Tradition muss nicht angestaubt sein. Bleicherode beweist dies eindrucksvoll. Was all die Mitwirkenden am Wochenende auf der Bühne, auf dem Festplatz und hinter den Kulissen geleistet haben, ist das Fundament, das Großartiges ermöglicht. Und da es dem Programm gelungen ist, punktuell allen Generationen Spaß und Lebensfreude zu bereiten, verdient das Bergmannsfest das wertvollste Prädikat: Es ist ein wahres Volksfest.

Täglich
Der Newsletter für Nordhausen
Alle wichtigen Informationen aus der Region Nordhausen, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Fleiß allein stellt noch kein Festwochenende auf die Beine. Aber zum Glück kann Bleicherode auch auf die Hilfe von Sponsoren bauen. Aus dieser wichtigen Quelle sprudeln dieses Jahr 17.000 Euro in das Fest-Budget.

Die Tradition wiegt schwer. Aber Lutz Barthel trägt die Fahne ganz locker. Sie zeugt vom ursprünglichen Bergmannsverein Glückauf, der sich 1900 – demnach vor 125 Jahren – in Bleicherode gründete. Der wiederbelebte Verein ist deutlich jünger. Er blickt aber im kommenden Jahr auch schon seinem 30. Geburtstag entgegen.
Für Franka Hitzing ist es das erste Bergmannsfest als Landgemeinde-Bürgermeisterin. Sie weiß, was der Kalibergbau für Bleicherode bedeutet. „Diese Stadt hat vom Bergbau gelebt“, sagt sie, „und eigentlich ist es noch immer so, weil der Verein die Tradition bewahrt.“

Das Engagement der Mitglieder ist sichtbar auf dem Schillerplatz – am technischen Denkmal und am Gedenkstein. Spürbar ist es ebenso bei allen Events, an denen sich der Verein beteiligt.
Für Rainer Aderhold, Vorsitzender des Bleicheröder Bergmannsvereins, ist der Schillerplatz ein wichtiger Ort des stillen Gedenkens. Er „dokumentiert für alle Zeit die Verbundenheit mit dem Kalibergbau“, sagt Aderhold, und erinnert an all jene, die ihr Leben im Berg gelassen oder ihre Gesundheit für den Beruf geopfert haben. Deshalb pflegt der Verein unermüdlich das Terrain und hat in diesem Jahr unter anderem für neue Pflanzen gesorgt.

Die Wurzeln des Bergmannsfestes sind unverwüstlich. Aber tüchtig feiern können Bergleute auch. Dieses Jahr reiht sich gut ein. Der Prolog ist schon grandios. Emma rockt am Freitagabend die Bühne. Die Kultband mit ihrem erstklassigen Sänger Matthias Hirschfeld hat ein Heimspiel und lockt 700 Besucher an. Die Reiferen sind begeistert, weil sie gern in alten Yoga-Zeiten schwelgen, und die Jungen lassen sich vom nicht alternden Sound einfach mitreißen.

Beste Stimmung herrscht ebenso am Samstagabend. Die Partyband Feierklang aus Duderstadt versteht es gleichfalls, das Publikum zu entzücken.
Bleicherodes Ortsbürgermeister Robert Henning schaut zufrieden auf das Geschehen. Glücklich ist er vor allem, weil wieder so viele fleißige Helfer den Festplatz hergerichtet haben. Und er weiß: Beim Aufräumen packen sie auch wieder zahlreich mit an.

Hervorhebenswert sei, meint Henning, dass Bleicheröder Gastronomen auf dem Platz stehen. Das ist nicht selbstverständlich. Ebenso lobt der Stadtchef die Fußballer vom Sportverein Glückauf, die am Grill agieren. In diesem Fest steckt wirklich ganz viel Gastlichkeit.
Die kurzfristige Absage eines Autoscooter-Betreibers kann die Feierlaune nicht trüben. Andere Schausteller sind da. Und der Sonntag ist besonders, weil der Eintritt dieses Jahr am Abschlusstag für alle Besucher frei ist. Dank der Sponsoren und dank des Nachbarschaftsfestes der Südharzer Wohnungsbaugenossenschaft (WBG).

Trotz aller Festfreude wird der Ortsbürgermeister einen Moment auch nachdenklich. „Wir feiern hier, und Kameraden von uns kämpfen zeitgleich beim Waldbrand, der auf den Saalfelder Höhen wütet.“ 22 Feuerwehrleute aus der Landgemeinde sind am Sonnabend ausgerückt, um im Brandgebiet bei Gösselsdorf zu helfen.
Weitere Themen aus Nordhausen






