Eine 74-Jährige aus der Vogtei glaubt, 49.000 Euro gewonnen zu haben. Für die Auszahlung soll sie allerdings zunächst eine PaySafeCard für 1.000 Euro kaufen. Erst an der Tankstellenkasse in Oberdorla wird klar, dass die Seniorin auf einen Betrug hereinfällt.

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Kassiererin Elfi Hauschild erkennt die Gefahr rechtzeitig. Ein unscheinbarer Zettel mit einer ungewöhnlichen Notiz lässt die 41-Jährige stutzig werden – und bewahrt die Seniorin davor, tatsächlich 1.000 Euro an die Betrüger zu verlieren. Die Polizei ermittelt und warnt vor der Masche.

49.000 Euro Gewinn – und alles ist eine Lüge

Nach Informationen eines Polizeisprechers erhält die Dame vor wenigen Wochen einen Anruf von einem Mann, der sich als Mitarbeiter einer Lottozentrale ausgibt. „Sie haben gewonnen“, teilt er ihr mit – ganze 49.000 Euro warteten auf sie. – Ein Glücksfall, der so selten ist, dass er einen vom Stuhl reißen könnte.

Die Seniorin freut sich. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht mit einer Silbe ahnt: Den Gewinn gibt es nicht. Die Lottozentrale gibt es nicht. Den freundlichen Mitarbeiter am Telefon gibt es nicht. Was es gibt, ist ein Betrug – kalt geplant und sehr präzise ausgeführt.

Trickbetrug an der Tankstelle in Oberdorla vereitelt.
Kassiererin Elfi Hauschild (rundes Bild) erkannte an der Tankstelle in Oberdorla den Betrugsversuch – ihr Hinschauen rettete einer Rentnerin aus der Gemeinde Vogtei mindestens 1.000 Euro.© Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Der Anrufer teilt der 74-Jährigen mit, dass die Auszahlung der 49.000 Euro erst dann erfolge, wenn sie zuvor eine sogenannte PaySafeCard im Wert von 1.000 Euro übergebe. PaySafeCards sind Prepaid-Guthabenkarten, anonym erhältlich in Tankstellen und Supermärkten. Man lädt sie mit einem festen Betrag auf, gibt den Code weiter – fertig. Keine Rückverfolgung, keine Rückbuchung. – Für Betrüger das ideale Zahlungsmittel.

Der Zettel mit den vier entscheidenden Wörtern

Die Rentnerin macht sich gegen 13 Uhr auf den Weg zur Tankstelle nach Oberdorla – einem der Orte in der Nähe, wo solche Karten zu kaufen sind. Dort hat an diesem Montag Elfi Hauschild Dienst. Die 41-Jährige ist Kassiererin, kümmert sich um den Tankstellenshop, kennt ihre Stammkunden und ist für alle da, die sie brauchen.

So auch für die ältere Dame, die nach der Karte fragt und sie mit 1.000 Euro aufladen möchte. Den genauen Namen des Produkts kann die Seniorin nicht aussprechen. Sie hat ihn aufgeschrieben – offensichtlich vom Anrufer buchstabiert bekommen. Hauschild nimmt den Zettel, liest – und stockt. Denn darauf steht nicht nur der Name der Karte. Darauf steht auch: „Übergabe um 15 Uhr.“

Trickbetrug im Unstrut-Hainich-Kreis vereitelt
Sie hat an diesem Montag einfach genauer hingeschaut, als die Betrüger es eingeplant hatten – was Elfi Hauschild an der Kasse in Oberdorla dann tat, hat alles verändert.© Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Vier Wörter. Und sofort schrillen alle Alarmglocken.

Elfi Hauschild fragt nach. Ruhig, behutsam, ohne die ältere Dame zu erschrecken oder sie erneut unter Druck zu setzen. Und dann fliegt der gesamte Betrug auf. „Die Dame ist blass angelaufen, ich habe ihr gesagt, sie soll sich erst einmal setzen, und dann habe ich ihr einen Kaffee angeboten.

Trickbetrug an der Tankstelle in Oberdorla vereitelt.
An der Tankstelle in Oberdorla endete der Betrugsversuch, bevor er Schaden anrichten konnte – hier erkannte eine Kassiererin, was hinter dem Kartenkauf einer 74-jährigen Rentnerin aus der Vogtei steckte.© Funke Medien Thüringen | Daniel Volkmann

Wir haben uns im Gespräch darauf verständigt, die Polizei in Mühlhausen zu informieren, die auch prompt eine Streife vorbeischickte“, informiert Hauschild am Dienstagmorgen. Die Polizei lobt die Zivilcourage der 41-Jährigen ausdrücklich – es sei keineswegs selbstverständlich, so aufmerksam zu reagieren und so beherzt zu handeln. Eine Anzeige ist aufgenommen, die Kriminalpolizei ermittelt.

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Und die Botschaft der Polizei ist sehr eindeutig: Niemals auf solche Anrufe eingehen, keine Codes, Passwörter, Kartennummern oder Ähnliches weitergeben – und im Zweifel sofort Angehörige oder die Polizei unter 03601/4510 informieren.