Ein besonderes Jubiläum hat ehemalige Absolventen des Pädagogischen Instituts Mühlhausen jetzt wieder zusammengeführt. Die Seminargruppe Polytechnik des Jahrgangs 1964 bis 1968 traf sich am Samstag im Logenhaus – und blickte dabei auf mehr als ein halbes Jahrhundert gemeinsamer Lebenswege zurück.

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Traditionell kommen die ehemaligen Absolventen alle 15 Jahre zusammen. Das nächste Treffen wäre somit aber erst 2028 gewesen: zum Diamantjubiläum. „Wir wollten aber nicht so lange warten“, sagte Manfred Lippert aus Bad Langensalza. Denn die Hälfte der Diplomlehrer lebt inzwischen nicht mehr. Daher wurde jetzt zum Anlass genommen, dass alle Mitglieder des Jahrgangs inzwischen das 80. Lebensjahr erreicht oder bereits überschritten haben.
Lehrer verbanden Theorie und Praxis im DDR-Polytechnik-Unterricht
Von einst 24 Absolventen für Polytechnik kamen zwölf gemeinsam mit ihren Ehepartnerinnen zum Treffen im Logenhaus. Er war geprägt von fachlichen Gesprächen, Erinnerungen und Nostalgie. Denn Lehrer für Polytechnik hatte die DDR eingeführt. Ihre Aufgabe war es, die Verbindung von theoretischem Wissen und praktischer industrieller Arbeit zu vermitteln.
So hat die Absolventen-Runde einst Hunderte Schüler der ersten bis sechsten Klassen in Werken und Schulgarten unterrichtet. In den höheren Klassenstufen waren sie für die „Einführung in die sozialistische Produktion“ (ESP) zuständig, in der Kenntnisse in Elektronik, Informatik, Automatisierungstechnik und technisches Zeichnen erworben wurden. Bestandteil des Fachs war die Produktive Arbeit (PA), die Schüler direkt in Patenbetrieben absolvierten.
Mühlhausen prägte Lehrergenerationen über Jahrzehnte hinweg
Die Ausbildung an der damaligen Pädagogischen Hochschule in Mühlhausen hat die Absolventen-Runde sehr geprägt. Denn sie war sehr gut. Bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert galt Mühlhausen als bedeutender Standort der Lehrerausbildung. Das 1897 am Schillerweg errichtete „Königliche Lehrerseminar“ hatte nämlich den Grundstein dafür gelegt. Von 1949 bis 1993 wurde das Gebäude als Pädagogisches Institut beziehungsweise Hochschule für die Ausbildung von Fachlehrern genutzt – nicht nur für Polytechnik, sondern unter anderem auch in den Bereichen Biologie, Chemie und Mathematik.
Die Lehrer mussten damals hingehen, wo die Republik sie benötigte. Daher haben sich die Wege der Absolventen nach dem Studium weitverzweigt. Der älteste Teilnehmer, Horst Eisenberg (85), reiste aus Eisenach an. Der jüngste, Burghard Uhlworm (80), kam aus Geraberg. Den weitesten Weg hatte Willi Jaensch, der aus Falkensee bei Berlin anreiste.
Bernd Kecke (82) war nach der Ausbildung in Mühlhausen aus seiner Heimat, der heutigen Gemeinde Drei Gleichen im Landkreis Gotha, nach Suhl gezogen. Seine Schüler bauten im PA-Unterricht Räder für die Simson-Mopeds. Nach der Wende musste er den Polytechnischen Unterricht mit abschaffen, weil er im Kultusministerium eine Arbeit fand. „Die Betriebe konnten die Kooperation mit den Schulen nicht mehr bezahlen“, erklärte er.
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„Heute kommt der Polytechnische Unterricht wieder zurück“, freute sich Kecke. Nämlich durch die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Bei dem Treffen wurden daher auch die Pläne der Hochschule Nordhausen interessiert diskutiert, die in Kooperation mit der Universität Erfurt ab dem Wintersemester 2026/2027 einen Bachelorstudiengang für das Lehramt anbieten will – mit dem Ziel, dass das Lehrerprofil stärker fächerübergreifend wird.








