Riccardo Roßmell ist bitter enttäuscht. Er steht am Montagabend auf dem Kirchhof in Niedersachswerfen und kann nicht verstehen, was vor wenigen Minuten im Mehrzweckgebäude der Gemeinde Harztor geschehen ist. Die Mitglieder des Gemeinderates haben einstimmig beschlossen, dass der Kindergarten „Ackermännchen“ in Herrmannsacker am Ende dieses Jahres geschlossen werden muss.

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„Lokalpolitiker sollten doch im Interesse der Kinder entscheiden“, sagt Roßmell. Aber die Verantwortlichen in Harztor kennen kein Erbarmen. Der Kampf des Fördervereins ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

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Die Gemeinde hat ihre Argumente. Im Dorf fehlt der Nachwuchs. Die Kinderzahlen sind zu gering und die Kosten unverhältnismäßig. Aus wirtschaftlichen Gründen sei es aus der Sicht der Kommune nicht länger zu verantworten, in Herrmannsacker einen Kindergarten zu betreiben. Auch die bauliche Substanz des Gebäudes entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Mögliche Investitionen für eine Modernisierung oder gar für einen Neubau wären finanziell nicht zu rechtfertigen. Die Betriebserlaubnis, die aus einer Übergangsregelung im Thüringer Kindergartengesetz resultiert, endet am 31. Dezember 2025.

In der Einwohnerfragestunde des Gemeinderates am Montagabend unternimmt Riccardo Roßmell einen letzten Versuch, den drohenden Verlust abzuschwächen. Es gebe Alternativen, sagt er. Der Förderverein will aus dem Kindergarten ein Kindertagespflege-Angebot machen. Tagesmütter sollen die Betreuung übernehmen. Im Sinne der Kinder sollte der Übergang nahtlos sein. Deshalb bittet Roßmell den Gemeinderat, den Beschluss noch einmal zu vertagen oder wenigstens den gesetzten Termin in der Vorlage zu streichen.

Gemeinde will Gebäude kostenfrei zur Verfügung stellen

Harztor-Bürgermeister Stephan Klante (parteilos) lehnt den Kompromiss ab. Der konkrete Termin müsse im Beschlusstext bleiben, sagt er. Das Vorhaben mit den Tagesmüttern nennt er „nebulös“. Da sei doch der Förderverein erst noch „in der Findungsphase“.

Für einen Moment der Verwirrung – zumindest in den Reihen der Zuschauer – sorgt CDU-Fraktionschef Andreas Schmidt, als er andeutet, den Antrag auf Schließung des Kindergartens zurückziehen zu wollen. Doch seine Gemeinderatskollegen bleiben davon unbeeindruckt – und er selbst verfolgt seinen Gedanken auch nicht weiter.

Der ehrenamtliche Beigeordnete Günter Steikert von der Unabhängigen Wählerliste (UWL) bringt das Gremium wieder auf Kurs. Er berichtet von intensiven Gesprächen im Finanzausschuss. Dort seien „alle Zahlen beleuchtet“ worden. Das Tagesmutter-Projekt würde die Gemeinde unterstützen und die Räume des heutigen Kindergartens mietfrei zur Verfügung stellen. „Wir wissen nicht, ob sich eine Tagesmutter findet“, deutet Steikert seine Skepsis an. Aber sollte es gelingen, würde die Gemeinde keine Steine in den Weg legen. Bezahlt werden müsste die Betreuung von den Eltern. Allerdings gebe es da wohl auch Zuwendungen vom Land.

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Einstimmig besiegelt der Gemeinderat das Schicksal des Kindergartens „Ackermännchen“, der nun Ende des Jahres schließen muss. Riccardo Roßmell schmerzt dieser Entschluss. Er sorgt sich vor allem um die betroffenen Kinder, wenn diese aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen werden. Aber resignieren will er nicht. Jetzt sucht der Förderverein Tagesmütter. „Zwei oder drei wären optimal“, meint Roßmell. Am besten ab Januar. Der Countdown läuft.