Barbara Wünsche vom Thüringer Bauernverband mit einigen Anmerkungen zu Messergebnissen aus privaten Brunnen und dem Bezug zur Landwirtschaft:

Der Thüringer Bauernverband sieht die im Beitrag „Hohe Nitratbelastung im Sömmerdaer Brunnenwasser“ vom 22. September dargestellten Schlussfolgerungen zur Nitratbelastung im Landkreis Sömmerda kritisch. Nicht, weil erhöhte Nitratwerte in einzelnen Brunnen verharmlost werden sollten. Kritisch ist vielmehr, welche weitreichenden Aussagen aus einer sehr begrenzten Zahl freiwillig eingereichter Wasserproben abgeleitet werden.

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Nach Angaben des VSVSR‑Gewässerschutzes wurden bei der Aktion am 19. August in Sömmerda lediglich 37 Wasserproben aus privaten Gartenbrunnen abgegeben. Bei etwa jeder zweiten Probe wurde demnach ein Nitratwert von mehr als 50 Milligramm je Liter festgestellt. Einzelne dieser Werte sind zweifellos hoch und sollten ernst genommen werden. 37 selbst ausgewählte Privatbrunnen sind jedoch keine repräsentative Grundlage, um daraus den Zustand des Grundwassers im gesamten Landkreis Sömmerda abzuleiten.

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Mehrere Gründe für hohe Nitratwerte möglich

Entscheidend ist zudem: Ein privater Gartenbrunnen ist keine amtliche Grundwassermessstelle. Lage, Tiefe und baulicher Zustand des Brunnens, die örtlichen Boden- und Grundwasserverhältnisse sowie mögliche punktuelle Einträge können die Messergebnisse erheblich beeinflussen. Als mögliche Quellen kommen nicht allein landwirtschaftlich genutzte Flächen infrage, sondern beispielsweise auch Düngung in Privatgärten, Kompost- oder Mistlagerungen, undichte Abwassersysteme oder andere lokale Einträge.

Aus einem erhöhten Nitratwert in einem Gartenbrunnen lässt sich deshalb weder automatisch die Herkunft des Stickstoffs noch der Zeitpunkt des Eintrags oder ein konkreter Verursacher bestimmen. Trotzdem werden die Ergebnisse erneut unmittelbar mit Forderungen an die Landwirtschaft verknüpft. Genau diese Verkürzung hält der Thüringer Bauernverband für fachlich nicht angemessen.

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Besonders deutlich wird das Problem, wenn Ergebnisse freiwillig eingesandter beziehungsweise bei einem Labormobil abgegebener Proben als Beleg für die allgemeine Grundwasserbelastung einer Region dargestellt werden. Es handelt sich nicht um eine systematisch ausgewählte Stichprobe. Schon deshalb ist nicht auszuschließen, dass gerade Bürgerinnen und Bürger eine Probe abgeben, die aufgrund ihrer Brunnenlage oder eigener Erfahrungen einen besonderen Untersuchungsbedarf sehen.

Amtliche Messdaten müssen herangezogen werden

Wer den Zustand des Grundwassers im Landkreis Sömmerda seriös beurteilen will, muss deshalb die Daten des amtlichen Grundwassermessnetzes und langfristige, nach einheitlichen Kriterien erhobene Messreihen heranziehen. Nur damit lassen sich Entwicklungen bewerten und mögliche Ursachen fachlich belastbar untersuchen.

Die Landwirtschaft trägt Verantwortung für den Schutz des Grundwassers und stellt sich dieser Verantwortung. Bedarfsgerechte und präzise Düngung, Zwischenfruchtanbau, Erosionsschutz sowie die langjährige Zusammenarbeit in Gewässerschutzprojekten gehören für viele Thüringer Betriebe längst zur Praxis.

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Gewässerschutz braucht belastbare Daten und eine differenzierte Ursachenanalyse. Was er nicht braucht, sind pauschale Schlussfolgerungen zulasten der Landwirtschaft auf Grundlage von 37 freiwillig eingereichten Gartenbrunnenproben.

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