Schwere Gewaltverbrechen sind im Unstrut-Hainich-Kreis selten. Doch wenn sie geschehen, erschüttern sie die Menschen weit über den unmittelbaren Tatort hinaus.

Ein Blick auf einige der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre zeigt, wie unterschiedlich die Hintergründe sind.

Tötungsdelikt und Wohnungsbrand in Schlotheim

In der Nacht zum 18. Dezember 2016 wurde die Feuerwehr zu einem Brand in die Straße der Gemeinschaft in Schlotheim gerufen. Eine Wohnung im ersten Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses stand in Flammen, dichter Rauch zog durch das Treppenhaus. Mehrere Bewohner mussten evakuiert werden. In der ausgebrannten Wohnung entdeckten Feuerwehrleute später die Leiche des 59-jährigen Mieters.

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Zunächst gingen Polizei und Feuerwehr von einem tragischen Unglück aus. Die Vermutung: Der Mann könnte mit einer Zigarette eingeschlafen sein und das Feuer selbst ausgelöst haben. Doch die Obduktion brachte eine unerwartete Wendung. Der Mann war bereits tot, als der Brand ausbrach. Zudem fanden die Gerichtsmediziner Hinweise auf einen gewaltsamen Tod.

Eine 25-köpfige Mordkommission der Kriminalpolizei Nordhausen übernahm die Ermittlungen. Der Verdacht: Der Brand wurde gelegt, um eine Tötung zu verdecken. Ein 44-jähriger Mann aus Schlotheim geriet ins Visier der Ermittler, wurde festgenommen, später jedoch zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt. Erst Wochen danach kam er erneut in Untersuchungshaft.

Bei dem Feuer wurde die Leiche eines Mannes gefunden.
Bei dem Feuer wurde die Leiche eines Mannes gefunden.© Archiv | Daniel Volkmann

Vor dem Landgericht Mühlhausen wurde ihm schließlich vorgeworfen, das Opfer mit mehreren Messerstichen getötet und anschließend Feuer gelegt zu haben. Dabei habe er billigend in Kauf genommen, dass weitere Bewohner des Hauses sterben könnten. Die Staatsanwaltschaft forderte eine mehrjährige Haftstrafe, doch am Ende folgte das Gericht der Argumentation der Verteidigung: Die Indizien, unter anderem eine Zigarettenkippe mit DNA des Angeklagten, lassen sich nicht eindeutig der Tatzeit zuordnen. Der Angeklagte wurde freigesprochen und erhielt Haftentschädigung.

Bajonett-Angriff im „Blauen Block“ in Bad Langensalza

Am frühen Morgen des 14. Mai 2025 glich ein Wohngebiet im Süden von Bad Langensalza einer Großlage. Zahlreiche Polizeifahrzeuge standen in der Gutenbergstraße, ein Hubschrauber kreiste über der Stadt. Gesucht wurde ein 22-jähriger Mann, der im Verdacht stand, einen anderen Mann tödlich verletzt haben zu wollen.

Blauer Block Bad Langensalza
Im Blauen Block in Bad Langensalza kam es im vergangenen Jahr zu einem Bajonett-Angriff.© Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Tatort war der sogenannte „Blaue Block“, ein Plattenbau mit schlechtem Ruf. Dort eskalierte in der Nacht ein schon länger schwelender Konflikt zwischen zwei Männern. Im Treppenhaus kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung. Der Täter stach seinem damals 36-jährigen Kontrahenten mit einem nachgeschärften Bajonett in Oberschenkel und Schulter. Das Opfer konnte fliehen, brach jedoch zusammen und musste im Klinikum notoperiert werden.

Hintergrund der Tat waren persönliche Konflikte, Eifersucht, Drohungen und eine Vorgeschichte voller Gerüchte, Drogenkonsum und gegenseitiger Provokationen. Beide Männer kannten sich, das spätere Opfer hatte den Täter zeitweise sogar bei sich wohnen lassen.

Das Amtsgericht Mühlhausen verurteilte den dann 23-jährigen Täter wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft. Der Vorwurf eines versuchten Mordes bestätigte sich nicht.

Mordversuch aus dem Drogenmilieu in Bad Langensalza

Ein weiterer Fall reicht weit zurück. Sein Ursprung liegt im Jahr 2010, als ein Mann ein Kilogramm Kokain verlor. Das Rauschgift hatte er zuvor für insgesamt 30.000 Euro in den Niederlanden erworben und nach Bad Langensalza gebracht. Wenige Tage später war eines der versteckten Päckchen verschwunden. Der Verlust wurde für den Mann zu einer Obsession.

Zehn Jahre lang schwelte der Konflikt im Verborgenen. Immer wieder habe der spätere Täter versucht herauszufinden, wer für den Diebstahl verantwortlich gewesen sein könnte. Erst Jahre später wurde er von Bekannten auf eine Spur gebracht. In dieser Zeit verfestigte sich laut eigener Aussage der Gedanke an Rache.

Im Dezember 2021 setzte er seinen Plan schließlich um. Mit einer geladenen Pistole bewaffnet, lauerte der Mann seinem mutmaßlichen Kontrahenten eine ganze Nacht lang in dessen Wohnhaus auf. Er war vorbereitet, hatte Proviant und persönliche Gegenstände dabei und wartete stundenlang. Als es schließlich zur Konfrontation kam, konnte das Opfer den Angriff nur durch eine blitzschnelle Reaktion verhindern: Es überwältigte den Täter, entriss ihm die Waffe und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest.

Bei späteren Hausdurchsuchungen fanden die Ermittler weitere Betäubungsmittel. Der Fall zog umfangreiche Ermittlungen nach sich. Das Landgericht Mühlhausen verurteilte den Angeklagten zunächst zu acht Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof hob dieses Urteil jedoch auf, unter anderem, weil der gesundheitliche Zustand des Angeklagten nicht ausreichend berücksichtigt worden war. Nach einem erneuten Verfahren wurde der Mann schließlich zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.

Drogenrazzia mit SEK in Herbsleben

Polizei und Kripo durchsuchen ein Wohnhaus in Herbsleben.
2019 durchsuchten Polizei und Kriminalpolizei ein Wohnhaus in Herbsleben.© Archiv | Daniel Volkmann

Ein massiver Polizeieinsatz erschütterte im Dezember 2019 die Gemeinde Herbsleben. In den frühen Morgenstunden verschafften sich Spezialeinsatzkräfte Zutritt zu mehreren Wohnhäusern im Ortskern. Fenster wurden eingeschlagen, mehrere Personen wurden vorläufig festgenommen.

Die Durchsuchungen dauerten mehrere Stunden. Sichergestellt wurden große Mengen Betäubungsmittel, darunter Methamphetamine und Cannabis, ein Bargeldbetrag im fünfstelligen Bereich sowie Waffen und eine Schreckschusswaffe. In einem Stall stießen die Beamten zudem auf ein Wildschwein, was das Veterinäramt auf den Plan ruft.

Die Ermittler gingen von organisiertem Drogenhandel aus, der sich über längere Zeit in der Region etabliert hatte. Besonders brisant: Nach Angaben der Polizei sollten die Drogen auch an Minderjährige verkauft worden sein. Gegen mehrere Tatverdächtige wurden Haftbefehle erlassen und vollstreckt.

Raubüberfälle auf Apotheken in Mühlhausen

Bereits am 21. Januar wurde eine Apotheke in der Mühlhäuser Innenstadt Ziel eines Raubüberfalls. Ein maskierter Täter betrat das Geschäft am Vormittag und bedrohte die Mitarbeiterinnen mit einem waffenähnlichen Gegenstand. Er forderte Bargeld sowie Medikamente. Die Angestellten übergaben Geld in dreistelliger Höhe und pharmazeutische Erzeugnisse.

Raubüberfall Apotheke in Mühlhausen
Erst Ende Januar kam es in Mühlhausen zu einem Raubüberfall in einer Apotheke.© Daniel Volkmann | Daniel Volkmann

Anschließend flüchtete der Mann in unbekannte Richtung. Verletzt wurde niemand, dennoch saß der Schock bei den Betroffenen tief. Die Polizei leitete sofort Fahndungsmaßnahmen ein, sicherte Spuren am Tatort und bat die Bevölkerung um Hinweise. Der Täter wurde als junger Mann beschrieben, der Hochdeutsch sprach, eine auffällige Kopfbedeckung trug und einen grauen Stoffbeutel bei sich hatte.

Nur wenige Tage später, am 30. Januar, kam es erneut zu einem Raubüberfall auf eine Apotheke in Mühlhausen. Diesmal schlug der Täter am Freitagmorgen gegen 9 Uhr in der Felchtaer Straße zu. Wieder forderte ein Mann mit einem waffenähnlichen Gegenstand Bargeld und Medikamente. Nach der Tat flüchtete er mit einem Fahrrad in Richtung Innenstadt.

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Die Polizei reagierte mit einem Großaufgebot. Mehrere Streifenwagen sowie Beamte der Bereitschaftspolizei waren im Stadtgebiet im Einsatz. Bereiche wurden zeitweise abgesperrt, Fahrzeuge und Personen kontrolliert.