Die Herausforderungen in dem Wohnblock in der Rautenstraße 1 wachsen. Nach dem Beginn der Entkernungsarbeiten im Juni zieht die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) nun die Reißleine.
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„Statt einer sehr aufwendigen Sanierung soll an zentraler Stelle in Nordhausen ein Neubau entstehen“, heißt es in einer Mitteilung der SWG. Denn erneut stellte sich heraus, dass die Bausubstanz des Hauses aus den 1950er-Jahren erheblich schlechter sei als zu Beginn angenommen wurde.

Kostensteigerung um 2,6 Millionen Euro
„Ursprünglich wollten wir an diesem Objekt nur den Laubengang sanieren. Doch Stück für Stück haben uns bei den laufenden Arbeiten immer wieder neue Hiobsbotschaften ereilt. Jetzt sind wir an dem Punkt angelangt, an dem eine Sanierung für uns wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist. Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, nicht zu sanieren und stattdessen neu zu bauen“, teilt SWG-Geschäftsführerin Inge Klaan mit.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mittlerweile belaufen sich die geschätzten Sanierungskosten auf 7,6 Millionen Euro – 2,6 Millionen Euro mehr als ursprünglich kalkuliert. Ein Neubau würde je nach Bauweise mittlerweile wesentlich günstiger kommen, wobei die Kosten für die bereits erfolgte Entkernung und den künftigen Abriss schon mit eingerechnet sind. „Wir gehen jetzt in die konkrete Planung für den Neubau, endgültige Zahlen können wir auch dann erst nennen“, so Klaan weiter. Der Neubau soll ein förderfähiges Effizienzhaus im KfW-Standard 55 werden. „Der Neubau hätte nicht nur einen deutlich besseren Energiestandard sowie einen besseren Schall-, Brand- und Wärmeschutz, sondern böte auch die Chance, die Ecke zum Markt städtebaulich neu zu gestalten. Auch in den Grundrissen sind wir dann viel freier“, so Klaan weiter.
Würde die SWG den fast 70 Jahre alten Bestandsbau hingegen für mittlerweile 7,6 Millionen Euro sanieren, bliebe trotzdem die alte Bausubstanz erhalten. Der alte Keller könnte kaum genutzt werden und auch das Dach bliebe alt. Eine Dachsanierung würde eine weitere Kostensteigerung bedeuten „Das ist weder wirtschaftlich noch zukunftsfähig. Deshalb haben wir nach intensiver Prüfung die Entscheidung getroffen, neu zu bauen und nicht zu sanieren“, so Klaan weiter.

Mangelhafte Bausubstanz aus den 1950er-Jahren
Seit Ende Oktober ruhen die Arbeiten in dem Haus in der Rautenstraße 1, da während der Entkernung des Gebäudes deutlich mehr Probleme zutage getreten sind als vermutet. „Es gab eigentlich jeden Tag negative Überraschungen. Die schlechte Beton- und Materialqualität betrifft nicht nur den Laubengang und die Betonstützen im Keller und Erdgeschoss, sondern zieht sich durch das gesamte Haus“, sagt der mit der Planung beauftragte Architekt Detlef Schmidt. In Abstimmung mit Statiker und Prüfstatiker sind größere Eingriffe in das Bestandsgebäude unvermeidbar.
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Ein konkreter Zeitplan für Abriss und Neubau steht noch nicht fest. „Wir werden in den nächsten Wochen eine Neubauplanung für diesen Standort angehen. Derzeit gehen wir davon aus, dass wir nicht vor Ende 2027 mit dem Neubau beginnen können“, so die SWG-Chefin weiter. Je nach Bauart rechnet das Unternehmen mit ein bis zwei Jahren Bauzeit.

Das Haus in der Rautenstraße 1 wurde in den Jahren 1956 bis 1958 gebaut. Darin befanden 32 Wohnungen mit insgesamt 1225 Quadratmetern Wohnfläche. Im Erdgeschoss waren fünf Gewerbeeinheiten untergebracht, unter anderem das ehemalige Buchhaus Rose, ein Frisör und eine Bäckereifiliale.
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Die weiteren Wohnhäuser in der Rautenstraße (bis zur Hausnummer 13) auf dieser Straßenseite seien in einer anderen Bauweise ohne Laubengang errichtet, heißt es von der SWG. „Wir haben derzeit keine Erkenntnisse zum baulichen Zustand dieser Häuser. Wir gehen jedoch davon aus, dass auch diese einen hohen Sanierungsbedarf haben. Sollten wir dort sanieren, was derzeit nicht geplant ist, werden wir in diesen Liegenschaften intensive Voruntersuchungen durchführen“, so Klaan abschließend.
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