Der Kormoran ist auf Diebestour. Er nimmt sich, was am leichtesten zu fangen ist. Mit seinem großen Schnabel hackt er nach den Fischen, wahllos. Wirkliche Feinde hat er nicht. „Der Kormoran ist schon länger keine gefährdete Art mehr hierzulande“, erklärt Christian Schneider, Chef des Fischereivereins Bad Langensalza im Unstrut-Hainich-Kreis.

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Der verhältnismäßig strenge Winter hat das Problem in diesem Jahr verstärkt. „Die Kormorane haben selbst in Städten nach Nahrung gesucht, sind gezielt an eisfreie Fließgewässer ausgewichen“, so Schneider weiter. Es gibt zahlreiche Aufnahmen, die die Vögel in der Seufzerallee in Bad Langensalza zeigen. An der Unstrut fühlen sich die Kormorane ebenfalls wohl.

Kormorane fressen die Gewässer im Unstrut-Hainich-Kreis leer

Das hat Auswirkungen auf den Fischbestand – auch in der kleinen Salza. Schneider befürchtet, dass die Kormorane den Fluss, der sich durch Bad Langensalza schlängelt, mittlerweile leergefressen haben. „Die Fische können sich in dem relativ flachen Wasser kaum verstecken, es gibt kaum Rückzugsräume.“

Fischereiverein Langensalza
Kormorane sind sehr gefräßig. Inzwischen gefährden sie die Fischbestände und dürfen daher geschossen werden.© Fischereiverein Bad Langensalza | Christian Schneider

Kormorane gehören zu den gefräßigsten Vögeln, die man kennt. Sie jagen oft in großen Trupps. Täglich verschlingt der Ruderfüßer bis zu einem Kilo Fisch. Manchmal auch mehr. „Wir befürchten, dass sich der Kormoran alle Fische geholt hat, die wir als Fischereiverein an der Salza oder auch der Unstrut eingesetzt haben.“ Ein finanzielles Debakel für einen Verein mit 190 Mitgliedern.

Ein paar Abschüsse führen nicht zur Bestandsreduzierung

Allein letztes Jahr wurden von den Petrijüngern Bad Langensalza 1000 junge Elritzen in die Freiheit entlassen, 2024 wurden die Bestände der Esche und der Bachforelle aufgefrischt. Die 3000 Euro, die die Aktion gekostet hat, kommen aus der Vereinskasse. Einen ähnlichen Geldbetrag braucht es, um an der Unstrut junge Aale auszusetzen. Das Programm setzen die Angler alle zwei Jahre um, 60 bis 70 Kilo Frischfisch.

Das Problem mit dem gierigen Phalacrocorax carbo, so die lateinische Bezeichnung, hat mittlerweile auch die Politik erkannt. Seit Jahren fallen Kormorane regelmäßig in der kalten Jahreszeit über die Thüringer Fischbestände her. Die Schwärme kommen aus benachbarten Bundesländern.

Wie Umweltminister Tilo Kummer (BSW) dazu jüngst erklärte, haben Kormorane allein im vergangenen Jahr für rund eine halbe Million Euro Karpfen oder Forellen aus Thüringer Gewässern gefressen. Deshalb dürfen die Vögel im Freistaat künftig nicht nur an Flüssen und Bächen, sondern auch an Teichen und Seen geschossen werden – zum Schutz der Fischbestände.

Winterwetter
Kormorane streiten sich um Futter. Im Wasser bewegen sich die Tiere sehr gewandt, wobei die kräftigen Füße als Antrieb genutzt werden.© dpa | Georg Moritz

Fischbestand in der Salza soll dokumentiert werden

Doch ganz so einfach ist ein Abschuss nicht. Es gibt weiterhin rechtliche und naturschutzrechtliche Hürden. Und vor allen Dingen auch praktische. Ein paar Abschüsse führen noch lange nicht zu einer Bestandsreduzierung. „Und ein Jäger hat auch nichts davon, einen Kormoran abzuschießen“, erklärt der 49-jährige Schneider mit einem zusätzlichen Verweis auf die anfallenden Kosten.

Um den Fischbestand in der Salza zu dokumentieren, setzt der Verein auf eine elektronische Fangmethode. Bei dieser wird das Fließwasser kurz unter Strom gesetzt, um die Fische zu betäuben – und eben zu zählen. „Wir müssen diesen Nachweis führen, um eventuell Fördermittel für den Verein zu bekommen“, erklärt Schneider das Prozedere. Geplant sei die Aktion aber erst nach dem Sommer, wenn die Temperaturen angenehmer werden. „Das bedeutet auch weniger Stress für die Fische.“

Rund 300 Volt schießen dann durch die Salza. „Dies ist absolut wirkungsvoll“, weiß Schneider, der für den Gebrauch des Gerätes eine extra Prüfung ablegen musste. Die Strömung des kleinen Flüsschens und die Anoden-Kraft treiben dann hoffentlich viele Äschen, Stichlinge, Ellritzen und Bachforellen in den Kescher. „Jedes einzelne Tier wird registriert und vermessen.“

Jedes Jahr setzt der Fischereiverein Bad Langensalza Frischfisch in die Gewässer, die er bewirtschaftet.
Jedes Jahr setzt der Fischereiverein Bad Langensalza Frischfisch in die Gewässer, die er bewirtschaftet.© Lisa Schneider/ Archiv

Sicherheitsvorkehrungen für das Monitoring sind streng

Hört sich leicht an – ist es aber nicht. Zu berücksichtigen sind verschiedene Faktoren, angefangen bei der Leitfähigkeit des Wassers. Und auch die einzelnen Fische reagieren unterschiedlich. „Es gibt Fischarten, die hervorragend reagieren – andere sind sehr sensibel, wie etwa die Äsche“, erklärt Schneider. Kein Tier soll Schaden nehmen, ein zu gewaltiger Stromschlag kann aber auch zu Verletzungen der Wirbelsäule führen. „Das darf aber nicht sein.“ Gerade ist das Elektrogerät noch beim TÜV, der es ebenfalls abnehmen muss.

Die Sicherheitsvorkehrungen für das gesamte Monitoring sind streng, die Obere Fischereibehörde muss ebenfalls noch ihr amtliches O.K. geben: Sechs Angler-Kollegen sollen dann die rund 100 Meter lange Teilstrecke der Salza absichern. Vorgeschriebene Gummihosen schützen nicht nur vor dem sieben, acht Grad kalten Wasser, sie dienen vor allem als Isolation. Auch Gummihandschuhe sind Pflicht, ebenfalls als Schutz gegen den Gleichstrom, der durch das Wasser schießt.

Ein Spektakel für Angler und Zaungäste. An einigen Stellen ist das Wasser der Salza nur knöcheltief, an anderen stehen die Männer dann bis zur Hüfte im Wasser. Mit der genauen Bestimmung der gefangenen Fische erfährt man auch etwas über die Altersstruktur der Tiere: Ist das Gewässer in der Innenstadt von Bad Langensalza gesund, findet man Alte, die Jungen in Schwärmen und eben auch Fische im besten Fortpflanzungsalter.

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„Wir sind jedenfalls sehr gespannt – befürchten aber, dass der Fluss durch die Kormorane einfach leergefressen ist. Das zeigt dann aber auch: Wenn geschützte Tiere sich so stark vermehren, dass sie zur Plage werden, sollte und muss der Mensch reagieren.“