Mit einer ganzen Themenwoche zur Erinnerungskultur gedenkt die Gesellschaft zur Erforschung der Demokratie-Geschichte gemeinsam mit dem „Weimarer Netzwerk 9. November“ in diesem Jahr der Opfer der nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938. Vom 9. bis 14. November stehen dabei Fragen einer zeitgemäßen, demokratischen Gedenkkultur – vom dezentralen Gedenken im Stadtraum über ein Diskussionsforum bis hin zu einer künstlerischen Auseinandersetzung in Form einer Tanzperformance – im Mittelpunkt.

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Am Sonntag, 9. November, findet in Weimar erneut das öffentliche „Vielstimmige Gedenken“ statt. An verschiedenen Stolpersteinen in der Stadt wird mit musikalischen Beiträgen an die im „Dritten Reich“ verfolgten Menschen erinnert. Den Aktionstag organisiert das„Weimarer Netzwerk 9. November“, in dem die Gesellschaft zur Erforschung der Demokratiegeschichte, das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus, die Gedenkstätte Buchenwald, die Volkshochschule, der „LernOrt Weimar“, der evangelisch-lutherische Kirchenkreis, die Musikhochschule, DNT und Staatskapelle, der Weimarer-Republik-Verein und die Stadt mitwirken.

Gemeinsames Singen auf dem Theaterplatz

Den Auftakt gestaltet um 17 Uhr die evangelische Kirchgemeinde am Marstall. Von dort aus verteilen sich die Teilnehmenden zum dezentralen Gedenken an acht Stolpersteine in der Luthergasse, am Brühl, in der Teichgasse, in der Karlstraße, in der Windischenstraße, in der Schillerstraße, in der Wielandstraße und in der Steubenstraße. Gegen 17.45 Uhr wird dort an individuelle Schicksale Weimarer Bürgerinnen und Bürger erinnert.

Um 18.15 Uhr versammeln sich alle Teilnehmenden auf dem Theaterplatz. Nach einer Ansprache, die diesmal Rikola-Gunnar Lüttgenau von der Gedenkstätte Buchenwald hält, wird gemeinsam das Lied „Dos Kelbl“ gesungen. Alle, die sich anschließen wollen, sind zur Teilnahme und zum Mitsingen eingeladen.

Am Mittwoch, 12. November, findet um 20 Uhr im Deutschen Nationaltheater das 5. Weimarer Forum für Erinnerungskultur statt. Das jährliche Format der Gesellschaft zur Erforschung der Demokratie-Geschichte lädt ein zur Diskussion über Herausforderungen und Chancen einer demokratischen Gedenkkultur.

Bestsellerautorin spricht über Migration

Unter dem Thema „Migrationsgeschichte(n) in der Erinnerungskultur“ wird in diesem Jahr gefragt: Wie hat sich der Blick auf die Vergangenheit verschoben? Welche neuen Perspektiven sind hinzugekommen, seit Deutschland sich deutlicher als Einwanderungsland versteht? Welche Rolle spielt die Geschichte migrantischer Menschen – und wie wichtig ist ihre aktive Auseinandersetzung mit der deutschen Erinnerungskultur?

Den Impuls setzt die renommierte Migrationsforscherin Prof. Naika Foroutan mit einem Vortrag. Anschließend diskutiert sie gemeinsam mit der Bestsellerautorin Prof. Natasha A. Kelly (u.a. „Schwarz. Deutsch. Weiblich.“ Piper/München 2023) im Gespräch mit Liane von Billerbeck mit dem Publikum. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, allerdings wird vorab um eine Kartenreservierung über das DNT gebeten.

Tanzperformance aus der Partnerstadt Trier

Die Themenwoche beschließt am Freitag, 14. November, um 20 Uhr im Gaswerk Weimar an der Schwanseestraße die Tanzperformance „Stolpersteine bewegen“. Das Projekt aus Weimars Partnerstadt Trier greift die dezentrale Gedenkkultur um die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig auf und übersetzt sie in eine Ausdruckstanz-Performance.

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Die Tänzerinnen Laura Evangelisti und Beatrice Risiglione setzen sich tänzerisch mit den Biografien von NS-Opfern auseinander. Die Performance bezieht sich auf die Geschichten der Verfolgten und versucht, deren Schicksale sowie die damit verbundene Traurigkeit körperlich erfahrbar zu machen. Im Anschluss an die Aufführung diskutiert ein Podium mit dem Publikum über Möglichkeiten und Grenzen künstlerischer Darstellungsformen in der Erinnerungskultur. Auf dem Podium sprechen Regisseur Johannes Verbeek, Ramona Bräu, Historikerin der Arolsen Archives, sowie Gerhard Paulus vom Projekt „Klang der Stolpersteine“ aus Jena. Auch hier ist der Eintritt frei. red