Die CDU in Nordhausen sei irritiert, sagt Steffen Iffland. Der Fraktionschef im Stadtrat schaut verwundert auf die jüngsten Aussagen der früheren Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) zum gegenwärtigen traurigen Zustand des Waisenhauses und des Walkenrieder Hofs in der Nordhäuser Altstadt (unsere Zeitung berichtete)

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Iffland meint: „Als ehemalige Oberbürgermeisterin und langjährige Stadträtin war sie selbst maßgeblich an Entscheidungen beteiligt, die den heutigen Zustand vieler städtischer Gebäude mitverursacht haben.“ Gerade in Rinkes Amtszeit von 1994 bis 2012 sei es „zu erheblichen Verlusten historischer Bausubstanz“ gekommen. Die Entwicklung des Parks Hohenrode sei jahrelang blockiert worden, wirft Iffland der einstigen Stadtchefin vor. Der Lindenhof sei vollständig verloren gegangen.
Die Stadt war am Ende, insbesondere im Jahr 2015, in dem kein Haushalt zustande kam. Diese Zeiten darf es nicht wieder geben.
Christian Völkel (CDU), Vorsitzender im Finanzausschuss des Stadtrates
Im Jahre 2010 habe Barbara Rinke einen zehnjährigen Mietvertrag mit einer im Ausland ansässigen Immobilienfirma abgeschlossen und städtische Einrichtungen in das Postgebäude am Lutherplatz verlegt. Das Waisenhaus sei daraufhin leer gezogen worden. „Eine Sanierung während der Mietzeit wurde von Frau Rinke zwar angekündigt, aber nie in Angriff genommen“, erinnert sich Iffland.
Rinkes Amtszeit sei in einer Haushaltsnotlage mit langjährigen Sparmaßnahmen gemündet, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind, beklagt Iffland. Der heutige Finanzausschussvorsitzende Christian Völkel (CDU) erklärt rückblickend: „Die Stadt war am Ende, insbesondere im Jahr 2015, in dem kein Haushalt zustande kam. Diese Zeiten darf es nicht wieder geben. Aber dafür muss sich einiges grundlegend ändern. Wir sind dafür bereit“.
Der schwierige Zuschnitt der Räume ist ein Hemmnis
Vor diesem Hintergrund habe der Stadtrat bereits im Jahr 2018 beschlossen, den Gebäudekomplex aus wirtschaftlichen Gründen zum Verkauf auszuschreiben – in der Hoffnung, einen Investor mit tragfähigen Ideen zu gewinnen. „Gespräche fanden statt“, berichtet Iffland, „allerdings stellte sich vor allem der schwierige Zuschnitt der Räume – insbesondere im Walkenrieder Hof – als Hemmnis für eine Umnutzung heraus.“
Dennoch sei es gelungen, das Gebäude vor dem Verfall zu retten: 2020 stellte der Stadtrat auf Initiative der CDU mehr als 250.000 Euro für eine Dachsanierung bereit, die umgehend ausgeschrieben wurde. Damit wurde ein wichtiges Stück Nordhäuser Baugeschichte gesichert, betont Iffland.
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Die CDU-Fraktion setzt sich seit weit mehr als einem Jahr dafür ein, dass das Waisenhaus wieder mit Leben gefüllt wird – vor allem durch die Nutzung der Räume durch Vereine, die dringend Unterkünfte benötigen. „Trotz mehrfacher Initiativen wurden entsprechende Anträge der CDU in den Fachausschüssen jedoch stets von den Fraktionen der SPD, der Linken und der Grünen abgelehnt“, kritisiert Iffland. „Dieses wiederholte Nein zur Unterstützung des Vereinslebens in unserer Stadt ist für uns unverständlich.“
Seit der Debatte um das Thomas-Mann-Haus im Jahr 2015 habe sich die SPD-Fraktion nie eindeutig zur Zukunft des Waisenhauses positioniert, sagt CDU-Fraktionsvizechef Andreas Trump. Der CDU-Antrag von 2023, dem Gebäude wieder eine sinnvolle Nutzung zuzuführen, sei bislang immer wieder vertagt worden. „Inzwischen liegen von Frau Rinke und der SPD-Fraktion sogar konkurrierende Anträge vor“. Das sei „ein weiteres Zeichen der Uneinigkeit“, bedauert Trump.
„Es ist gut, dass nun endlich in den Fachausschüssen über eine Lösung gesprochen wird“, unterstreicht Iffland. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept, das die bisherigen Vorschläge zusammenführt und das Gebäude endlich einer tragfähigen Nutzung zuführt.“
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Iffland meint: „Wenn die SPD schon 2010 echtes Interesse am Erhalt des Waisenhauses gezeigt hätte, hätte man längst konkrete Schritte einleiten können.“ Jetzt gelte es, „parteipolitische Spielchen beiseitezulegen und sich gemeinsam für den Erhalt und die sinnvolle Nutzung dieses bedeutenden Bauwerks einzusetzen“. Vor allem für die „Vereine, die unsere Stadtgesellschaft tragen und stärken“. red





