England, Italien, Kroatien – Racheles Stationen zeigen: Ihre Heimat ist Europa. Die Bühne ist ihre Welt, der Tanz ihr Leben. Seit zwei Jahren verstärkt sie das Ballett-Ensemble in Nordhausen. Die Italienerin, in der Toskana geboren, fühlt sich wohl am hiesigen Theater. Und voller Vorfreude blickt sie ihrer nächsten Premiere entgegen. Rachele Cortopassi tanzt die Titelrolle in „Giselle“.

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Das romantische Ballett von Adolphe Adam gilt als ein Meisterwerk. Wenn man den Zeitzeugen vertrauen darf, dann war schon die Uraufführung im Juni 1841 in Paris ein Triumph. Die Messlatte liegt demnach auch in Nordhausen hoch. Ballettchef Ivan Alboresi ist ein mutiger Mann und scheut keinen Vergleich. Er interpretiert den Klassiker neu und choreografiert eine Version, mit der er das Publikum begeistern will.

Es ist eine Geschichte, die Herz und Seele rührt.

Renate Liedtke, Sprecherin des Theaters in Nordhausen

Adams Musik ergänzt Alboresi mit Klang-Atmosphären, die ihm der Sound-Designer Giuseppe Villarosa extra für den Ballettabend kreiert hat. So hat die Welt „Giselle“ noch nicht erlebt. Deshalb ist die Premiere am Freitag, 24. Oktober, im Nordhäuser Theater im Anbau zugleich auch eine Uraufführung.

Alboresis Interpretation sei „getragen von dem Grundgedanken des Verzeihens“, erklärt Theatersprecherin Renate Liedtke. „Auch bei ihm geht es um unschuldige Liebe und Verrat, aber auch um die Macht der Vergebung.“

Ballett Giselle
Rachele Cortopassi als Giselle und Leonardo de Santis als Albrecht während der ersten Hauptprobe.© Ida Zenna

Das junge Mädchen Giselle (Rachele Cortopassi) liebt Albrecht (Leonardo de Santis) über alles. Als sie erfährt, dass er bereits vergeben ist, verfällt sie in Wahnsinn und stirbt. Aber ihre große Liebe reicht über den Tod hinaus. Während Geister verratener Menschen Rache nehmen wollen, zeigt Giselle wahre Größe und rettet Albrecht. „So endet das Ballett, obwohl Giselle tot ist, mit Hoffnung“, spoilert Renate Liedtke. „Es ist eine Geschichte, die Herz und Seele rührt.“

Für das Publikum werden alle Gefühle erlebbar – dank der Tänzer. Und sichtbar – denn Ballettdirektor Ivan Alboresi hat mit dem Ausstatter Pascal Seibicke einen großartigen Fachmann an seiner Seite. Gemeinsam haben sie sehr poetische Bilder gefunden. Nach den Entwürfen von Seibicke entstand im Nordhäuser Malsaal ein großes Gemälde, das im Hintergrund der Bühne die Liebe und Leichtigkeit des Sommers widerspiegelt.

„Im zweiten Teil des Abends zieht sich ein Riss durch das Ganze, ein physisch erlebbarer Spalt für eine zerbrochene Welt“, berichtet Liedtke. „Schwarzer Schnee liegt auf dem Bühnenboden als Zeichen dafür, dass etwas aus dem Lot gefallen ist.“

Liedtke schwärmt ebenso von den Kostümen. Diese greifen die Farbigkeit des Gemäldes auf. Sie sind fließend und weich. Die Kostüme der Geister hingegen wirken wie Seelenstücke, die verloren gegangen sind.

Nach der Premiere am 24. Oktober folgen weitere Vorstellungen am 2., 7., 23. und 29. November. Karten gibt es an der Theaterkasse.

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