Es dreht sich um weiße, blaue, gelbe und graue Flecken. Und längst auch um dunkelgraue. Mit Wäschewaschen hat das indes nichts zu tun. Aber mit der digitale Zukunft in Eisenach. Und damit mit Bandbreite. Die ist entscheidend dafür, wie viele Daten pro Sekunde übertragbar sind.

Digitale Welt verlangt nach mehr Datenvolumen

Damit unsere digitale Welt (Cloud-Nutzung, KI, Videotelefonie, Streaming) funktioniert, werden Monopipes genutzt, in die Glasfaserstränge eingeblasen werden. Zweck: leistungsfähige NGA-Netze (Next Generation Access Network). Daher wird seit Jahren in Eisenach in 80 bis 100 Zentimeter Verlege-Tiefe gearbeitet, so Jonas Dargel vom Institut für Informations- und Kommunikationstechnik I2KT. Er ist als Bauoberleiter in Projekten der Firma Sportbad Eisenach (SEG) mit der Bauüberwachung befasst.

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Glasfaserausbau
Glasfaser-Ausbau geht in Eisenach voran. Hier der Blick auf Tiefbauarbeiten.© SEG/Jens Hartlep | SEG/Jens Hartlep

Meist gehen die Arbeiten von einem Hauptverteiler aus, der die Verbindung zum Internet herstellt. Die Micro-Rohr-Verbände mit der unter Druck eingepressten Glasfaser kommen nicht nur bis zum Straßenrand oder in den Keller, sondern auf Wunsch bis in die Wohnung. Zu unterscheiden sei zwischen NE3- und NE4-Ausbau, heißt es.

Hausanschlüsse bis in die Wohnungen

Während bei der NE3-Erschließung, um die sich die SEG in Eisenach bei Marktversagen bemüht, ein FttH-Anschluss (Glasfaser bis Haus/Wohnung) im Keller hergestellt wird, bedeutet der NE4-Ausbau auch die Installation vom Hausanschlusskasten bis in die Wohnungen.

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Um förderfähige Haushalte mit Glasfaser zu versorgen, werden Abzweige gesetzt, ab denen die nötige Anzahl von Fasern zu den Häusern bzw. Wohnungen führt. Das erfordere eine anspruchsvolle Planung, betont SEG-Chef Jens Hartlep. Und lobt dafür I2KT.

Glasfaser
Wer große Datenmengen verarbeitet, kommt an der Glasfaser nicht vorbei. Auch in Eisenach nicht.© FUNKE Foto Services / Symbolfoto | Sergej Glanze

Verlegt werden die Micro-Rohr-Verbände in Eisenach seit 2019. So wurde etwa die NGA-Erschließung am Tor zur Stadt, im Mariental und in den Schulen Am Predigerplatz in vorgezogenen Bauabschnitten ausgeführt um sicherzustellen, dass grundhaft ausgebaute Erschließungsanlagen nicht erneut aufgeschachtet werden müssen.

Bislang 1000 Kilometer Glasfaser in Eisenach verlegt

Was bisher unter der Regie der SEG geschafft wurde, kann sich sehen lassen: Fast 1000 Kilometer Glasfaser wurden verlegt. Auf etwa 140 Kilometer Länge führte man Tiefbau durch und knapp 300 km Leerrohre sind ins Erdreich gebracht worden.

Hartlep verweist darauf, dass der Breitbandausbau der städtischen Bädertochter „aquaplex“ mit einer Förderung von gut 50 Millionen Euro netto wohl das derzeit größte in der Realisierung befindliche kommunale Infrastrukturprojekt in Eisenach ist.

Sogar Seniorinnen sind begeistert

Auf die Frage, wie viele Eigentümer, die die Chance haben, einen geförderten Glasfaseranschluss gelegt zu bekommen, diesen auch möchten, sagt Hartlep: Die Bilanz sei noch nicht zufriedenstellend. Denn trotz Kostenfreiheit würden etwa 25 Prozent auf einen Glasfaseranschluss – verlegt bis ins Haus – verzichten. – Und das, obwohl sie bei der SEG keinen Providervertrag unterschreiben müssen. Andererseits gebe es Bürger, die der Verbesserung gegenüber aufgeschlossen seien. So kennt Hartlep einen Fall, in dem eine 70-jährige Tochter samt 96-jähriger Mutter wissen ließen: Klar, da sei man dabei – der Hausanschluss koste im Aktionszeitraum ja nix und wenn man ihn für Telemedizinanwendungen oder Streamen mal nicht mehr brauchen sollte, könnten den ja andere später nutzen.

Beim Gesamtausbau geht man in Etappen vor. Zuletzt wurde im Sommer 2025 gemeldet: 2000 Adressen am Glasfasernetz dran. Bandbreiten bis ein Gigabit pro Sekunde seien nun möglich. Davon würden besonders Bildungseinrichtungen in Eisenach sowie alle Gewerbe- und Industriegebiete profitieren.

Und der Ausbau wird fortgesetzt: So soll das Glasfasernetz im Stadtgebiet erweitert werden, um noch mehr Adresspunkte anzubinden. Bei diesen wurde insgesamt fünf Markterkundungsverfahren vorgeschaltet, in denen alle verbindlich bis zu einem Stichtag gemeldeten eigenwirtschaftlichen Ausbauaktivitäten berücksichtigt werden müssen.  

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Das heißt: Nur für Adresspunkte, in denen kein eigenwirtschaftlicher Ausbau angezeigt wurde und 300 Mbit/s im Download nicht erreicht werden, besteht die Möglichkeit, Fördergeld einzuwerben. So sei ein abgelegener Standort wie Rangenhof (Eisenach-Stedtfeld) ohne Fördergeld nicht an Glasfaser anzubinden. Es gebe dort einfach viel zu wenige Bewohner. Im Rangenhof spiegele sich also Marktversagen typischerweise wider.

Aktuell geht es um solche Adresspunkte, die keine 300 MBit pro Sekunde im Download haben. Diese werden als „dunkelgraue Flecken“ bezeichnet. Rund 28 Millionen Euro stehen für diese bereit. Positiver Effekt: Etwa 3000 weitere Adresspunkte profitieren absehbar vom modernisierten Netz. Die Tiefbauarbeiten könnten im Herbst beginnen, sagt Hartlep.

Hohe Sonne mit Glasfaser erschlossen

Ein besonderes Paradebeispiel ist die Glasfasererschließung der der  Hohe Sonne. So war es für Hartlep eine Selbstverständlichkeit, dafür eine Lösung zu entwickeln, wie dieser wichtige Adresspunkt auch in einen förderfähigen umgewandelt werden kann. Zudem: Der Investor habe sich gemeldet und um einen Ausbau gebeten. Alleine die Erschließung der wenige Adresspunkte auf der Hohen Sonne schätzt der Projektverantwortliche auf eine halbe Million Euro. Übrigens: Auch auf der Wartburg liegt dank SEG Glasfaser an.

Alles in allem sei die Perspektive die, bis 2029 rund 5000 Adresspunkte in Eisenach durchs rein städtische NGA-Netz zu versorgen. Pächterin sei in allen vier Projekten die Thüringer Netkom. Die Pachteinnahmen, die der SEG zufließen, sollen mittelfristig dazu beitragen, einen Teil der Defizite des Bäderbetriebs auszugleichen, so Hartlep.

Nebenbei: Parallel zur SEG und deren Partnern arbeitet in Eisenach die Firma OXG eigenwirtschaftlich ebenso in Sachen Glasfaser. Diese betreibt aber ihr eigenes Ausbauprojekt.