Ein kleiner Tisch mit Ausmalbildern wurde bereits aufgestellt, Wasserspender und Kaffeemaschine haben zumindest vor dem inneren Auge schon einen Platz zugewiesen bekommen. Beim Gang durch die Stadt- und Kreismusikschule Sömmerda fällt Anett Schwarzenberger die eine oder andere Sache ein, die sie neu einbringen möchte. Zum 1. März hat sie das Amt der Schulleiterin übernommen und wird Klavierunterricht geben. „Ich bin so richtig glücklich“, sagt sie, „und habe selbst nach einem langen Tag noch gute Laune. Das ist meine Familie gar nicht mehr gewohnt.“

Sömmerda Musikschule
Strahlend blauer Himmel über der Stadt- und Kreismusikschule Sömmerda.© Funke Medien Thüringen | Sophia Klefisch

Ihre Vorgängerin, Susanne Kaselow, hat als Leiterin viel bewirkt und aufgebaut – und bleibt der Musikschule weiterhin als Lehrerin erhalten. „Es ist schön, dass man sich so unterstützen kann“, sagt Schwarzenberger über die gute Zusammenarbeit. Der Wechsel sei ganz problemlos verlaufen. Und innerhalb weniger Wochen konnte bereits ihre erste Idee umgesetzt werden: Die Anschaffung einer digitalen Orgel. „Das hätte ich niemals für möglich gehalten. Engagiert ist noch zu wenig, um den Förderverein zu beschreiben.“

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Doktortitel in der Tasche

Schwarzenberger ist in Arnstadt aufgewachsen, hat sich über das Studium in Weimar und Jena weiter durch Thüringen bewegt und lebt seit vielen Jahren im Kyffhäuserkreis, wo sie an verschiedenen Stützpunkten der Kreismusikschule tätig war. Um sich weiterzubilden, hat sie neben ihrer Lehrtätigkeit in Halle Klavierpädagogik studiert: „Und dann hat mir ein Professor die Promotion angeboten. Das war immer mein heimlicher Wunsch, aber ich hätte mich nicht getraut, es anzusprechen.“

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Einen Umzug nach Sömmerda schließe sie nicht aus – aber erst müsse ihr Sohn die Schule abschließen. Bis dahin ist der Pendelweg immerhin um einiges kürzer als die Fahrt nach Dessau, wo sie die letzten drei Jahre als Leiterin der Musikschule „Kurt Weill“ gearbeitet hat.

Sömmerda Musikschule
Die Big Band der Musikschule probt im hinteren Bereich des Kammermusiksaals.© Funke Medien Thüringen | Sophia Klefisch

Was ihrer Auffassung nach zu wenig Aufmerksamkeit erhalte: „Auch Musikschulen haben Lehrermangel.“ Der Beruf sei schlechter bezahlt und gesellschaftlich weniger anerkannt als reguläre Lehrberufe, die Zeiten nicht sehr familienfreundlich – Unterricht findet oft am Nachmittag und Abend statt. Mit dem Herrenberg-Urteil des Bundessozialgerichts vom 28. Juni 2022 müssen Honorarkräfte an Musikschulen nun in eine feste Anstellung überführt werden: „Das könnte den Beruf attraktiver machen.“

Überraschung bei Konzert geplant

Aktuell arbeiten 21 Lehrkräfte in der Musikschule. „Die haben so Lust“, sagt Schwarzenberger über das Kollegium, „auf ihren Job, und auf neue Ideen.“ 420 Schülerinnen und Schüler nehmen Unterricht, der Platz reiche gerade so für alle. Angebaut werden kann nicht, auch wenn sich die neue Leiterin einen größeren Kammermusiksaal wünschen würde. Für die Aufteilung der Räume sei also gute Organisation nötig: „Wir können nicht mehr allzu viele externe Gruppen beherbergen, so schade es auch ist.“

Sömmerda Musikschule
Das Maskottchen der Musikfüchse unterstützt bei der musikalischen Früherziehung.© Funke Medien Thüringen | Sophia Klefisch

Am Festumzug des Sömmerdaer Stadtjubiläums wird die Musikschule mit einem Wagen, mit Trommelgruppe und Martin Stephan am Klavier an Bord, teilnehmen. Zudem gibt es am 19. Mai ein Konzert der Lehrkräfte. Für den Abschluss sei eine besondere Überraschung geplant. Selbst ihre Tochter Helena, die in Sömmerda Klavierunterricht und die musikalische Früherziehung der Musikfüchse anbietet, wird darüber noch im Dunkeln gelassen.

Zum Muttertag am 10. Mai findet um 11 Uhr die erste Aufführung der Märchenorgel statt, eine musikalische Entdeckungsreise für Kinder und Familien. Plätze können reserviert werden unter schwarz@musikschule-soemmerda.de oder per Telefon: 03634/30298.