Das Bauchfrei-Verbot an der Salzmannschule in Sömmerda ist wieder aufgehoben. Das habe die Schulleiterin entschieden, sagte eine Mitarbeiterin der Schule. Zu den Hintergründen machte sie keine Angaben. Schulleiterin Antje Koch wollte sich dazu nicht weiter äußern. Auf der Homepage der Schule heißt es kurz und knapp: „Die Anweisung vom 05.08.24 zur Kleiderordnung an der Salzmannschule wird zum 08.08.24 zurückgenommen.“

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Der Bundeselternrat hat die Zurücknahme der Kleiderordnung an der Salzmannschule in Sömmerda begrüßt. „Solche Vorgaben muss es nicht geben“, sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende Claudia Koch dieser Zeitung. Vielmehr müsse auf das individuelle Gespräch gesucht werden, wenn im Einzelfall an der Kleidung eines Schülers oder einer Schülerin Anstoß genommen werde, betonte Koch, die auch Pressesprecherin der Thüringer Landeselternvertretung ist. Prinzipiell müssen bei der Kleiderwahl die Freiheit des Einzelnen gewahrt bleiben. Mit einer Kleidungsvorschrift lasse sich auch Mobbing unter den Schülern kaum reduzieren, ist sich Koch sicher. Die Kleidung sei nicht der eigentliche Grund von Mobbing. Hier müssten andere Maßnahmen greifen.
Hintergründe für Verbot waren Mobbingfälle
Die Lehrerkonferenz der Schule hatte zuvor ein Verbot bauchfreier Kleidung auf den Weg gebracht. Außerdem sollte der Bereich zwischen Schultern und mittlerem Oberschenkel bedeckt gehalten werden. Die Hintergründe waren Mobbingfälle. Die Schulkonferenz, die Ende August tagt und in der auch Eltern und Schüler vertreten sind, sollte die Regelung noch bestätigen. Bis dahin sollten sich die Schüler an die Ordnung halten. Es gehe darum, das Thema bewusst zu machen, hieß es noch zu Wochenbeginn.
Die Schüler sollen im offenen Gespräch über die Regelung diskutieren und eventuelle Einwände gelten machen. Das machten sie aber in sozialen Medien sofort. Aussagen wie „Wir dürfen keine Schultern mehr zeigen, kein bauchfrei, keine kurzen Hosen, kein Ausschnitt, nicht mal ein kleiner, nichts“, verbreiteten sich in Windeseile im Netz und riefen Gegner, aber auch Befürworter auf den Plan. Bundesweit hatte die Entscheidung für Aufsehen gesorgt.
„Kleidungsbezogenes Mobbing ist nicht akzeptabel“
Vom Thüringer Kultusministerium gibt es keine generelle Empfehlung. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich in der Schule wohlfühlen und auch ihren individuellen Kleidungsgeschmack ausleben können, heißt es vom Bildungsministerium. Die Schulen sollten das sehr sensibel handhaben. Das betreffe insbesondere den Umgang mit Geschlechternormen oder anderen sozialen Dresscodes. Manchmal könne Kleidung durchaus als nicht geeignet empfunden werden, so Ministeriumssprecher Felix Knote. „Das sollte in vertraulichem Rahmen thematisiert und angesprochen werden. Kleidungsbezogenes Mobbing ist hingegen ein Thema, das nicht akzeptabel ist“, so Knothe.
Die Grenzen würden beispielsweise verfassungsfeindliche, rassistische und/oder neonazistische sowie andere klar gruppenbezogen menschenfeindliche Botschaften oder Codes bilden. Diese seien in Schulen nicht akzeptabel.
Die ehemalige Vorsitzende des Bundeselternrates, Christiane Gotte, hatte zu Beginn des vergangenen Schuljahres im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt, dass sie Schulen einen Konsens über eine Kleiderordnung empfiehlt. Sie räumte allerdings ein, dass eine generelle Kleiderordnung an Schulen im föderalen System kaum durchsetzbar sei. Der Deutsche Lehrerverband und der Verband Bildung und Erziehung sprachen sich gegen solche Regelungen aus. (mit dpa)




