Diedorf. Das Alten- und Pflegeheim in Diedorf war am Dienstag des erste im Unstrut-Hainich-Kreis, in dem die Covid-19-Impfungen durchgeführt wurden. 155 Bewohner und Mitarbeiter ließen sich impfen. Dafür waren aufwendige Vorbereitungen über die Weihnachtsfeiertage notwendig. Erst am Morgen wurde der Impfstoff, bewacht von einem Sicherheitsdienstes angeliefert. Ein mobiles Impfteam der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) aus Ärzten, Krankenschwestern und Verwaltungspersonal war den ganzen Tag über im Einsatz.
Ein Blick auf die Ereignisse:
In ihrem Pflegebereich in der dritten Etage des Pflegeheims wartet die 86-jährige Eugenie Zindel am frühen Nachmittag bereits auf ihre Impfung. Die Erleichterung ist der Senioren anzusehen, als der Mühlhäuser Mediziner Dr. Michael Hildebrandt gemeinsam mit Jana Schaube vom Pflegedienst und der medizinischen Fachangestellten Tanja Wanschura auf dem Gang erscheint. „Wir haben lange gewartet“, sagt die Seniorin. Immerhin sind es rund 100 Bewohner, die bis zum frühen Abend geimpft werden sollen. Zwar hat Michael Hildebrandt sich als Arzt für das mobile Impfteam freiwillig gemeldet, doch erst am 30. Dezember von seinem Einsatz in Diedorf erfahren. „Meine Kollegen in der Praxisgemeinschaft halten mir zum Glück den Rücken frei“, sagt er. Rasch hat auch Eugenie Zindel die Fragen des Arztes beantwortet und ihren rechten Oberarm frei gemacht. Nach Sekunden ist das Prozedere erledigt. „Ich habe ja gar nichts gemerkt“, meint die Rentnerin. Sie hofft, dass die Situation sich durch die Impfungen entschärfe. Dann komme bestimmt bald wieder mehr Besuch in das Pflegeheim.
Aufklärung, Schnelltest und Gesundheitsfragen
Derweil sind Ärztin Dr. Ursula Trebing aus Großburschla und ihr Team seit dem Morgen in einem Nebengebäude mit den Impfungen der Angestellten beschäftigt. 55 Mitarbeiter aus allen Bereichen, auch der Verwaltung, werden geimpft. Vorher bekommt jeder einzeln einen Schnelltest, dann werden Gesundheitsfragen beantwortet. Das Aufklärungsgespräch darf nur ein Arzt durchführen. Außerdem findet eine umfangreiche Dokumentation statt. Die Daten gehen später über die KVT an das Robert-Koch-Institut – zur Auswertung der Impfungen. Die Nadel führt Impfassistentin Nicole Tyralla aus Großburschla: Ein kurzer Piks, den auch Ellen Apostel (41) aus Eschwege kaum merkt. Bis zum Nachmittag habe es keine Komplikationen gegeben, sagt Dr. Trebing.
Impfstoff kommt mit Sicherheitspersonal
Im Hintergrund kümmert sich Silvia Pickrodt, die eigentlich beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Erfurt als Krankenschwester arbeitet, um die Vorbereitung der Spritzen. Aus einer Ampulle des Biontech/Pfizer-Impfstoffes, der mit etwas Natriumchlorid quasi aktiviert wird, erhält sie fünf Impfdosen à 0,3 Milliliter. Sie müsse dabei sehr genau sein: „Nicht zu sehr schütteln“, sagt sie. Der Impfstoff selbst kam am Morgen in Kühlboxen per Kurier mit Sicherheitspersonal im Pflegeheim an, erklärt Geschäftsführer Heiko Tierling.
Dank starker Teamleistung bisher kein Coronafall
In der gesamten Corona-Zeit habe es keinen einzigen Fall unter Bewohnern und Belegschaft gegeben, sagt Prokurist Erich Petke. Das sei eine gemeinsame Leistung gewesen von Personal, Bewohnern und Angehörigen, die auch notwendige Einschränkungen mit sich brachte. „Heute können wir zum ersten Mal aktiv Maßnahmen gegen Corona ergreifen“, sagt Petke. Bisher habe man nur präventiv arbeiten und hoffen können.
Intensive Vorbereitung auf Impfstart
Doch die Vorbereitungen auf diesen Tag seien arbeitsintensiv gewesen. Kurz vor Weihnachten hatte die Leitung des Heims von der KVT erfahren, dass man bald mit den Impfungen beginnen könne. Voraussetzung: Binnen weniger Tage sollten die Unterlagen mit Aufklärungsbogen und Einwilligungserklärung aller impfwilliger Mitarbeiter und Bewohner vorliegen. So waren auch die Weihnachtsfeiertage von intensiver Arbeit geprägt. „Viele von uns haben dafür auch privat vieles zurückgestellt“, sagt Petke. Aber die Heimleitung sehe das als Chance, erstmals aktiv etwas gegen die Situation zu unternehmen.
Wann und wo in einem Pflegeheim geimpft wird, entscheidet die (KVT) entsprechend verfügbarer Impfdosen, erklärt ein Sprecher. Auch seien noch nicht alle Pflegeheime im Unstrut-Hainich-Kreis auf die Impfungen vorbereitet.
Zentrale Impfstelle startet am 13. Januar
Ab 13. Januar soll dann auch die Impfstelle im Unstrut-Hainich-Kreis, in Bad Langensalza, an den Start gehen. Dort werden nach Terminvergabe (Telefon: 03643/4950490) Menschen aus den priorisierten Gruppen geimpft, wie Tatjana Weiß, die Leiterin Impfstelle sagt, die am Dienstag ebenfalls in Diedorf war. Geplant seien, laut KVT, insgesamt 30 Impfstellen für ganz Thüringen, wohl ab Februar eine weitere in Mühlhausen. Zusätzlich sind 15 mobile Impfteams vor allem in den Pflegeheimen tätig.


