„Gefühlt ist es 5 vor 33“ – unter diesem Motto rief das Festival Genius Loci Weimar im April dieses Jahres zu einem internationalen Künstlerwettbewerb auf: Gesucht waren Beiträge für Projektionen am Mahnmal Buchenwald, das an die 56.000 Toten des Konzentrationslagers erinnert, die aus ganz Europa nach Weimar verschleppt wurden. Gemeinsam mit der Stadt Weimar und der Gedenkstätte Buchenwald wolle das Projektionsfestival, „nicht ganz unberührt von aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, neue Wege einer verantwortungsbewussten und nachhaltigen Erinnerungskultur suchen“, heißt es in einer Presseinformation.

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Insgesamt wurden fast 100 Arbeiten aus aller Welt eingereicht. Die Gewinnerteams des Videomapping-Wettbewerbs erhalten nun ein Budget in Höhe von insgesamt 30.000 Euro, um ihre Arbeiten im Rahmen des Genius Loci Weimar Festivals am Wochenende vom 30. August bis 1. September, dem Wochenende der Landtagswahl in Thüringen, zu präsentieren.

Gezeigt werden Arbeiten aus Italien, Deutschland und Frankreich

Als Gewinner ermittelt wurde für die Buchenwald-Stelen der Beitrag „Ghostpoets“ von „mammasONica“ aus Italien, für die Buchenwald-Pylonen die Einreichung „Empathy“ von „Area Composer“ aus Deutschland sowie für den Glockenturm die Arbeit „Die Stille“ von Marina Konther aus Frankreich.

Das Kunstwerk „Ghostpoets“ von „mammasONica“ ist eine Licht- und Klanginstallation an den sieben Relief-Stelen des Mahnmals. Jedes Relief steht für ein Jahr des Arbeitslagers Buchenwald und symbolisiert einen Weg von Dunkelheit zur Hoffnung. „mammasONica“ ist ein italienisches Kreativstudio, das audiovisuelle Erlebnisse mit einem transmedialen Ansatz schafft und diese an sensiblen Orten präsentiert. Sie waren bereits zweimal als Künstlergruppe bei Genius Loci Weimar präsent: 2015 am ehemaligen Gau-Forum und 2013 an der Anna-Amalia Bibliothek.

„Empathy“ von „Area Composer“ aus Deutschland beschreiben die Festival-Macher um Henrik Wendler so: Beim Gang entlang der 18 Pylonen der Straße der Nationen tauchen Besucher in eine dreiteilige Installation aus ineinander fließenden Bildern und Klängen ein, die an die Schicksale der Opfer des Dritten Reichs erinnern und sich dabei über den Weg hinweg der Gegenwart nähern. Die „Area Composer“ Peter Hölscher, Ronald Gaube und Dorothee Pilavas arbeiten seit 2010 zusammen. Ihre audiovisuellen Installationen aus ineinander fließenden Bildern („Liquid Image“) und einem eigens dafür entwickelten Soundscape werden speziell für jeden Aufführungsort komponiert und spielen mit der Wahrnehmung der Orte.

Für die Arbeit am Glockenturm adaptiert Marina Konther das Gedicht „Die Stille“ von Rainer Maria Rilke und thematisiert mit dem Kontrast zwischen Hektik und Ruhe die unerfüllte Sehnsucht nach Liebe und Gegenwart in den Schreckenszeiten des Krieges. Die Animation auf der Südseite des monumentalen Glockenturms verbindet bewusst feinsinnige Techniken wie Sand- und Öl-auf-Glas-Animationen, Zeichentrick und Flachfiguren zu einer Abfolge abstrakter Bilder und flüchtiger Eindrücke, die den schmerzhaften Verlust von Menschlichkeit thematisiert.

Marina Konther ist eine französische Medien- und Animationskünstlerin. Ihre Arbeiten wurden bereits bei renommierten Festivals und Ausstellungen präsentiert, wo sie mehrere Auszeichnungen erhielt.

Festival als Zeichen gegen Extremismus und Populismus

Zum Hintergrund des Ortes haben die Macher von Genius Loci erläutert: „Die Lehren der Vergangenheit sind unser Kompass für eine friedliche und freie Gesellschaft, auch jetzt in Zeiten, in denen Extremismus und Populismus neuen Auftrieb erhalten.“ Das KZ Buchenwald war eines der größten Konzentrationslager in Deutschland. Bis zur Befreiung am 11. April 1945 gab es dort etwa 56.000 Todesopfer. Weiter heißt es: „Im Jahr 1958 errichtete die DDR auf dem Südhang des Ettersberges, bei den drei Massengräbern des Konzentrationslagers, ein monumentales Denkmal. Es thematisiert vor allem den Widerstandskampf kommunistischer Häftlinge.“

Zur Aufgabe des Wettbewerbes gehörte es, jene Schicksale und Ereignisse aufscheinen zu lassen, an die das Mahnmal nicht erinnert. Die Ringgräber selbst sowie die Figurengruppe von Fritz Cremer waren nicht Teil des Wettbewerbes. „Die Illuminationen am Mahnmal Buchenwald sollen, gerade am Wochenende der Thüringer Landtagswahlen 2024, eindringlich die Bedeutung eines angemessenen Blicks auf die Vergangenheit für eine bessere gemeinsame Zukunft in Europa zeigen“, betonten die Festivalmacher „MXPerience“. Unterstützung gewähren die Gedenkstätte Buchenwald, das Land Thüringen, die Stadt Weimar, der Weimarer Sommer, „ReBeam“, Logando und die Sparkasse Mittelthüringen.

red