Im Fall der beiden inhaftierten Preisträger des Menschenrechtspreises der Stadt Weimar, Mor Gregorius Yohanna Ibrahim und Boulos Yazigi, hat sich die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in einem offenen Brief an Papst Leo XIV. gewandt. Darin appelliert sie an den Papst, sich für die Aufklärung des Schicksals der beiden am 22. April 2013 in Syrien entführten christlichen Bischöfe einzusetzen.

Fahrer der Bischöfe wurde an Ort und Stelle erschossen

Mor Gregorius Yohanna Ibrahim, der Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochia, und Boulos Yazigi, der Erzbischof der griechisch (rum)-orthodoxen Kirche, wurden nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker vor mehr als 13 Jahren in der syrischen Provinz Idlib von bewaffneten Milizen entführt. Ihr Fahrer wurde an Ort und Stelle erschossen. Bis heute gebe es keine verlässlichen Informationen über ihren Verbleib.

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Zum Zeitpunkt der Entführung seien in der Provinz islamistische Milizen aktiv gewesen, „die vom jetzigen syrischen Machthaber Ahmed al-Scharaa (damals noch unter seinem islamistischen Kampfnamen Abu Mohammed al-Golani aktiv) geführt wurden“. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan habe diese Milizen in Aleppo, Idlib und anderen Teilen Syriens unterstützt, so die GfbV weiter.

Metropolit Isaac Barakat und Pater Moses Alkhassi (von links) haben am 10. Dezember 2014 stellvertretend für Mor Gregorius Yohanna Ibrahim und Boulos Yazigi den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar entgegengenommen.
Metropolit Isaac Barakat und Pater Moses Alkhassi (von links) haben am 10. Dezember 2014 stellvertretend für Mor Gregorius Yohanna Ibrahim und Boulos Yazigi den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar entgegengenommen.© dpa | Martin Schutt

Mahnung: Schicksal darf nicht in Vergessenheit geraten

„Das Schicksal der beiden Bischöfe darf nicht in Vergessenheit geraten. Es symbolisiert die systematische Unterdrückung von Christen in Syrien“, betonte Kamal Sido, Nahostreferent der Organisation. Er forderte Papst Leo auf, die Augen nicht vor dem Schicksal der Bischöfe und der christlichen Minderheiten in Syrien zu verschließen. „Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der christlichen Gemeinschaften ermutigt das Regime in Damaskus und die radikalsunnitischen Islamisten, immer neue Angriffe auf die Minderheiten im Land zu starten“, so der Menschenrechtler in dem offenen Brief.

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Preisvergabe 2014 in Weimar fand in Abwesenheit statt

Die GfbV fordert Papst Leo auf, „sich öffentlich gegen die Politik des türkischen Präsidenten Erdoğan und des Anführers der syrischen Islamisten al-Scharaa auszusprechen“. Beide könnten eine Rolle bei der Entführung der beiden christlichen Würdenträger in Syrien im Jahr 2013 gespielt haben. „Selbst wenn sie nicht direkt involviert waren, könnten sie zur Aufklärung beitragen“, betonte Kamal Sido. 2014 wurden die Bischöfe auf Initiative der GfbV in Abwesenheit mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar ausgezeichnet.

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Zahl der Christen in Syrien geht dramatisch zurück

Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 sei die Zahl der Christen in Syrien dramatisch gesunken. Vor dem Krieg lebten nach Angaben der Menschenrechtsorganisation etwa 1,5 bis 2 Millionen Christen im Land. Sie machten rund 10 Prozent der Bevölkerung aus.

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Aktuelle Schätzungen für das Jahr 2026 würden davon ausgehen, dass nur noch etwa 300.000 Christen in Syrien übrig sind. Nur noch etwa 2 Prozent der syrischen Gesamtbevölkerung seien heute christlich. Ein Rückgang von über 80 Prozent seit 2011. Die meisten syrischen Christen gehören der rum-orthodoxen Kirche an. Offiziell wird diese als „Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Antiochien und dem gesamten Morgenland“ bezeichnet und habe weltweit etwa 4,3 Millionen Anhänger. red