- Hochwasser-Erinnerung und akute Warnung: Zwei Jahre nach dem verheerenden Hochwasser in Windehausen stieg der Pegel der Zorge wieder an. Die Warnung wurde zwar wieder aufgehoben, doch die Ereignisse von 2023 sind im Ort weiterhin präsent.
- Start der Bauarbeiten für den Hochwasserschutz: Das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) hat mit Holzungsarbeiten den Auftakt für die neue Hochwasserschutzanlage gegeben.
- Sperrungen und Fertigstellung bis Ende 2027: Für den Bau, unter anderem an der Kreisstraße am Kieswerk, sind Vollsperrungen notwendig. Ortschaftsbürgermeister Mathias Echtermeyer fordert frühzeitige Informationen zum zeitlichen Ablauf.
Als am Montag der Pegel der Zorge erneut anstieg, war es in Windehausen plötzlich wieder da. Dieses beklemmende Gefühl. Schmelzwasser und Regen hatten den Fluss anschwellen lassen, eine Hochwasserwarnung wurde ausgegeben. Ortschaftsbürgermeister Mathias Echtermeyer (pl) verfolgte die Entwicklung mit bangem Blick.
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Mittlerweile sank der Pegel wieder, die Warnung wurde aufgehoben. Doch die Erinnerungen an das verheerende Hochwasser von Weihnachten 2023, das das Auedorf schwer traf und sogar eine Evakuierung notwendig machte, sind noch immer wach. Und mit ihnen die drängende Frage: Wann kommt endlich der Schutz?

Ein Startschuss ohne Bagger
Am Dienstagmittag versammelten sich Vertreter des Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN), der Landgemeinde Heringen und Bauunternehmen vor dem Windehäuser Sportlerheim. Referatsleiter Marco Mann sprach vom „Startschuss“ für die neue Hochwasserschutzanlage. Spektakulär war dieser allerdings nicht. Kein erster Spatenstich, kein bewegter Kubikmeter Erde.
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„Wir beginnen zunächst mit den Holzungsarbeiten und gleich danach mit den Bauarbeiten“, erklärte Mann. Sträucher, Hecken und zahlreiche Bäume müssen weichen. Unter anderem am Bahnübergang zwischen Windehausen und Heringen, der derzeit wegen Bauarbeiten an der Bahnstrecke ohnehin gesperrt ist. Wieder einmal.
Die Baumaßnahme zum Hochwasserschutz wird sich von 2026 bis 2027 erstrecken.
Marco Mann, Referatsleiter beim Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN)
Ab dem 16. März richtet die Strabag die Baustelle ein, anschließend starten die eigentlichen Arbeiten. Geplant sind eine neue, höhere Deichlinie nahe Windehausen sowie nördlich des Industriegebietes Heringen. Mehrere Deiche und Schutzmauern entstehen, ergänzt durch Pumpentechnik, mit der sich die Ortschaft künftig entwässern lassen soll. Auch das Gelände wird umfangreich angepasst, Straßen und Wege werden ertüchtigt, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen umgesetzt.
Allein die Baukosten belaufen sich laut Mann auf 5,1 Millionen Euro.
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Umwege, Geduld und Bürokratie
Ein sensibles Thema ist die Kreisstraße am Kieswerk. Sie soll abgesenkt werden. Mit voraussichtlicher Vollsperrung. Für Echtermeyer ein kritischer Punkt. Schon in der Vergangenheit hätten Sperrungen längere Fahrtzeiten bedeutet. Für Einsatzfahrzeuge ebenso wie für Pendler, Einkaufende oder Besucher von Rathaus und Altenheim in Heringen.

Doch eine Sperrung werde sich nicht vermeiden lassen, so Mann. Ein offizieller Zeitplan liege allerdings bisher nicht vor. Echtermeyer fordert frühzeitige Information, damit sich die Menschen einstellen können.
Fotos vom Hochwasser in Windehausen
Warum der Baubeginn zwei weitere Jahre dauerte, erklärt Mann mit zusätzlichen hydraulischen Berechnungen infolge des Hochwassers 2023, der Auswertung eingegangener Stellungnahmen, einem neu gestarteten Flurbereinigungsverfahren und nicht zuletzt mit deutscher Bürokratie.
Der Hochwasserschutz im Detail
Im Wesentlichen besteht der Gewässerausbau aus der Errichtung von Hochwasserschutzanlagen (ca. 1,2 km HWS-Deiche, ca. 150m HWS-Wände, 2 Absperr- bzw. Durchlassbauwerke, 2 Deichscharte) sowie ca. 1 km Geländemodellierungen und ca. 1 km Straßen-/Wegeertüchtigungen inklusive der Herstellung von zwei Überflutungsstrecken an der Kreisstraße 19.
Die Binnenentwässerung der Ortslage wird durch eine Anpassung des offenen Grabensystems von Windehausen sichergestellt. Dies betrifft die Verlegung des Mühlgrabens infolge einer Wegertüchtigung im Nordwesten, den Ersatzneubau des Regulierungsbauwerkes sowie den Neubau eines Durchlassbauwerkes. Weiterhin sind notwendige Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen inkludiert.
Folgende bauliche Anlagen werden errichtet:
HWS-Anlagen
- 550 m Deich Abschnitt I
- 120 m Deich Abschnitt II
- 550 m Deich Abschnitt III
- 150 m HWS-Wand
Geländemodellierung
- 300 m GM NW am Krummbach
- 700 m GM SO
Straßenertüchtigung
- 250 m Schotterweg NW
- 350 m K19, OL Windehausen inkl. Überlaufstrecke
- 300 m K19 nach Heringen inkl. Überlaufstrecke
- eine Deichscharte im Bereich des Bahnüberganges in Heringen
Quelle: Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN)
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Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Maßnahmen bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Dann könnte Windehausen vor einem Hochwasser wie 2023 geschützt sein.
Wenn die Berechnungen halten. Und wenn die Zorge sich an die Prognosen hält.
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