- Warum diese Hollywoodschaukeln und Waldschenken in Deutschland fast niemand kennt
- Wie ein Handwerker aus Grabe 1.700 Kilometer fährt, um sein Geschäft per Handschlag zu besiegeln
- Wo man die massiven Holzunikate im Unstrut-Hainich-Kreis jetzt selbst ansehen kann
Sie sind wuchtig, schwer und auf den ersten Blick kaum zu glauben: Hollywoodschaukeln mit bis zu fünf Sitz- und Liegemöglichkeiten, Waldschenken aus gewachsenen Baumstämmen, Hundehütten, die eher wie kleine Blockhäuser wirken.

Täglich
Der Newsletter für Unstrut-Hainich
Alle wichtigen Informationen aus dem Unstrut-Hainich-Kreis, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Kein Brett ist gerade, kein Stück gleicht dem anderen – und genau das ist das Konzept. Dieter Fielker aus Grabe, einem kleinen Ortsteil von Mühlhausen im Unstrut-Hainich-Kreis, handelt seit gut einem Jahr, genau mit dieser Art von Holzkunst. Unikate, allesamt. Kein Stück davon existiert ein zweites Mal auf der Welt.

Ein Foto verändert alles – die Idee hinter dem Projekt
– Fielker ist Handwerker durch und durch. Er macht Innenausbau, und Entrümpelungen, und betreibt seit Jahren einen kleinen Allroundservice in der Region. Dann, vor gut einem Jahr, verändert ein einziges Foto alles. Auf dem Display seines Handys erscheint in einer Statusmeldung eines rumänischen Bekannten eine hölzerne Sitzgarnitur – gefertigt aus gewachsenen Baumstämmen, roh, massiv, außergewöhnlich.

„Das hat mir selbst von Beginn an total gut gefallen“, berichtet der 52-Jährige. Daraufhin habe er Kontakt gesucht, mit der Bitte, die Garnituren in ganz Deutschland vermarkten zu dürfen. Fielker hat rumänische Wurzeln, ist in Hermannstadt aufgewachsen und 1990 in die Bundesrepublik gekommen. Die Verbindung in die alte Heimat hält er über Jahrzehnte aufrecht – und genau das wird für ihn jetzt zum entscheidenden Vorteil.
1.700 Kilometer für einen Handschlag: Fielker reist nach Rumänien
Die erste Lieferung im vergangenen Jahr kommt gut eineinhalb Monate zu spät und landet mitten im verkaufsschwachen Herbst. Im Frühjahr dieses Jahres dreht sich die Stimmung dann komplett: Die Nachfrage zieht an, das Interesse an dem Außergewöhnlichen im Unstrut-Hainich-Kreis wächst immer weiter.

Der 52-Jährige entschließt sich, kürzlich selbst nach Rumänien zu fahren – 1.700 Kilometer, 17 Stunden, eine Tour, ohne Unterbrechung. – Und dasselbe wieder zurück! Fielker lernt die Familie des Holzbauers kennen, wird für einige Tage untergebracht und arbeitet selbst mit.

Er will wissen, wie viel Schweiß, Zeit und Kraft in einem solchen Unikat stecken. Die geschäftlichen Modalitäten werden ebenfalls geregelt. „Mir ist es immer lieber, sich bei einem Vorhaben in die Augen zu schauen und das Ganze per Handschlag zu besiegeln“, berichtet der Mühlhäuser Handwerker. WhatsApp und E-Mail seien ganz nett, aber man habe ein anderes Gefühl, wenn man sich gegenüberstehe – das sei seine Erfahrung, seit Jahren.
Was diese Holzunikate so besonders macht
Dabei offenbart sich, was der rumänische Holzbauer alles fertigt: Blockhäuser, Spielplatzanlagen, kleine Gartenhäuschen, Küchen, Eingangstüren, Waschbecken aus Holz – alles nach Maß, alles mit Lieferung und Aufbau vor Ort. Dieter Fielker spricht in seiner Begeisterung von „total brutalem Zeug“, das man hierzulande kaum zu Gesicht bekomme.

Außergewöhnlich eben – und genau das sei seine Sparte. Die Entstehung eines solchen Stücks beginne dabei bereits im Wald: Geeignete Bäume würden erkundet, bevor überhaupt gesägt werde. Alles müsse zusammenpassen. Dann wird vorsichtig gefällt, zersägt, geschält, geschliffen, poliert und lackiert – teils nur mit Schleifpapier von Hand, um auch in die letzte kleine Astgabel zu gelangen. Das Material ist Vollholz, kein Furnier. Das passend gewachsene Holz zu finden, sei dabei das Schwierigste am ganzen Prozess.
Ausstellung in Grabe: Hier kann man die Stücke selbst sehen
Wie der Transport über fast 1.700 Kilometer funktioniert, hat Fielker inzwischen pragmatisch gelöst. Er arbeitet mit Unternehmern zusammen, die ohnehin regelmäßig zwischen Rumänien und Deutschland pendeln, um gebrauchte Maschinen oder Technik einzukaufen.
Auch interessant
Auch interessant
Auch interessant
Auch interessant
Statt leer nach Deutschland zu fahren, nehmen die Fahrer die Holzkunst aus ihrer Heimat gleich mit ihrem Laster in den Unstrut-Hainich-Kreis. In Grabe selbst wird teils noch nachgearbeitet, teils wird komplettiert und von dort aus auch verkauft und ausgeliefert. Direkt an der Ortsdurchfahrt hat Fielker einige Ausstellungsmodelle platziert – wer neugierig ist, kann die Stücke dort besichtigen.








