Hier eine Zigarettenkippe, dort ein Kronkorken, Glasscherben und ein Plastikbecher. Alles, was die Kids erspähen und nach Müll aussieht, der nicht in die Natur gehört, lesen sie auf. Fein säuberlich wird dieser in Eimer sortiert. Mal schnappen es sich die Schüler der Klasse 3b der Evangelischen Grundschule in Nordhausen mit einem Müllgreifer, mal mit den Händen, die in Handschuhen stecken.

Gestartet ist die Müllsammel-Aktion der 21 Mädchen und Jungen bereits vor der Schultür, wo sie nach einer kurzen Grundlagenschulung durch Desiree Jakubka von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) bereits einiges zum Thema Müll erfahren. Beispielsweise, dass Styropor einer Verpackung in der Natur gut 6000 Jahre braucht, bis es verrottet ist und eine achtlos weggeworfene Corona-Maske schätzungsweise nach 450 Jahren zersetzt ist.
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Vieles wissen die Kids bereits, da sie sich regelmäßig mit Umweltthemen auseinandersetzen, manches lässt sie aber auch staunen.
In ihren orangefarbenen Westen fallen sie sofort auf. In großen Buchstaben steht darauf „Waldputz-Challenge“. Denn die Mädchen und Jungen beteiligen sich an der Umweltaktion dieser Zeitung. Die Nordhäuser Schulgruppe ist dabei nur eine von vielen anderen, die in ganz Thüringen dieser Tage bei der Putz-Challenge mitmachen, um aktiv Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen.

Ausgestattet mit dem notwendigen Equipment, begeben sie sich wie zu Ostern auf die Suche. Doch Müll zu finden, ist bei weitem einfacher. Bereits wenige Meter hinter dem Schultor fängt es an. Nach gerade einmal 100 Metern die erste nüchterne Bilanz: 151 Zigarettenkippen. Fein säuberlich wird alles Aufgelesene dokumentiert. Denn am Ende werden dafür Punkte verteilt.
Entlang der Zorge geht es auf einem Feldweg in Richtung Stadtpark. Ausgesucht hat die Strecke Daniel Kunze, der an der Grundschule Erzieher ist und die Gegend wie seine Westentasche kennt. Viel Müll kommt der Schulgruppe unter, nicht nur wegen der seit Monaten anhaltenden Baustelle, die vis-à-vis der Schule ist.

Ganz vorne läuft Malte. Sein Blick scannt den Weg ab, bis er wenige Augenblicke später etwas Großes entdeckt. Schnurstracks läuft er darauf zu. Kurz darauf hält er einen ganzen Müllbeutel stolz in die Höhe. Finden die Kids etwas, machen sie sich lautstark bemerkbar und erklären, was es sein könnte. Ein Knochen, ein toter Vogel, Plastiktüten mit Hundekot und vieles mehr.
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Am Abzweig zum ehemaligen Hundeheimwehr steht schließlich eine Waldschenke, die sich für jeden Müllsammler als Mekka entpuppt. Neben Essensresten, weiterer Plastikmüll. Eine halbe Wohnungseinrichtung entdecken die Kids gar am Ufer des Wehrs selbst: Teppiche, Kissen, ein Campingstuhl und weiterer Unrat.

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„Krass“, sagt Phineas, der aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Dass so viel Müll hier einfach so herumliegt, hätte er nicht erwartet. Vor allem nicht die vielen Zigarettenreste.

Dann entdeckt er seinen Fund des Tages. Ein altes Handy. Malte dagegen schleppt eine riesige Plane aus Plastik an. Andere finden das Kabel eines Telefons und die Reste eines Metallzaunes. Der allerdings ist zu groß, um diesen wegzutragen. Auch ein Fass gammelt vor sich hin, Teerreste sind daran zu erkennen. Schon länger muss es hier liegen, wenn man den Rost als Indikator ansetzt.

Alles wird zusammengetragen und in Beutel für den Transport vorbereitet. Was zu groß ist, wird er Abfallwirtschaft gemeldet, damit die Profis sich um die Entsorgung kümmern.
Auf dem Rückweg weiterer Müll, den die Kids einpacken.

Zurück an der Schule wird abgerechnet. 263 Zigaretten, 16 Kronkorken, gut 50 Glasflaschen, drei Mehrwegflaschen, knapp 9 Kilogramm Plastikmüll und fast 14 Kilogramm Restmüll haben die Kids zusammen mit ihren Begleitern aufgelesen.
„Verdammt viel“, resümiert Desiree Jakubka, die nicht überrascht ist, wie hoch motiviert die Mädchen und Jungen den Müll gesucht und aufgelesen haben.
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Schulleiterin Tina Kallmeyer ist von ihren 21 Kids ebenfalls begeistert und angesichts der Müllmenge davon überzeugt, dass man solche Aktionen öfters mal machen sollte, auch außerhalb der Schule. Erzieher Daniel Kunze hingegen ist positiv überrascht, wie wenig es braucht, um Kinder zu beschäftigen und wichtige Themen anzusprechen.

Danach begleitet die Schüler der Evangelischen Grundschule die Thematik weiter. In deren wöchentlichen Andacht am Freitag nachmittag gibt es ein Müllquiz und ein japanisches Erzähltheater, bei dem die Geschichte eines Eichhörnchens erzählt wird, das mit dem Müll im Wald kämpft. Ganz wie die Kids, die vergangenen zwei Stunden.
Was ist die Waldputz-Challenge?
Die Aktion ist Teil der nachhaltigkeitsorientierten Kampagne „Wir forsten auf“, welche darauf abzielt, das ökologische Bewusstsein zu stärken und zu einem aktiven Beitrag für eine saubere natürliche Umgebung zu motivieren.
Die Waldputz-Challenge 2026 der Thüringer Allgemeine richtet sich dabei als Initiative an Schulklassen aller Klassenstufen in Thüringen und bietet den Teilnehmenden die Gelegenheit, sich durch die Verbindung von Bildungselementen und einer praktischen Tätigkeit direkt für den Umweltschutz einzusetzen und gleichzeitig zu lernen.
Vom 6. bis 19. März 2026 werden die Kinder und Jugendlichen in ausgewählten Waldgebieten Thüringens aktiv, indem sie Müll sammeln und somit ihre Wertschätzung für die Natur zum Ausdruck bringen. Dabei wird den Teilnehmenden die Bedeutung gesunder Wälder nähergebracht und aufgezeigt, wie sie durch ihr eigenes Verhalten zur Nachhaltigkeit beitragen können.
Mit einem innovativen Punktesystem bewerten die Schulkinder gemeinsam mit Waldexperten der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) die gesammelten Abfälle.
Alle teilnehmenden Klassen erhalten 100 Euro für die Klassenkasse, die drei besten Klassen zusätzlich einen besonderen Erlebnisvormittag mit gemeinsamer Pflanzaktion.
Höhepunkt der Aktion ist die feierliche Preisverleihung im Jenaer Waldlabor der SDW-Thüringen am 21. März 2026.

















