Cindy Wohlberedt-Schulze, die Sozialmanagerin im Landhaus Alperstedter Hof in Alperstedt spricht von einer echten Hilfe. Die Rede ist vom Pilotprojekt „Carla“, das die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen zur telemedizinischen Versorgung von Pflegeheimen gestartet hat. „Carla“ ist eine Abkürzung und steht für central medical CARe communication pLAform.

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Das Landhaus in Alperstedt ist dabei eines von insgesamt sechs Pflegeheimen, in denen der Austausch zwischen den Einrichtungen und ihren betreuenden Haus- und Fachärzten mittels zertifizierter Software verstärkt wird, um bei medizinischen Anliegen der Bewohner schnell aus der Ferne zu helfen.

„Unsicherheiten zur Medikation oder Schwindel und Unwohlsein der Bewohner gehören in Pflegeheimen zum Alltag. Nicht immer kann ein ambulant tätiger Arzt umgehend das Pflegeheim besuchen“, berichtet die Sozialmanagerin. Die durch das Projekt zur Verfügung gestellte Technik leiste nun eine große Hilfe. „Pfleger können selbst relevante Daten der Bewohner erfassen und dem Arzt übermitteln“, erklärt sie. Vorteile sieht sie auch für die Bewohner, fallen doch lange Wartezeiten auf Termine und auch Transportwege weg.

Schnelle Entscheidungen werden möglich

Auch Christoph Rödiger, der für die Pflegeeinrichtung zuständige Allgemeinmediziner aus Erfurt, sieht im Pilotprojekt nur Vorteile. So böten die zertifizierten Medizinprodukte bei einer Fernbehandlung einen datenschutzrechtlich sicheren Austausch, was mit Fax und E-Mail nicht gegeben sei. Das Wichtigste sei für ihn, dass somit für die Betroffenen wie auch für das Pflegepersonal schnelle Entscheidungen getroffen werden könnten.

Möglich wird die telemedizinische Versorgung durch ein Tablet und digitalfähige Medizingeräte. Diese ermöglichen es, die Herzfrequenz, den Blutdruck oder den Sauerstoffgehalt im Blut zu messen. Auch das Abhören des Patienten mittels Stethoskop ist möglich, hieß es.

Für den Austausch zwischen Pflegeheim und Arzt wird eine als Medizinprodukt zertifizierte App des Anbieters MedKitDoc genutzt.

Die Projektlaufzeit beträgt zunächst 27 Monate und kann auf drei Jahre verlängert werden, informierte Annette Rommel, die erste Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen. Sie erhofft sich von „Carla“ einen Lösungsansatz, um die Versorgung von Pflegeheimen für alle Beteiligten zu verbessern. „Carla“ eröffne neue Kommunikationswege. Ermöglicht werde eine niedrigschwellige und zugleich medizinisch gewinnbringende Form der Kontaktaufnahme zwischen Arzt und Patienten, sagt sie.

Laut Rommel beteiligen sich am Pilotprojekt derzeit fünf Einrichtungen. Für die Teilnahme eines sechsten Pflegeheimes laufen derzeit die Vorbereitungen. Die bislang teilnehmenden Einrichtungen befinden sich in Alperstedt (Landkreis Sömmerda), in Ellrich (Landkreis Nordhessen), in Ronneburg (Landkreis Greiz), in Schleusingen (Landkreis Hildburghausen) und in Tüttleben (Landkreis Gotha). Eingebunden sind aktuell 14 niedergelassene Haus- und Fachärzte.

Gefördert wird das Projekt vom Thüringer Gesundheitsministerium mit 154.000 Euro. Den offiziellen Auftakt in Alperstedt begleitete Katharina Schenk (SPD), Thüringens Gesundheitsministerin. Wie sie informierte, soll „Carla“ langfristig für die medizinische Versorgung in Pflegeeinrichtungen etabliert und in die Regelversorgung überführt werden. Insbesondere in strukturschwachen Gebieten soll so ein Beitrag zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung geleistet werden, so Schenk.