„Mit ihm verliert Weimar einen Zeitzeugen von unschätzbarer Bedeutung und einen Kämpfer gegen das Vergessen“ – mit diesen Worten verabschiedet sich die Stadt von Gilberto Salmoni. Wie das Internationale Komitee Buchenwald-Dora in Paris mitteilt, ist der Holocaust-Überlebende am 1. Februar im Alter von 97 Jahren gestorben. Der Italiener wurde als Jugendlicher ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt.

Flucht der Familie in die Schweiz scheitert

Gilberto Salmoni wurde am 15. Juni 1928 in Genua geboren. Bereits als Jugendlicher erlebte er die Verfolgung durch die antijüdischen Gesetze des faschistischen Italien. Sein Vater, Beamter in einem landwirtschaftlichen Landesamt, durfte 1943 seinen Beruf nicht mehr ausüben; auch sein 15 Jahre älterer Bruder erhielt ein Berufsverbot und durfte nicht mehr als Arzt praktizieren. Die Familie lebte mehrere Monate im Versteck und entschloss sich schließlich zur Flucht in die Schweiz. Doch in der Nacht vom 17. April 1944 wurden sie am Pass von Forcola von der Miliz der Republik von Salò festgenommen.

Nach Haft in Bormio und weiteren Gefängnissen wurden sie in das Durchgangslager von Fossoli gebracht. Am 2. August 1944 wurde Gilberto schließlich mit seinem Bruder deportiert. Mit dem Transport Nr. 15 erreichten sie zwei Tage später das Konzentrationslager Buchenwald. Dort erhielt der 16-Jährige die Häftlingsnummer 44.573, sein Bruder die Nummer 44.529. Der Rest der Familie wurde nach Auschwitz verschleppt und ermordet.

16-Jähriger muss schwerste Arbeiten verrichten

Nach der Quarantäne wurde Gilberto in Block 14 des Großlagers verlegt. Er musste schwerste Maurerarbeiten verrichten und wurde dem Transportaußenkommando am Bahnhof Weimar zugeteilt. Am 11. April 1945 erlebte er die Befreiung des Lagers.

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Sein Leben danach widmete Gilberto Salmoni der Erinnerungsarbeit: In seiner Autobiografie „Una storia nella Storia – Ricordi e riflessioni di un testimone da Fossoli e Buchenwald“ (Frilli Verlag, 2015) hat er seine Erfahrungen festgehalten. Als Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora für Italien blieb er bis zuletzt ein unermüdlicher Verteidiger der Werte des Schwurs von Buchenwald im fortwährenden Einsatz gegen Neonazismus, Rassismus, Faschismus, Antiziganismus und Antisemitismus.

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Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine betonte: „Mit dem Tod von Gilberto Salmoni verlieren wir nicht nur einen Ehrenbürger, sondern eine prägende moralische Stimme. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, mit der Weimar in Trauer verbunden ist. Gerade in solchen Momenten spüren wir umso deutlicher, wie unverzichtbar eine lebendige und nachhaltige Gedenkkultur ist. Das sind wir den Überlebenden ebenso schuldig wie den kommenden Generationen.“

Weitere aktuelle Beiträge aus Weimar und Umgebung

Der Stadtrat der Stadt Weimar hatte Gilberto Salmoni im Juni 2023 zum Ehrenbürger ernannt. Er ist auch auf einem der Zeugen-Porträts im Weimarer Stadtbild zu sehen. Unlängst reiste eine Weimarer Delegation zur Beisetzung von Raymond Renaud nach Frankreich. Er hatte ebenfalls die Internierung in Buchenwald überlebt und war im Alter von 102 Jahren gestorben. red