Das Kunstprojekt, das Gunter Demnig im Jahr 1992 unter dem Titel „Stolpersteine“ startet, geht auch in Eisenach mit vier weiteren Steinen in die nächste Runde. Im Beisein von 20 Gästen lässt Michael Rohrmann am Donnerstagmorgen vor der Mietetagen-Villa in der Kapellenstraße 3 einen Stein für Erich Brückmann in das Pflaster des Trottoirs. „Ich habe die Berliner Initiative geleitet“, sagt Assistent Michael Rohrmann, der den erkrankten Gunter Demnig in der Wartburgstadt vertritt. Die Eisenacher Musiker Marco Böttger und Jo Fingerhut begleiten die Steinverlegung mit passenden Klängen.

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Gut 20 Gäste versammeln sich in der Kapellenstraße 3 für die Steinverlegung, die Assistent Michael Rohrmann vornimmt.© Funke Medien Thüringen | Norman Meißner

Der 1894 in Oschersleben geborene Erich Brückmann konvertiert im frühen 20. Jahrhundert zum Christentum, kommt mit seiner Heirat nach Eisenach und wohnt ab 1927 in der Kapellenstraße 3. Sechs Jahr später wird dessen Bestellung zum Notar zurückgezogen. „Er steht für die systematische Entrechtung jüdischer Menschen“, betont Eckart Maaß von der Notarkammer Thüringen während der Verlegung. Vermutlich 1939 gelingt Erich Brückmann die Ausreise nach England. Ein Dreivierteljahr nach seiner Einbürgerung stirbt er Mitte September 1948 im Alter von 54 Jahren auf der Britischen Insel.

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Assistent Michael Rohrmann bei der Arbeit. Eckart Maaß von der Notarkammer Thüringen hält die Szene mit dem Handy fest. © Funke Medien Thüringen | Norman Meißner

„Sie hatten Träume und Pläne, die durch Vertreibung und Verfolgung zerstört wurden und ihr Leben veränderten“, betont Eisenach Oberbürgermeister Christoph Ihling. Die traurige Geschichte sei nicht irgendwo, sondern mitten in Eisenach zu finden. „Menschen sind erst vergessen, wenn die Namen vergessen sind“, bedient sich das Stadtoberhaupt eines Zitats des Künstlers Gunter Demnig. Die Stolpersteine mahnen, wachsam zu bleiben, denn Demokratie, so Christoph Ihling, sei keine Selbstverständlichkeit.

In die Verzweifelung getrieben

Einen weiteren Stein verlegt der Demnig-Assistent in der Goethestraße 29 für Paulie Striebel, Geborene Weinstein, die 1875 in Eisenach zur Welt kommt. Sie ehelicht Sally Stiebel, den Inhaber einer Wollhandlung in der Wartburgallee 48. Verzweifelt nimmt sie sich im Frühjahr 1938 das Leben.

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Die erste Verlegung der Stolpersteine der neuen Aktion begleiten die Eisenacher Musiker Marco Böttger und Jo Fingerhut mit passenden Klängen. © Funke Medien Thüringen | Norman Meißner

Den Entzug seiner Zulassung als Rechtsanwalt erlebt Paul Troplowitz 1933, der bis zum Weggang nach Berlin in der Georgenstraße 13 lebt. Seine Eltern Max und Lilly Troplowitz betreiben dort eine Drogerie. Von Berlin geht es mit dem 36. Osttransport nach Birkenau, wo er stirbt. Das Sterbedatum ist nicht überliefert.

Weitere Themen aus der Wartburgregion

Albert Eduard Silberstein bekommt am Donnerstag einen Gedenkstein in der Johannisstraße 9. Eduard Silberstein, der 1886 in Breslau zur Welt kommt, heiratet 1917 nach Eisenach ein. Er dient bis 1917 als Unteroffizier der Reserve, ist von 1920-1929 in der Hotelbedarfsgesellschaft am Karlsplatz 20 beschäftigt und von 1934-1938 Geschäftsführer dieser Gesellschaft in der Johannisstraße 9. Wie Paul Troplowitz stirbt er am selben Ort ohne überliefertes Sterbedatum.