Zusammenfassung

  • Im Unstrut-Hainich-Kreis möchte der 17-jährige Noah Widerek nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr im Kindergarten „Kleine Strolche“ Erzieher werden.
  • Der Förderverein der Kita sowie der Landesjugendring ermöglichten ihm das FSJ, das für Noah zur beruflichen und persönlichen Orientierung wurde.
  • Für die anschließende Ausbildung zum Sozialassistenten besucht er den Berufsschulcampus Mühlhausen, wohnt weiterhin zu Hause und strebt eine Anstellung in Menteroda an.

Der 17-jährige Noah Widerek möchte Erzieher werden und Kinder bei ihren ersten großen Schritten ins Leben begleiten. Doch der Weg zur Berufswahl war alles andere als geradlinig. Mit Unterstützung des Fördervereins der Kita „Kleine Strolche“ in Menteroda (Unstrut-Hainich-Kreis) konnte Noah sein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) absolvieren, was den Grundstein für seine berufliche Zukunft legte.

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Noah bringt eine Mischung aus jugendlicher Energie und Bodenständigkeit mit. Er ist leidenschaftlicher Fußballer, spielte zwei Jahre bei Union Mühlhausen und ist nun in der Mannschaft von BSG Aktivist Menteroda. Mit der Simson knattert er durch seinen Heimatort Holzthaleben im Kyffhäuserkreis. Gerade macht er den Führerschein fürs Auto.

Traumjob im Kindergarten? Es war für Noah eine Entscheidung mit Kurven. Schon in der Schulzeit schnupperte Noah in Praktika in verschiedene Berufe hinein. „Es war aber klar, es soll etwas mit Menschen sein“, sagt der 17-Jährige. Altenpfleger, Lehrer, Bankkaufmann – das alles stand im Raum. Kurz vor dem Abschluss der zehnten Klasse an der Gemeinschaftsschule in Menteroda fühlte Noah sich doch noch ziemlich orientierungslos.

Förderverein ermöglicht FSJ-Stelle im Kindergarten

Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) sollte mehr Gewissheit bringen. Das stieß im Sommer 2024 auf fruchtbaren Boden im Kindergarten „Kleine Strolche“. Doch die Finanzierung war noch nicht gesichert. FSJler bekommen in Thüringen immerhin ein Taschengeld von 350 Euro pro Monat.

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Hier sprang der Förderverein der Kita ein und machte sich gemeinsam mit dem Landesjugendring als Träger des FSJ für eine Lösung stark. Tanja Kempen vom Verein sagt: „Wir waren uns sicher, dass wir mit Noah den richtigen Weg gehen.“

Sonnengruppe, Teddys, Bienchen – Noah half in den Kita-Gruppen, las Geschichten vor, unterstützte bei der Betreuung der Kinder. Der erfahrene Erzieher Daniel Westphal nahm Noah besonders unter seine Fittiche und wurde zu einer Art Mentor, wie Noah heute sagt.

„Da habe ich gemerkt, dass der Beruf des Erziehers das Richtige für mich ist.“ Die Resonanz in seinem Umfeld auf seinen Berufswunsch: „Manchmal gab es schiefe Blicke. Aber im Großen und Ganzen sehen es alle positiv.“

Vom Schulbankdrücken zum Abenteuer im Kindertrubel

Der Alltag im Kindergarten verlangte ihm anfangs einiges ab; schon ein großer Unterschied zur Schule. „Es war echt anstrengend, acht Stunden lang ständig von Kindern umgeben zu sein, die oft wie Kletteräffchen an einem hängen“, erzählt Noah augenzwinkernd. Dennoch sorgten leuchtende Kinderaugen und das herzliche Lachen dafür, dass die neue Aufgabe zu einer Herzensangelegenheit wurden.

Kindergarten Menteroda
Die frühere Kita-Leiterin Eva Bader (links) mit Nachfolgerin Melissa Beck.© Alexander Volkmann | Alexander Volkmann

Als er den Kindergarten nach einem knappen Jahr für die Ausbildung verließ, gab er den Kleinen das Versprechen, mindestens einmal pro Woche vorbeizukommen. Die Kinder begrüßen ihn dann begeistert und auch die Erzieher freuen sich über den Gast.

Auch deshalb ist es Noahs großer Wunsch, wieder nach Menteroda zurückzukehren und Teil des Teams zu werden. Dass die Einrichtung mit ihren 13 Erziehern und derzeit 53 betreuten Kindern ihn gerne nehmen würde, steht außer Frage.

Kita-Leiterin Melissa Beck betont: „Noah war wirklich eine große Entlastung, ob beim Anziehen oder Essen ausgeben im Kinderrestaurant. Und natürlich spielt er mit den Kleinen besser Fußball als alle anderen.“

Noah war der erste FSJler im Kindergarten Menteroda und hat bleibenden Eindruck hinterlassen. Es gibt in diesem Jahr eine junge Frau, die hier ebenfalls ein FSJ macht. Auch hier unterstützt der Förderverein.

In der Berufsschule bis über beide Ohren verliebt

Bis zum ausgebildeten Erzieher ist es für Noah noch ein weiter Weg. Um die dreijährige Ausbildung überhaupt beginnen zu können, muss er zunächst zwei Jahre lang die Ausbildung zum Sozialassistenten am Berufsschulcampus in Mühlhausen absolvieren. Während dieser Zeit bekommt er keine Ausbildungsvergütung. Deshalb wohnt Noah noch zu Hause.

Vor drei Jahren half der Förderverein bei der Finanzierung eines Spielgerätes. Seither ist an der Außenanlage viel passiert.
Vor drei Jahren half der Förderverein bei der Finanzierung eines Spielgerätes. Seither ist an der Außenanlage viel passiert.© Alexander Volkmann | Alexander Volkmann

Nun will er sich um einen Minijob kümmern, der hilft, zusätzliche Ausgaben zu finanzieren. In wenigen Tagen wird er volljährig. Aktuell fährt er noch mit dem Bus zur Berufsschule, möchte sich aber bald ein eigenes Auto zulegen.

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Noahs Mutter Daniela ist stolz auf ihren Sohn und unterstreicht die Bedeutung des FSJ für die Berufsfindung: „Es ist wichtig für junge Leute, sich auszuprobieren.“ Noah selbst sieht das ähnlich und geht seinen Weg beständig weiter. Und ganz nebenbei erwähnt er, dass sein Berufswunsch auch privat einen Zukunftsweg geebnet hat: In der Berufsschule hat er sich nämlich bis über beide Ohren verliebt. Seine Freundin will ebenfalls Erzieherin werden. Sie wohnt in Bickenriede im Eichsfeld.