Mit einem „Offenem Brief“ macht Thomas Wuchert aus Eisenach auf die Benachteiligung von Schülern in Westthüringen bei der Unterrichtsversorgung aufmerksam. Seine Argumente greift der Familienvater dabei nicht einfach aus der Luft. Vielmehr hat er sich nach eigner Aussage intensiv mit der Materie beschäftigt.
Ausgangspunkt Petition
Der Ausgangspunkt für den Brief sei die Petition im Januar 2026 „Gleichberechtigte Bildung für alle Schüler – unabhängig von der Schulart – Gleichverteilung der Lehrer auf die staatlichen Schulen“. Diese habe ihn dazu veranlasst, die Unterrichtsversorgung an Regelschulen in Thüringen genauer zu betrachten. Dabei sei bei ihm der Eindruck entstanden, dass die Regelschulen im Bereich des Staatlichen Schulamtes Westthüringen besonders von fehlenden Lehrkräften und Unterrichtsausfall betroffen sind.
Auswertung von Schuldaten
Seine Auswertung öffentlich einsehbarer Schuldaten habe ergeben, dass rund vier Schulstunden weniger Unterrichtsversorgung in der Woche im Bereich des Schulamts Westthüringen gegenüber dem Thüringer Mittelwert vorherrsche.
Diese Zahlen hätten ihn überrascht, sagt Wuchert. Deshalb habe er die Untersuchung auf die Ebene einzelner Schulen ausgeweitet und im März dieses Jahres über das Thüringer Transparenzgesetz versucht, die Situation der Lehrerwochenstunden im Raum Eisenach genauer zu betrachten.
Keine Antwort vom Schulamt auf Fragen
Dabei sei er auf ein schwer nachvollziehbares Problem gestoßen: Gleiche Anfragen nach Lehrerwochenstunden von verschiedenen Schulen seien von allen Schulämtern in Thüringen beantwortet worden – bis auf das Schulamt Westthüringen. Dieses habe ihm auf Anfrage nichts mitteilen können oder wollen . . .
Antwort aus Ministerium überrascht den Vater
Daraufhin habe er sich hilfesuchend an politische Vertreter gewandt. Die Antwort des Thüringer Bildungsministeriums sei zunächst überraschend gewesen: Danach gab es keinen nennenswerten Unterschied bei der Unterrichtsversorgung der Regelschulen zwischen Westthüringen und anderen Schulamtsbereichen. Das aber habe nicht zu seinen Recherchen gepasst, viel mehr noch, mit diesen Zahlen aus dem Ministeriums würden die Lehrer in Westthüringen ja sogar deutlich mehr in der Woche arbeiten als ihre Kollegen in Thüringen.

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Eine erneute Nachfrage habe schließlich die Erklärung gebracht. Dazu schreibt Thomas Wuchert: „Bei der ursprünglichen Datenabfrage war ein Fehler aufgetreten. Wie kann eine Grundkennzahl des Schulmanagements falsch abgerufen werden? Wird diese überhaupt angeschaut und als Vergleich unter den Schulämtern herangezogen? Die korrigierten Daten aus der zweiten Kleinen Anfrage zeigten dann tatsächlich die anfangs ermittelte schlechtere Unterrichtsversorgung der Regelschulen in Westthüringen. Danach fehlen den Schülern und Schülerrinnen im Schulamt Westthüringen pro Woche zwei Schulstunden gegenüber dem Thüringer Mittelwert. Dies kann für manche Schulklassen an Regelschulen schon ein halber Schultag sein.“
Für Wuchert lautet die Schlussfolgerung: „Schülerinnen und Schüler an Regelschulen im Bereich dieses Schulamtes erhalten weniger Unterricht als Schülerinnen und Schüler im Thüringer Mittel und sind damit benachteiligt bei der Unterrichtsversorgung!“
Probleme bei der Personalgewinnung
Aber warum ist die Unterrichtsversorgung in Westthüringen schlechter?, fragt sich Wuchert. Im März 2026 habe ein von der Eisenacher Landtagsabgeordneten organisiertes Gespräch zwischen dem Bildungsstaatssekretär und den Schulleitungen aus der Region Eisenach stattgefunden. Dort hätten Schulleitungen berichtet, dass es Probleme bei der Personalgewinnung gebe. So sei unter anderem von langen Bearbeitungszeiten, fehlenden Stellenausschreibungen und langen Wartezeiten auf Rückmeldungen zu beantragten Stellen die Rede.
Einzelne Beispiele würden selbstverständlich noch keinen strukturellen Fehler belegen, so Wuchert. Aber sie würden eben Fragen aufwerfen, die aus seiner Sicht endlich systematisch untersucht werden sollten. Fragen von Wuchert: Warum scheint die Situation an den Regelschulen im Bereich des Schulamtes Westthüringen über längere Zeit besonders schwierig zu sein? Wer untersucht kontinuierlich und unabhängig, warum es bei der Unterrichtsversorgung zwischen den Schulamtsbereichen zu solchen deutlichen Unterschieden kommt? Diese und weitere Fragen sollten grundsätzlich und unabhängig untersucht werden, findet er.
Es gehe ihm um Chancengleichheit in der Bildung – und vor allem aber um die Zukunft junger Menschen. Wer ebenfalls mögliche Versäumnisse festgestellt hat oder Fragen an ihn hat, kann sich bei Thomas Wuchert unter folgender E-Mail melden: recherche-schulamt@web.de. Er werde die Erfahrungsberichte sammeln und an ein Gremium, das sich damit befasst, weiterleiten. red




