Eine engagierte Stimme schweigt für immer: Jürgen Hohberg, früherer Bürgermeister von Sollstedt, lebt nicht mehr. Er verstarb im Alter von 79 Jahren. Mit ihm verliert nicht nur sein Heimatort einen kämpferischen Streiter, sondern auch der Landkreis Nordhausen trauert um den langjährigen Kommunalpolitiker.

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Seine politische Laufbahn begann im September 1989, als er die Bürgerinitiative Sollstedt mitbegründete. Von 1990 bis 2010 stand Jürgen Hohberg dann als parteiloser Bürgermeister an der Spitze der Gemeinde. Noch länger saß er aber im Nordhäuser Kreistag. Stolze drei Jahrzehnte prägte die Geschicke des Landkreises mit. Nicht viele andere Lokalpolitiker können auf eine so lange Zeit in diesem Gremium zurückblicken.
Einer seiner Wegbegleiter in dieser Zeit war Joachim Claus. „Wir haben Jahrzehnte im Kreistag zusammengearbeitet. Es war stets eine angenehme Zusammenarbeit; offen, ehrlich und korrekt. Jürgen Hohberg war auf der einen Seite ein streitbarer und auf der anderen Seite ein sehr ehrbarer Mensch. Er hat sich stets für die Interessen seines Ortes eingesetzt“, erinnert sich der damalige Landrat.
Ein ehrlicher Mensch mit Ecken und Kanten
Dass ihm sein Heimatort sehr wichtig war, kann Dagmar Becker ebenfalls bestätigen. „Jürgen Hohberg war ein Mensch mit Ecken und Kanten, aber er hat unwahrscheinlich viel für Sollstedt erreicht. Gerade in schwierigen Zeiten hat er viele Fördermittel in die Gemeinde geholt. Auch der Erhalt der Schwimmhalle war für ihn stets sehr wichtig“, so die Ortsteilbürgermeisterin von Wülfingerode.
Heike Umbach, Geschäftsführerin der Sollstedter Wohnungsbaugesellschaft (SWBG), möchte zum Abschied Danke sagen. „Jürgen war ein Bürgermeister, der insbesondere in der Wendezeit die Zeichen der Zeit sehr schnell erkannt hat und mindestens genauso schnell gehandelt hat. Sollstedt hat ihm viel zu verdanken und ich meine damit nicht nur die sanierten Straßen oder Abwasserkanäle. Die Gründung der SWBG, WVS sowie der Erhalt des Hallenbades gehen genauso auf sein Konto. Er hat den Grundstein dafür gelegt, dass Sollstedt nicht eingemeindet werden musste und als Grundschulstandort erhalten blieb. Trotz einiger Meinungsunterschiede zolle ich ihm meinen größten Respekt und Anerkennung für sein vorausschauendes, engagiertes Handeln zum Wohle von Sollstedt. Ich werde ihn stets als großen Kämpfer für seine Überzeugung und für Sollstedt in Erinnerung behalten. Möge seine jetzige Reise harmonisch und beschwerdefrei sein.“
Viel mehr als ein Wegbegleiter war Hartmut Winter. Der Wülfingeröder stand bis zum Ende als Freund an der Seite von Jürgen Hohberg. Kennengelernt haben sich die beiden Männer bereits vor der Wende, als sie im Sollstedter Kaliwerk arbeiteten. Ein näherer Kontakt entstand aber erst zu der Zeit, als beide Bürgermeister waren. „Wülfingerode war damals noch eigenständig und Sollstedt war die erfüllende Gemeinde. Es war eine schwierige Zeit, dadurch sind wir zusammengewachsen. Wir haben uns fachlich gegenseitig ergänzt und eine Symbiose gebildet. Aus dieser guten Zusammenarbeit ist dann eine Freundschaft gewachsen.“
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Winter bezeichnet den Verstorbenen als einen Menschen, der wusste, was er wollte. Es sei auch nicht immer leicht gewesen, ihn von einer gegenteiligen Meinung zu überzeugen. „Jürgen hat sehr viel für Sollstedt getan. Und er war bis zum Schluss ein politischer Mensch, dies habe ich in unseren Gesprächen immer wieder gemerkt.“




