Zusammenfassung
- Das Hotel „Brauhaus zum Löwen“ in Mühlhausen will künftig seine Gasthaus-Brauerei stärker in den Fokus rücken.
- Seit August arbeitet hier ein neuer Braumeister.
- Der 25-jährige Ostfriese hat schon einige Stationen in Sachen Bier hinter sich.
Mit 25 Jahren hat Mirko Eilers jetzt das Sudhaus im „Brauhaus zum Löwen“ in Mühlhausen übernommen. Aufgewachsen in einem 3700-Einwohner-Dorf in Ostfriesland hat er bereits an der Nordseeküste, im Allgäu und in München Bier gebraut, bevor er seinen Weg in den Unstrut-Hainich-Kreis fand.

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Den Impuls zur Ausbildung in der Brauerei gab Oma Erika. „Die Jever-Brauerei ist ein Top-Arbeitgeber“, habe sie ihm nach dem Schulabschluss geraten. Der Enkel bewarb sich für die dreijährige Ausbildung zum Brauer und Mälzer bei der Großbrauerei. Gewählt habe er den Beruf, weil er Handwerk und Kreativität miteinander verbinde. „Klar, Bier habe ich auch vorher schon gern getrunken“, scherzt er, „aber das ist keine Einstellungsvoraussetzung.“
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Nach der Lehre ging es vom Norden ins Allgäuer Brauhaus nach Kempten (ebenfalls Radeberger Brauerei-Gruppe). „Dennoch, fast ein Kulturwechsel in Sachen Bier“, sagt Eilers. Das Allgäuer Brauhaus sei eine gute Schule für die Bier-Vielfalt.

Mit der Weiterbildung in München in zweijähriger Vollzeitausbildung zum Braumeister ging der junge Mann gleich den nächsten Schritt. „Damit kannst du eigentlich in jede Brauerei gehen“, sagt der 25-Jährige. „Aber ich wollte gern kreativ tätig sein, und das kann man in den großen Industriebrauereien selten.“

Das Timing passte perfekt. In Mühlhausen suchte das Brauhaus zum Löwen gerade nach einem neuen Mann. Der langjährige Braumeister Bernd Heinz verabschiedete sich Mitte des Jahres mit 62 in den Ruhestand – nach 16 Jahren und sechs Monaten im Dienst, als wichtiges Bindeglied zwischen Brauerei und Hotel.
„Das ist genau dein Ding“, habe sein Kumpel gesagt, als ihm Mirko Eilers die Stellenausschreibung zeigte. Von der Bewerbung bis zur Einladung vergingen nur wenige Tage. „Die Chemie hat sofort gestimmt“, sagt Hotelchef Marco Fongern. Für ihn stand schnell fest: „Den jungen Mann will ich unbedingt haben. Aber mir war wichtig, dass der Funke für die Stadt bei ihm überspringt.“
Neuer Braumeister startet in Mühlhausen mit frischem Konzept
Fongern zeigte ihm das Hotel und seine Mannschaft und führte ihn gleich nach dem Bewerbungsgespräch durch Mühlhausen. Beim zweiten Besuch zu Pfingsten kam Eilers mit seiner Freundin, sie erlebten Stadtfest und der Funke wurde zum Feuer. Inzwischen wohnt der 25-Jährige direkt nebenan; sein Arbeitsweg ist kürzer als der mancher Hotelgäste. Seine Freundin studiert Lehramt in Osnabrück. Ob beide künftig in Mühlhausen eine gemeinsame Wohnung beziehen, ist offen.
In seinem ersten Jahr soll der neue Braumeister vor allem die Grundlagen und Abläufe des Hauses verinnerlichen. „Wichtig ist zunächst die Planung“, sagt Fongern. Durchschnittlich werden in Mühlhausen rund 80.000 Liter Bier pro Jahr gebraut – 40 Sude mit jeweils 2000 Litern.

Beeindruckende Zahlen, doch die Kunst liegt im Zeitplan: Ein gutes Bier braucht ab dem Brautag etwa sechs bis acht Wochen zur Reife. Der Absatz ist saisonabhängig und stark von Veranstaltungen in der Stadt geprägt.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie stark äußere Faktoren wirken. „Als die Bundeswehr noch in Mühlhausen stationiert war, verkaufte das Brauhaus doppelt so viel Bier wie heute – 160.000 Liter pro Jahr“, sagt Fongern.
Brauhaus in Mühlhausen setzt verstärkt auf kreative Biermischungen
Auch die Produktpalette verlangt Fingerspitzengefühl. Im Ausschank sind derzeit das „Reichsstädtische Pils“ und das „Apotheker Dunkel“ stark nachgefragt. Saisonal beliebt ist der Brombeermix.
„Die Bierlandschaft hat sich verändert“, so die Beobachtung von Marco Fongern. Biermischgetränke sind gefragt, auf den Craft-Beer-Trend hat das Brauhaus reagiert – und will den Weg weitergehen. „Mirko darf Bier gern neu denken“, sagt Fongern, „wir sind nicht mit unseren Rezepten verheiratet.“
Strategisch will das Hotel die Brauerei künftig stärker in den Fokus rücken. 1992 am Kornmarkt gestartet, wurde aus der Gasthausbrauerei (14 Zimmer) ein großes Hotel (114 Zimmer, 500 Sitzplätze) mit eigener Brauerei. Doch die Brauanlage bliebt seitdem fast unverändert.

Nun soll der junge Braumeister die Mühlhäuser Bierkultur weiterentwickeln und bekommt dafür die passende Bühne – sorgfältig geplant und mit Lust auf neue Ideen. Mirko Eilers bringt dafür ein gutes Gespür für regionale Besonderheiten mit: „Jever steht für herb. Im Süden funktionieren eher süffige Biere.“ Und hier in Thüringen, in Mühlhausen? „Es ist eine Mischung aus beidem“, sagt er.
Ein Jahr lang soll Eilers nun die Routinen verinnerlichen. Danach darf auch experimentiert werden.
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Schon jetzt gibt es Pläne für ein Festbier im Jahr 2027, passend zu einem besonderen Jubiläumsreigen mit 800 Jahren Divi-Blasii-Kirche, 805 Jahren Marienkirche, 150 Jahren Mühlhäuser Stadtkirmes und 35 Jahren Brauhaus.










