ändern später auch Mitgliedschaften bei Bündnis 90 und der CDU nichts.
Statt des politischen Geschäfts widmet Neubert seine Lebensjahre im vereinten Deutschland lieber dem Publizieren. Er macht sich verdient um die Aufarbeitung der SED-Diktatur, engagiert sich für die Rechte von Stasiopfern, schreibt über die Geschichte der DDR-Opposition, promoviert zu diesen Thema 1996 als 56-Jähriger.
Das Bundesverdienstkreuz bekommt er, als er längst in und um Limlingerode als Pfarrer wirkt. Die letzten Jahre wird es ruhiger um ihn - doch er nimmt teil. Unterschreibt 2019 beispielsweise die Offene Erklärung „Nicht mit uns: Gegen den Missbrauch der Friedlichen Revolution 1989 im Wahlkampf“ durch die AfD. Wie diese in Teilen rechtsextremistische Partei bei der nächsten Bundestagswahl im Februar abschneidet, wird er nicht mehr erleben.







