Der Morgen von Nicole Möller beginnt fast immer gleich: Sie steht am Bahnhof in Bad Langensalza, blickt auf ihr Handy und hofft. Nicht auf Sonne oder hohe Temperaturen, sondern darauf, dass der Zug fährt wie geplant. „Mehr erwarte ich eigentlich gar nicht“, sagt sie und lächelt ein wenig müde.

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Seit über 30 Jahren fährt sie mit der Bahn, seit 2008 regelmäßig. Heute pendelt sie täglich nach Mühlhausen zur Arbeit, nutzt aber auch Fernverbindungen Richtung Köln, Düsseldorf oder Frankfurt. „Ich fahre gerne Zug“, sagt sie, „aber in den letzten zwei Jahren ist es hier vor Ort wirklich schwierig geworden.“

Verspätungen zwingen Pendler zu absurden Zeitpuffern

Was Möller am meisten irritiert, ist nicht der einzelne Ausfall, sondern die Ungenauigkeit. „In der App stehen sieben Minuten Verspätung. Dann geht man zum Bahnhof und plötzlich sind es 45.“ Oft komme die entscheidende Information erst am Bahnsteig. Besonders so, wie im vergangenen Winter kann das bitter werden. „In Mühlhausen kann man sich wenigstens noch unterstellen“, sagt sie, „aber in Bad Langensalza habe ich schon 40 Minuten im Kalten gestanden.“

Für Termine plant sie inzwischen mehr Zeit ein. „Ich nehme zwei Züge früher, um sicher zu sein. Das ist absurd, aber anders geht es nicht“, erzählt sie. Trotzdem ist das Auto für sie kein Ersatz: „Ich habe einen Führerschein. Aber ich will eigentlich nicht fahren.“

Andere haben irgendwann aufgegeben: „Ein ehemaliger Kollege hat mir erzählt, dass er lieber einen Job nahe seines Wohnortes hat. Er müsse so nicht jeden Tag rätseln, ob er ankommt.“

Stellwerksausfälle führen zu massiven Zugverspätungen und Ausfällen

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr der vergangene Dezember. In Gotha mussten nach einem Stellwerkschaden Hunderte Menschen auf Ersatzbusse warten. Und auch wenige Tage später ist ein elektronisches Stellwerk bei Bad Langensalza nach Vandalismusschäden ausgefallen. „In der App stand, dass Busse kommen, aber sie kamen nicht. Viele haben sich Taxen genommen, aus eigener Tasche“, erzählt Möller.

Gotha
Am 21. Dezember kam es aufgrund von Vandalismus zu Zugausfällen in Gotha. Nur wenige Tage später war auch Bad Langensalza betroffen.© Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Auf Anfrage bestätigt die Deutsche Bahn, dass es rund um den Fahrplanwechsel zu Problemen gekommen ist. Grund seien „zwei infrastrukturelle Engpässe im Bereich Silberhausen“, die auch den Nahverkehr im Unstrut-Hainich-Kreis beeinflussen. Zusätzlich habe es in Bad Langensalza durch den Stellwerksausfall am 27. Dezember „massive Zugausfälle und Verzögerungen“ gegeben. Ersatzverkehr durch Busse sei kurzfristig nicht möglich gewesen.

Bahnfahren ohne App wird für viele zur Herausforderung

Ein weiterer Punkt fällt Möller besonders auf: „Ohne App ist man verloren.“ Am Bahnsteig wird selten jemand gefunden, der weiterhelfen kann. Ältere Reisende hätten es besonders schwer, da nur wenige ein Smartphone besitzen. „Da hilft man sich dann irgendwie gegenseitig am Bahnhof“, erzählt Möller.

Eigentlich, sagt Möller, wäre das Rezept zum Zugfahren einfach: „Mehr Menschen steigen auf die Bahn um, wenn sie sich darauf verlassen können.“ Mit dem Deutschlandticket sei das sogar attraktiver geworden. „Für mich war das ein Segen, ich brauche keine Luxuslösung. Ich brauche nur, dass die Bahn fährt“, erzählt sie.

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Dann lacht sie kurz und sagt einen Satz, der hängen bleibt: „Das Traurigste ist, dass wir uns inzwischen schon freuen, wenn alles pünktlich läuft.“