Das Haus Kinderland der Arbeiterwohlfahrt (Awo) soll zum 1. August 2027 geschlossen werden. Das empfiehlt der Sozialausschuss dem Stadtrat. Die Einrichtung am Vor dem Westtor 1 verfügt über 90 Plätze.

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Hinter dem Vorschlag steht eine grundsätzliche Entwicklung: Bad Langensalza hat zu viele Kindergartenplätze, gleichzeitig sinkt die Zahl der Kinder, sagt Bürgermeister Matthias Reinz, parteilos, im Gespräch mit unserer Zeitung.
Die Zahlen des Kita-Bedarfsplans des Unstrut-Hainich-Kreises zeigen die Entwicklung deutlich. Zum 1. März 2025 waren in den Kindertageseinrichtungen der Stadt 693 Plätze belegt – 62 weniger als ein Jahr zuvor. Dem standen 901 Plätze nach den Betriebserlaubnissen gegenüber. Für die Bedarfsplanung 2025/26 wurde die Kapazität bereits auf 765 Plätze reduziert. Davon waren zum damaligen Stichtag rund 90,6 Prozent belegt.
„Die Faktenlage ist nicht schönzurechnen“, sagt Reinz. Dabei gehe es nicht allein um das weiterhin geltende Haushaltssicherungskonzept. Der Stadtrat hatte sich gegen eine schnelle Erhöhung der Kita-Gebühren entschieden. Der dadurch entstehende Fehlbetrag müsse an anderer Stelle ausgeglichen werden. Die Schließung einer Einrichtung ist ein Teil dieses Ansatzes.
Doch auch unabhängig von den Finanzen müsse die Stadt ihre Kindergartenlandschaft neu ordnen, so Reinz.
Privateigentum und Investitionspläne lassen Miete steigen
Warum die Wahl nun auf das Haus Kinderland gefallen ist, hat nach Angaben der Stadt auch mit dem Gebäude zu tun. Die Immobilie befindet sich als einzige der verschiedenen Kindergärten in Bad Langensalza in Privatbesitz.
Der Eigentümer habe zugesichert, in das Haus investieren zu wollen. Damit würde allerdings die Miete deutlich steigen. Außerdem habe er eine langfristige Sicherheit verlangt, die weder die Stadt noch der Träger garantieren könnten.
Hinzu kommt das Einsparpotenzial. Nach Angaben von Sabine Hilbig von der Stadtverwaltung würde die Schließung des Hauses Kinderland bereits auf Grundlage der Zahlen von 2025 die größten Einsparungen bringen. Eine höhere Miete würde diesen Effekt noch verstärken.
Kitas teilweise weit unter Belegungskapazität
Andere Einrichtungen stehen allerdings ebenfalls vor Herausforderungen. So hat das Haus der Harthknirpse in Grumbach eine Kapazität von 30 Plätzen, wird nach Angaben der Stadt derzeit aber nur von elf Kindern besucht.
Der Sozialausschuss hat sich in nicht öffentlicher Sitzung für die Schließung vom Kinderland ausgesprochen. Auch der Ältestenrat beschäftigte sich zweimal mit dem Thema. Dabei wurde deutlich, dass die Verwaltung ursprünglich andere Einrichtungen für eine mögliche Schließung ins Auge gefasst hatte.
Nun liegt die Entscheidung bei den politischen Gremien. Der Haupt- und Finanzausschuss berät am 3. November, die Sonderstadtratssitzung findet am 12. November statt.
Abwanderung früherer Generationen führt zu weniger Kindern
Awo-Geschäftsführer Frank Albrecht spricht von einem „schwarzen Tag“. Beim Haus Kinderland handele es sich um ein „grandioses Haus mit einem grandiosen Team und einer grandiosen Elternschaft“. In den vergangenen Jahren habe man einiges bewegen können. Auch die Anmeldezahlen würden stimmen. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Ich nehme Herrn Reinz wie jedem Bürgermeister in Thüringen ab, dass es eine der schwersten Entscheidungen ist, einen Kindergarten zu schließen.“
Die Ursache dafür, dass es solche Entscheidungen brauche, liege 30 Jahre zurück. „Damals sind zu viele junge Frauen von Ost nach West abgewandert. In Wellen wird es also bei uns zu Einbrüchen bei der Kinderzahl kommen.“ Albrecht meint: „Das ist ein großes staatliches Problem. Doch ich bin ein realistischer Visionär.“
Analyse Kita-Landschaft als Aufgabe vom Freistaat Thüringen
Dass die Frage der Kita-Landschaft inzwischen auch finanzpolitisch erhebliches Gewicht hat, zeigt die Entscheidung des Thüringer Landesverwaltungsamtes: Die Stadt erhielt in diesem Jahr eine beantragte Bedarfszuweisung von 1,8 Millionen Euro nicht. Zu den Gründen gehörte nach Angaben des Bürgermeisters unter anderem, dass die Kommune sich aus Sicht der Aufsichtsbehörde noch nicht ausreichend mit der Kindergartenlandschaft auseinandergesetzt habe.
Der Haupt- und Finanzausschuss tagt am 3. November um 18.30 Uhr im Rathaus. Die Sonderstadtratssitzung findet am 12. November um 19 Uhr im Kultur- und Kongresszentrum statt.




