Nicht von ungefähr stand eine Versuchsfläche des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum am Rande von Alt-Schöndorf unlängst im Fokus von knapp 100 Interessierten mit beruflich unterschiedlichem Bezug zum Thema Agroforstwirtschaft. Denn das rund vier Hektar große Grünland-Areal war erst zu Beginn dieses Jahres unterhalb der Schafzuchtanlage bepflanzt worden, die das Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsgut betreibt, das wiederum im Landesamt ein eigenes Referat einnimmt.

Täglich

Der Newsletter für Weimar

Alle wichtigen Informationen aus der Klassikerstadt Weimar, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Zum Hintergrund erläutert der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft auf seiner Homepage: „Mit dem Begriff Agroforstwirtschaft werden Landnutzungssysteme bezeichnet, bei denen Gehölze (Bäume oder Sträucher) mit Ackerkulturen und/oder Tierhaltung so auf einer Fläche kombiniert werden, dass zwischen den verschiedenen Komponenten ökologische und ökonomische Vorteilswirkungen entstehen.“

Artenvielfalt und Tierwohl sollen profitieren

In Schöndorf geht es konkret darum, auf der landwirtschaftlichen Fläche zu testen, ob Futterlaub von Gehölzen den Folgen des Klimawandels entgegen wirken kann. Im ganz konkreten Fall der Tatsache, dass angesichts dessen nicht genügend saftiges Grünland für die Schafe zur Verfügung steht. Das Futterlaub, das die Bäume abwerfen, soll einerseits zusätzliches Futter für die Tiere bieten und sie andererseits mit zusätzlichen Nähr- und Mineralstoffen versorgen, die ihnen das übliche Grünfutter nicht bieten kann. Und mit der Zeit wachse einerseits die Artenvielfalt auf der Fläche und andererseits steige auch das Tierwohl, weil die Mutterschafe, von denen rund 400 in Schöndorf gehalten werden, in Zukunft auch schattige Plätze unter den Bäumen finden, erläuterte Manuela Bärwolf vom Landesamt. Sie betreut im „Modema“ Agroforst-Netzwerk die Bereiche Thüringen und Sachsen-Anhalt und weiß: Die Schafhaltung wurde früher bereits auf Mischflächen betrieben.

Vorhaben gehört zu bundesweitem Projekt

Das erst im Juni 2024 gestartete und bundesweit agierende Projekt „MODEMA“ wiederum gehört zum Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“, das der Fachverband für Agroforstwirtschaft im Auftrag des Bundesernährungs- und -landwirtschaftsministeriums aufbaut. Insgesamt beteiligt sind daran 13 Partner und etwa 30 landwirtschaftliche Betriebe. Viele von ihnen haben bereits Agroforst-Systeme etabliert, manche beginnen gerade mit deren Planung. „Vereint sind sie in dem Wunsch um Diversifizierung einerseits und im Wissen um die vielfältigen positiven Einflüsse auf Boden und Klima andererseits“, so der Fachverband. Um diese Wirkungen langfristig beobachten und verifizieren zu können, aber auch für Untersuchungen zur Wertschöpfung dieser Systeme, arbeiten Forschungseinrichtungen im Projekt mit. Und so erhält auch das Schöndorfer Vorhaben eine wissenschaftliche Begleitforschung zu Fragen des Pflanzenbaus, der Ökologie und auch der Ökonomie. So besteht beispielsweise die These, dass Wiederkäuer weniger Methan ausstoßen, wenn sie Laub fressen.

Das Treffen in Schöndorf war die Auftaktkonferenz der „Modema“-Akteurinnen und -Akteure. Das Projekt an sich wolle „Leuchtturm-Agroforstflächen“ schaffen, die zum Nachahmen anregen, den Wissensstand zu agroforstlicher Landnutzung erweitern sowie zu einer noch stärkeren Vernetzung von Praxis, Wissenschaft und Verwaltung beitragen.