80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben die Partnerstädte Bad Berka und Żabno in der Wojewodschaft Kleinpolen ein Zeichen für Frieden und Freundschaft gesetzt. Im Gedenken an die Opfer des Krieges und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft haben die Bürgermeister beider Städte, Michael Jahn und Tomasz Kijowski, gemeinsam einen Kranz an der Todeswand in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau niedergelegt. Im Stillen haben je 20 Vertreter beider Städte insbesondere der 1,1 Millionen Ermordeten im Vernichtungslager gedacht.

Jahn: „Wir haben eine Verantwortung für die Zukunft“

Den Wunsch zu diesem Gedenken hatte Bürgermeister Michael Jahn im vergangenen Jahr beim Besuch der Partnergemeinde in Bad Berka geäußert. „Im Vorfeld der Fahrt nach Auschwitz habe ich mir gedacht, ob ich uns nicht zu Großes zugemutet habe. Als wir aber den Kranz niedergelegt haben, wusste ich, dass es ein sehr gutes gemeinsames Zeichen ist. Er war für beide Seiten sehr bewegend“, sagte Jahn später beim offiziellen Abschiedsabend. „Wir alle haben die Vorgänge von damals nicht zu verantworten, aber wir haben eine Verantwortung für die Zukunft!“

Die Bürgermeister von Bad Berka, Michael Jahn, und Żabno, Tomasz Kijowski, legten einen Kranz an der Todeswand von Auschwitz-Birkenau nieder. 
Die Bürgermeister von Bad Berka, Michael Jahn, und Żabno, Tomasz Kijowski, legten einen Kranz an der Todeswand von Auschwitz-Birkenau nieder. © fmt | Norbert Block

Żabnos Bürgermeister Tomasz Kijowski dankte seinem Freund Michael Jahn für die Initiative. Das gemeinsame Gedenken an der Todeswand sei auch für ihn sehr bewegend gewesen. „Viele von uns verspürten ein Gänsehautgefühl“, so Kijowski.

Unterbringung in Gastfamilien sorgt für neue Freundschaften

Für Jahn hat die Partnerschaft mit Żabno östlich von Krakau neuen Schwung erhalten. Erstmals wurde die gesamte Delegation – vorwiegend aus Mitgliedern des Europavereins, Angela Braunmiller als Vertreterin des Stadtrates und Rüdiger Silbermann vom Vorstand des FC Einheit Bad Berka – in Gastfamilien untergebracht. Dadurch seien neue persönliche Freundschaften entstanden und bestehende vertieft worden. „Wir gehören zusammen und gestalten gemeinsam die Zukunft“, betonte Jahn. Für den Rathaussaal von Żabno überreicht Jahn seinem Amtskollegen eine Fahne der Stadt Bad Berka.

Bad Berkas Bürgermeister Michael Jahn (rechts) und Jutta Almeroth, Vorsitzende des Europavereins, überreichen dem Bürgermeister der polnischen Partnerstadt Żabno, Tomasz Kijowski, eine Fahne der Kurstadt. 
Bad Berkas Bürgermeister Michael Jahn (rechts) und Jutta Almeroth, Vorsitzende des Europavereins, überreichen dem Bürgermeister der polnischen Partnerstadt Żabno, Tomasz Kijowski, eine Fahne der Kurstadt. © fmt | Norbert Block

Für Juni 2026 haben Rüdiger Silbermann und Michael Jahn zu einem internationalen Fußballturnier in Bad Berka eingeladen. Aus der polnischen Partnerstadt wird der Sechstligist LKS Łęgovia Łeg Tarnowski erwartet, aus der französischen Partnerstadt Solesmes der örtliche FC. „Wir hoffen, dass auch Schiedsrichter aus beiden Ländern mit anreisen“, so Silbermann. „Es soll ein großes Fußballfest nach dem Abschluss der Saison werden.“ Im September 2026 wird dann wieder eine Delegation aus Żabno in der Kurstadt erwartet.

Als heimlicher Höhepunkt der Reise gilt das Piroggen-Kochen

Zum Auftakt des Besuches in der Partnerstadt gab es ein Willkommensfest am Stadion in Łeg Tarnowski, wo sich im angrenzenden Feuerwehrhaus ein gestiftetes Fahrzeug aus Bad Berka bis heute befindet. Ein Höhepunkt des verlängerten Wochenendes war die Teilnahme an einer Lesung mit Werken des polnischen Poeten Jan Kochanowski auf dem Marktplatz. Zu den zahlreichen Rezitatoren gehörte vor 200 Zuhörern auch Bürgermeister Jahn, der ein Gedicht in deutscher Sprache vortrug. Anschließend überreichte er zahlreichen Teilnehmer an einem örtlichen Lesewettbewerb Diplome und Buchpräsente.

Die Delegation aus Bad Berka – hier mit dem Żabnoer Bürgermeister Tomasz Kijowski  (rechts) – nahm erfolgreich an einem Stadtlauf in Nieciecza, einem Ortsteil der Partnerstadt Żabno, teil. 
Die Delegation aus Bad Berka – hier mit dem Żabnoer Bürgermeister Tomasz Kijowski  (rechts) – nahm erfolgreich an einem Stadtlauf in Nieciecza, einem Ortsteil der Partnerstadt Żabno, teil. © fmt | Marcin Głuszek

Später nahmen die Kurstädter in Fußballtrikots des FC Einheit Bad Berka an einem Stadtlauf und Ortsteilfest in Nieciecza teil. Der heimliche Höhepunkt war zuvor bereit das gemeinsame Erstellen und spätere Verkosten von Piroggen. Gefragt war am Ende vor allem das Geheimrezept der Landfrauen. „Für uns war es eine große Freude, mit so vielen Bürgern in Kontakt zu kommen und für sie als Vertreter der deutschen Partnerstadt sichtbar zu werden“, freute sich die Vorsitzende des Europavereins, Jutta Almeroth, über eine gelungene Reise.