Gerda Selle ist täglich im Garten unterwegs. Sie harkt, zupft und schneidet. Bei jedem Wetter – seit vier Jahren. Selbst bei größter Hitze stillt sie den Durst der Blumen. In der Gießkanne ist stets so viel Wasser, wie sie tragen kann. Für die 90-Jährige ist diese Pflanzenpflege eine Herzenssache. „Auch der Garten ist für uns ein Wohlfühlort“, begründet sie ihr unermüdliches Tun.

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Die frühere Lehrerin ist eine der 74 Bewohner des Rolandhauses an der Geseniusstraße in Nordhausen. Dieses Seniorenwohn- und Pflegezentrum feiert in diesen Tagen sein zehnjähriges Bestehen. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Nicht nur die Heimleiterin Annett Tolle schaut staunend zurück.
Insgesamt 386 Bewohner sind hier in den vergangenen zehn Jahren liebevoll betreut und gepflegt worden. Mit Karla Klara Rübesamen gibt es eine Zeitzeugin des Erstbezuges, die nach wie vor die Fürsorge und Herzlichkeit in diesem Haus zu schätzen weiß.

Der Träger des Hauses ist das Internationale Bildungs- und Sozialwerk, das aus Nordrhein-Westfalen stammt, aber schon seit mehr als drei Jahrzehnten ebenso in Langenstein bei Halberstadt Wurzeln geschlagen hat. Der Geschäftsführer Heinrich Schnatmann (75) entdeckt vor 35 Jahren auch Nordhausen für sein Unternehmen. Seitdem ist das Sozialwerk hier tätig. Stark engagiert es sich in der Behindertenhilfe und fühlt sich inzwischen gleichfalls der Altenpflege verpflichtet.
Die Idee, in Nordhausen ein Seniorenheim zu bauen, fällt auf fruchtbaren Boden. Das Sozialwerk erwirbt das frühere Gelände des Kraftverkehrs an der Geseniusstraße. Der Untergang der DDR ist das Ende des volkseigenen Betriebes. Das Terrain verwahrlost. Nordhausen verliert diesen Schandfleck erst, als das Rolandhaus entsteht.
Jeder hat an seinem Lebensabend das Recht auf ein Einzelzimmer
Für Heinrich Schnatmann ist von Anfang an klar: Dieses Pflegeheim soll ein Platz zum Wohlfühlen sein. Die winzigen 14 Quadratmeter, die einem Pflegebedürftigen amtlich zustehen, sind in den Augen des Geschäftsführers ein Witz. Und dass sich mehrere Senioren ein Zimmer teilen sollen, kommt für ihn ebensowenig infrage. Das ist unzumutbar. „Jeder ältere Mensch hat das Recht auf ein Einzelzimmer und auf das eigene Bad“, betont Schnatmann.
Die Pläne verschwinden nicht in irgendeiner Schublade. Das Haus wird gebaut. Der erste Spatenstich ist der zeremonielle Startschuss im August 2014. Die ersten Bewohner ziehen bereits Ende November 2015 ein. Offiziell eingeweiht wird das Rolandhaus im April 2016.

Das bauliche Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Rolandhaus verfügt über 74 Einzelzimmer, alle mit Balkon oder Terrasse. Jeder Bewohner hat seinen Rückzugsort. Wer es wünscht, kann auch mal allein sein. Aber niemand vereinsamt. Gemeinsames Essen, gesellige Runden bei Spiel und Beschäftigung sowie offene Räume ermöglichen jederzeit soziale Kontakte. Dank der 64 Mitarbeiter funktioniert das Haus. Ein Zahnrädchen greift ins andere.
Die zehn Jahre bringen viel Gutes. Am Ende aller Pläne steht Heinrich Schnatmann aber weiterhin nicht. Die auswärtige Küche ist unbefriedigend. Deshalb will der Träger am Rolandhaus eine Küche anbauen. Die benachbarte Freifläche ist bereits erworben. Und da diese zu groß für den einen Anbau ist, plant das Sozialwerk hier zusätzlich den Bau von Mitarbeiterwohnungen. Schnatmann spricht dabei von einem „bezahlbaren Wohnraum“.
Das Projekt wertet die Geseniusstraße auf. Deren Zustand ist dem Geschäftsführer allerdings schon seit Längerem ein Dorn im Auge: „Ich glaube mittlerweile, dass die Straße unter Denkmalschutz steht und deshalb nicht saniert werden darf.“

Annett Tolle ist froh, dass ihr Heim auch extern so viele gute Partner hat, die zum Wohl der Bewohner extra ins Haus kommen – ob Physiotherapeut, Podologe oder Friseur. Ebenso verlässlich ist die Zusammenarbeit mit der Grimmelhof-Apotheke. Und die Spatzen aus dem Lohmarkt-Kindergarten bereiten gleichfalls seit zehn Jahren mit ihren Auftritten viel Freude bei den Bewohnern.
Das Rolandhaus wirkt nicht wie eine Pflegeeinrichtung, sondern eher wie ein Hotel.
Alexandra Rieger, Bürgermeisterin der Stadt Nordhausen
Pro 1000 Einwohner leben im Kreis Nordhausen 102 Pflegebedürftige, weiß Vize-Landrat Stefan Nüßle (CDU). Deshalb ist er allen Frauen und Männern, die in den Seniorenheimen ihre großartige Arbeit leisten, sehr dankbar. Das Rolandhaus zählt er zu jenen, die in der Stadt einen guten Ruf haben.
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Die Nordhäuser Bürgermeisterin Alexandra Rieger (SPD) erinnert sich noch an ihren ersten Eindruck: Das Haus wirke nicht wie eine Pflegeeinrichtung, sondern „eher wie ein Hotel“, meint sie. Ihr Lob gilt den Mitarbeitern: „Alle Leute, die hier beteiligt sind, leisten ihren starken Beitrag zum Erfolg des Hauses.“





