Martin Kranz ist entsetzt. Am Mittwochmorgen musste der Intendant der Achava-Festspiele feststellen, dass erneut wenige Tage vor dem Auftakt des interkulturellen Festivals mit jüdischem Schwerpunkt in Weimar Werbeplakate von Unbekannten zerstört worden sind. „Wir kenn das noch aus dem vorigen Jahr“, so Martin Kranz am Mittwoch. Damals hingen die Achava-Plakate aber einige Tage, bevor sie beschmiert wurden. „Dieses Jahr ist es anders. Die Plakate wurden gestern erst aufgehängt, heute Morgen waren sie kaputt.“ Für ihn stellt die Tat eine neue Qualität dar.

Drei Stolpersteine in Weimar mit Lackfarbe beschmiert

Mindestens vier der Plakate haben der oder die unbekannten Täter unter anderem am Goetheplatz oder Herderplatz abgerissen, bestätigt am Mittag auch die Polizei. Überdies, so ein Sprecher der Landespolizei-Inspektion Jena, wäre es in der Nacht zu Mittwoch zu ähnlich gelagerten Straftaten gekommen. Insgesamt drei Stolpersteine, die an das Schicksal der Familie Eichenbronner in der Paul-Schneider-Straße 4 in Weimar erinnern, wurden mit rotem Lack beschmiert. Zudem wurde in der Florian-Geyer-Straße ein Transparent der Initiative „Weltoffenes Thüringen“ zerschnitten. Dabei entfernten die Täter offenbar gezielt das Wort „Weltoffen“. Inwiefern die Taten in einem Zusammenhang stehen, ist am Mittwoch noch unbekannt.

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„Ich denke, Weimar ist dennoch eine weltoffene Stadt“, sagt Martin Kranz und spannt den Bogen hin zu Einzeltätern, die seit Jahren antisemitische Straftaten in Weimar begehen und bis heute nicht gefasst worden wären. Gedenksteine werden in Weimar in trauriger Regelmäßigkeit von Unbekannten geschändet. Mehr als 90 Angriffe auf Stolpersteine verzeichnet die Stadt Weimar innerhalb von drei Jahren. Die goldenen Steine erinnern an zumeist jüdische Weimarerinnen und Weimarer, die in der Zeit der Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben, deportiert, ermordet oder in den Selbstmord getrieben wurden. Am 19. September will der Lernort Weimar weitere Stolpersteine in Weimar verlegen.

Jüdische Landesgemeinde Thüringen verurteilt Taten

Auch Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, verurteilt die regelmäßigen Angriffe auf Plakate und Stolpersteine: „Ich wende mich heute an die Weimarer Bürger, sich zunehmendem politischen Extremismus zu widersetzen“, sagt er. „Die Zerstörungen der Achava-Plakate, der Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus und der Porträts von Überlebenden des KZ Buchenwald sind traurige, extremistische Taten. Aber zu Weimar gehört der Geist von Goethe, Hafis, Herder, Schiller, Mickiewicz, Liszt und vielen anderen Humanisten. Dieser Geist muss Weimars Straßen prägen.“

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Dass nun erneut Plakate der Achava-Festspiele zerstört wurden, will Martin Kranz auch in der Öffentlichkeit nicht unkommentiert lassen. Zusammen mit der Werbefirma Ströer sollen neue Plakate gedruckt werden, die auf die antisemitischen Straftaten aufmerksam machen. „Hier hing ein Plakat der Achava-Festspiele. Es wurde zerstört“, soll darauf zu lesen sein.

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Überdies zeigt sich der Achava-Intendant trotz der neuerlichen Taten diskussionsbereit. Er fordert den oder die Täter auf, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Die Plakate schlicht abzureißen, sei hingegen eine Art der Feigheit. Ferner hoffen Polizei und Intendant auf Zeugenhinweise aus der Bevölkerung. „Es ist gar nicht so einfach, ein solches Plakat derart zu zerstören. Das braucht Zeit“, sagt Martin Kranz und hofft, dass vielleicht irgendjemand in der Nacht zu Mittwoch etwas mitbekommen hat.