In Weimar und den Stadtteilen gibt es über 600 unterschiedliche Straßen mit unterschiedlichen Straßennamen. Von A wie Abraham-Lincoln-Straße, die ihren Namen fast auf den Tag genau seit 80 Jahren trägt, bis Z wie Zur Waldbühne im Ortsteil Legefeld. Immer wieder kommen neue hinzu, etwa in neu erschlossenen Gebieten wie dem Kirschbergquartier, wo es seit 2021 den Wolfgang-Borchert-Bogen gibt. Andere Straßen und Plätze werden umbenannt, wie etwa 2017 der einstige Weimarplatz in Jorge-Semprún-Platz.
Eine Straße für Weimars Rock‘n‘Roll-Legende Kani
Unlängst hat die Weimarer CDU im Stadtrat die Idee angestoßen, eine Straße nach Weimars verstorbener Rock‘n‘Roll-Legende Bernhard „Kani“ Kanhold zu benennen. Das wäre die erste Ehrung durch die Vergabe eines Straßennamens in Weimar, die einen Menschen der aktuellen Zeitgeschichte so kurz nach seinem Tod würdigt. Kani ist am 3. Oktober vergangenen Jahres im Alter von 80 Jahren verstorben. Ob es für Kani tatsächlich eine Straße geben wird, oder das Weimarer Urgestein auf andere Art in Weimar geehrt wird, ist derzeit noch offen.
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Dezidiert keinen Gegenvorschlag, sondern einen weiteren Namen bringen nun Weimars Grüne ins Spiel: Großherzogin Sophie, die im Alter von 18 Jahren als Ehefrau von Carl Alexander nach Weimar kam und im letzten Jahr ihren 200. Geburtstag feierte. Ihre Bedeutung für die Stadt könne aus heutiger Sicht gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, heißt es von der bündnisgrünen Stadtratsfraktion: als Kulturmäzenin, als sozial engagierte Frau. Es ist Sophies Engagement und ihrem Vermögen mindestens ebenso zu verdanken wie ihrem Ehemann, dass Weimar während der Regentschaft der beiden sein „silbernes Zeitalter“ erlebte, heißt es.

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Allerdings, so Ann-Sophie Bohm, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Weimarer Stadtrat, wären Straßenumbenennungen meist mit einem großen Aufwand verbunden. Daher müsse es nicht zwangsläufig eine Straße sein, die der Großherzogin gewidmet werde, es gehe um eine dauerhafte Würdigung Sophies im Stadtraum.
Kaum eine Straße in Weimar ist nach einer Frau benannt
Der langen Liste der Weimarer Straßennamen würde ein weiterer Frauenname dennoch guttun. Im amtlichen Straßenverzeichnis der Stadt sind mit Stand Sommer 2023 um die 640 Straßennamen gelistet. Nur ein Bruchteil davon würdigt Frauen. Je nachdem, ob Namen wie Großmutterleite und Frauenplan dazu gezählt werden, sind es etwa zwanzig.
Hinzu kommt, dass die wenigen Straßen, die nach bekannten Frauen benannt sind, oftmals gar nicht den direkten Namen nennen, sagt Ann-Sophie Bohm. So ist etwa die Schopenhauerstraße nicht etwa dem bekannten Philosophen, sondern seiner Mutter Johanna Schopenhauer gewidmet, was rein aus dem Namen nicht deutlich wird. Auch die Amalienstraße, benannt nach Anna Amalia, nennt nicht den tatsächlichen Namen. Und nicht zuletzt erinnert der Name Sophienstiftsplatz nicht an die Großherzogin Sophie, sondern an ihr Sophienstift.
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Immerhin: Besonders in jüngster Vergangenheit wird nachgesteuert. Etwa bei der Marie-Luise-Kaschnitz-Straße am Kirschbergquartier, die erst 2021 nach einer Frau benannt wurde. Oder bei der Marlene-Dietrich-Straße, die 2000 ihren Namen erhielt. Ein Jahr zuvor erhielt die Marianne-Brandt-Straße am Weimarer Klinikum ebenfalls einen Frauennamen.






