Auf dem braunen Holztisch liegen verstreut alte Fotografien. Momentaufnahmen eines bewegten Lebens. Hinter ihnen sitzt Reiner Schöne. Er lächelt, während der Stift über den Vertrag gleitet. Nun ist es Dingfest: Seine Lebensgeschichte soll ihren Platz zwischen Buchdeckeln finden. Erscheinen wird sie bei der Knabe-Verlagsgruppe aus Weimar zur Buchmesse in Leipzig im kommenden Jahr.

„Immer Sehnsucht nach der Ferne“ erscheint bei Weimarer Verlag

Zwischen 300 und 400 Seiten soll die Autobiografie umfassen. Tragen wird sie den Namen „Immer Sehnsucht nach der Ferne“, sagt Reiner Schöne – und es klingt weniger nach einem Titel als nach einem Bekenntnis. Ein Satz, mit dem ihn seine erste Frau vor rund 40 Jahren während einer langen Fahrt durch die Kakteen in Saguaro, Arizona, beschrieben hatte – und der bis heute zutrifft. „Ich bin ein unruhiger Geist“, sagt er, und man glaubt es ihm sofort.

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In eigenen Worten will Reiner Schöne nun von jenen umtriebigen Dekaden erzählen, die ihn quer durch die Welt und durch verschiedene politische Systeme gebracht haben. Damit steht die Biografie nicht im luftleeren Raum, sondern ist zugleich ein Weg zurück durch die Historie einer Gesellschaft: Von der Bombennacht über Weimar über den Mauerfall bis in die Gegenwart, von der Bühne des Deutschen Nationaltheaters bis zu den Stimmen, die Generationen geprägt haben: Optimus Prime, Darth Vader, aber auch Schauspielern wie Willem Dafoe oder gerade wieder Sam Elliott – ihnen allen hat er seine Stimme als Synchronsprecher geliehen, in Hollywood-Filmen selbst Rollen übernommen, Musik gespielt, als Autor gewirkt.

Jedermann in  Weimar
Reiner Schöne (Mitte) im August bei der Inszenierung des „Jedermann“ im Weimarhallenpark neben Thomas Thieme (rechts) und Ralph Morgenstern.© Archiv | Maik Schuck

Drei Jahre hat er zusammen mit seiner Lektorin Christiane Fischer geschrieben, diktiert, Erinnerungen hervorgeholt. Zwischen den Kapiteln sollen sich überdies Songtexte eigener Lieder wiederfinden, die wie Wegweiser durch die Jahrzehnte führen: Etwa „Liebe, die nie stirbt“ als Herzschlag vergangener Liebschaften. „Damals hatte ich Schmetterlinge im Bauch von der Größe brasilianischer Riesenfalter“, sagt Reiner Schöne. Ein Gefühl, das beim Aufschreiben der Texte wieder intensiv in ihm aufsteigt. „Eine Biografie zu schreiben“, sagt er, „ist wie ein Tsunami. Die Monsterwelle überrollt dich und trägt dich durch dein eigenes Leben.“ Ausgelöst hat jenes Seebeben seine Frau Anja Schöne: „Schreib deine Biografie – unsere Kinder sollen wissen, woher du kommst“, hatte sie ihm vor ein paar Jahren gesagt.

Weitere Projekte in Weimar geplant

Verleger Steffen Knabe und Reiner Schöne kennen sich schon lange. Draußen, vor dem Hotel „Elephant“ in Weimar, hatten sie sich in diesem Jahr wieder getroffen. „Wir haben uns hingesetzt und geschwatzt“, sagt der Mann mit der markanten Stimme, die noch im Sommer als „Stimme Gottes“ in dem Stück „Jedermann“ im Weimarhallenpark zu hören war. „Da haben wir beschlossen, dass die Biografie bei der Knabe-Verlagsgruppe erscheinen soll.“

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Weitere Projekte sind bereits in der Pipeline: Aus seinem „Gläsernen Buch“ soll ein Comic in drei Bänden entstehen, auch ein Hörbuch zur Biografie ist bereits geplant. Konkrete Zukunftsmusik – doch zuvor ist noch einiges zu tun. „Heute haben wir die Fotos reingefriemelt“, sagt Reiner Schöne und ist damit wieder zurück in der Gegenwart. Ein All-Ager soll die Biografie werden: eine faszinierende Lebensgeschichte, die Jung und Alt anspricht und die das Leben eines Mannes abbildet, der nie aufgehört hat, produktiv zu sein.