Einer sollte dem Chef immer sagen, was Sache ist: Im Landkreis Nordhausen arbeiten nach Angaben der Arbeitsagentur etwa 32.060 Beschäftigte in rund 1960 Betrieben. „Aber längst nicht alle haben in ihren Jobs eine starke Stimme gegenüber dem Chef“, weiß Jens Löbel, Regionalchef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Viele der Beschäftigten im Kreis Nordhausen haben keine Arbeitnehmervertretung. Dabei ist jedes Betriebsrats-Vakuum eine vertane Chance.“

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Betriebsräte seien gut für die Unternehmen, meint Löbel: „Vom Ärger über die Arbeitszeit bis zum besseren Arbeitsschutz – ein Betriebsrat packt die heiklen Themen im Unternehmen an. Er kümmert sich darum, dass die Azubis vernünftig ausgebildet und anschließend übernommen werden. Und genauso um die Beschäftigten, denen die Arbeit über den Kopf wächst.“ Ein Betriebsrat sei das „Scharnier zwischen Belegschaft und Chefetage – ein Sprachrohr der Beschäftigten gegenüber dem Chef“.
Viele Branchen spüren die aktuellen Veränderungen
Die Situation vieler Beschäftigter sei durchaus kritisch: Viele Branchen im Kreis Nordhausen spürten bereits die aktuellen Veränderungen in der Wirtschaft. Außerdem plane die neue Bundesregierung Änderungen für Arbeitsbedingungen. Dazu zähle etwa das Abrücken von der täglichen Höchstarbeitszeit, das Auswirkungen auf viele Betriebe im Kreis Nordhausen haben werde, meint Löbel.
„Gerade deshalb ist es jetzt wichtig, dass es einen Betriebsrat gibt“, betont der Gewerkschafter. „Der macht das, was ein einzelner Beschäftigter nicht kann: Er setzt sich bei der Unternehmensleitung für die Interessen der gesamten Belegschaft ein. Und er kümmert sich auch um Einzelfälle – um individuelle Probleme von Beschäftigten“, sagt Jens Löbel. Ein Betriebsrat sei wichtig für den reibungslosen Ablauf und für das Klima im Unternehmen. Er mache gerade auch in Krisenzeiten „Jobs sicherer und besser“.
Die NGG appelliert daher an die Unternehmen im Kreis Nordhausen, in denen es noch keinen Betriebsrat gibt, jetzt eine Arbeitnehmervertretung zu gründen: „Ab fünf Beschäftigten kann und sollte es einen Betriebsrat geben. Je mehr Beschäftigte es gibt, umso mehr können sich auch im Betriebsrat engagieren“, sagt Löbel.
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Dort, wo es bereits einen Betriebsrat gebe, werde dieser im kommenden Jahr neu gewählt. Wer jetzt aber im Kreis Nordhausen einen Betriebsrat gründe, stelle damit schon heute die Weichen für die nächsten fünf Jahre: Denn neu gegründete Betriebsräte würden nicht bei den regulären Betriebsratswahlen im kommenden Jahr erneut zur Wahl stehen, sondern erst 2030. red




