Nächsten Monat seinen 90. Geburtstag zu feiern, es war Maximilian Schönfelder nicht mehr vergönnt. Ende voriger Woche ist er gestorben.
Im Stadtrat am Mittwochabend ist sein Tod wie auch der des früheren Propstes Joachim Jaeger Anlass für eine Schweigeminute. Denn Schönfelder war eine Instanz in der Rolandstadt: als Arzt, als ehrenamtlicher Politiker, als Mensch.

Täglich
Der Newsletter für Nordhausen
Alle wichtigen Informationen aus der Region Nordhausen, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Er, der promovierte Internist, entdeckt schon in frühen Jahren die Chirurgie als sein Spezialgebiet. Das Ilfelder Krankenhaus wird von seiner Expertise profitieren, ab den 1980ern dann das neue Südharz-Krankenhaus in Nordhausen. Hier wird er nach der Wende Chefarzt der Klinik für Allgemeinchirurgie und baut diese aus, macht die Schilddrüsenchirurgie zu seinem Steckenpferd, ist neben seiner klinischen Arbeit in Forschung und Lehre aktiv.
2001 verabschiedet das Krankenhaus Maximilian Schönfelder in den Ruhestand, der doch keiner sein wird. Zu wichtig ist es dem Nordhäuser, sich einzubringen in die Gesellschaft. Weiter also wird er in Arztpraxen aushelfen. Und er wird über viele Jahre hinweg Blutspender betreuen.
Viele Jahre hat Schönfelder den Stadtratsvorsitz inne
„Er hatte immer ein großes soziales Herz und ein Gefühl dafür, Menschen zu helfen“, sagt Barbara Rinke. Mit Schönfelder einte sie die Mitgliedschaft bei den Sozialdemokraten. Während ihrer Amtszeit als Oberbürgermeisterin – 2004 – erringt er ein Stadtratsmandat. Ehrenamtlich Politik wird er hier 15 Jahre machen. 2012 macht ihn der Stadtrat fraktionsübergreifend zu seinem Vorsitzenden, Gegenkandidaten waren gar nicht nominiert worden. Schönfelder ist damals schon 76. Und doch „sehr rührig, immer voller Energie“, erinnert sich Barbara Rinke. „Wenn es darauf ankam, war er zur Stelle.“
Als im September 2012 anlässlich des Ausbruchs vom Zweiten Weltkrieg an der Stele vorm Rathaus der Opfer gedacht wird, gibt der 1936 zwischen Sachsen und dem Sudetenland Geborene einen Einblick in seine Kindheit. Er erzählt von der Mutter und ihren Erinnerungen und Ängsten, „die wir zwar wahrnahmen, aber noch nicht verstanden“.
2014 verliest er als Stadtratsältester eine Erklärung gegen Rechtsextremismus der Stadtratsfraktionen. Hintergrund ist damals der erneute Einzug der NPD in diesen. Dass bei der Wahl 2019 die rechte und inzwischen vom Thüringer Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte AfD aus dem Stand etwa jeden fünften Sitz im Stadtrat erringt, erfährt Schönfelder als Außenstehender.
Mehr News aus dem Kreis Nordhausen:
Nordhausens Behindertenbeauftragter aber wird er bis 2022 weiter bleiben. Auch als solchen schätzen ihn viele über Parteigrenzen hinweg, spricht er doch offen Probleme an: zu wenige barrierefreie Haltestellen, zu wenige Jobs für Behinderte in Unternehmen, ein schlechtes Blindenleitsystem am Bahnhof, schließlich die soziale Isolation insbesondere der Heimbewohner während der Corona-Pandemie. Dieser Mann hatte andere im Blick, bis zuletzt.







