Erfurt. Frühzeitige Ansagen führen zu Absagen vieler am Wochenende geplanter Veranstaltungen. Sorge besteht vor ansteigenden Pegeln der Thüringer Flüsse.

Volksfeste und Freilichtkonzerte abgesagt, Freibäder nur eingeschränkt geöffnet, Warnungen vor steigenden Flusspegeln und überfluteten Straßen – Vorabinformationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) über möglichen Dauerregen und starke Gewitter legen seit Donnerstag das Freizeit- und Veranstaltungsleben in Thüringen größtenteils lahm. Vorsorglich abgeblasen wurden beispielsweise die Fête l’Europe der Thüringer Staatskanzlei in Altenburg, ein Festumzug durch Saalfeld, das Gregoriusfest in Stadtilm oder das Leserfeste dieser Zeitung am Baumkronenpfad im Hainich. Der Kirchentag in Erfurt lief vom Wetter weitgehend unbehelligt weiter.

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Vb-Tiefs waren für die verheerenden Hochwasser von 1997 und 2002 verantwortlich

Seit Donnerstag warnt der Wetterdienst vor extremen Regen- und Gewitterlagen. Für Freitag wurden Niederschlagsmengen zwischen 25 und 45 Litern pro Quadratmeter erwartet. Am Freitagnachmittag dann erste vorsichtige Entwarnungen:  Das Unwetter treffe Thüringen nicht so stark wie befürchtet, sagte Robert Scholz, Außenstellenleiter der Außenstelle Leipzig-Holzhausen des DWD. Weiter besteht für Samstag ab der zweiten Tageshälfte die Warnung vor schweren Gewittern mit Unwetterpotenzial sowie Starkregen mit lokal bis zu 100 Litern pro Quadratmeter.

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Tiefdruckgebiete werden von Meteorologen entsprechend ihrer Zugbahn mit den römischen I bis V nummeriert. Verantwortlich für die aktuelle Extremlage ist Orinoco, ein sogenanntes Vb-Tief. Diese ziehen üblicherweise von der Adria nordwärts über Österreich und Ungarn nach Mitteleuropa. Vb-Tiefs waren für die verheerenden Hochwasser von 1997 an der Oder und 2002 an Elbe und Donau verantwortlich. Die größte 24-stündige Niederschlagsmenge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland wurde vom 12. auf den 13. August 2002 in Zinnwald-Georgenfeld im Erzgebirge mit 312 Liter pro Quadratmeter gemessen.

Für alle Fälle gerüstet: Auf dem
Für alle Fälle gerüstet: Auf dem "Campingplatz im Grünen" bei Oettern im Weimarer Land hat Betreiber Marco Elze vorsorglich Sandsäcke gefüllt und bereitgelegt.  © Hanno Müller | Hanno Müller

Bei den für Samstag angekündigten Unwettern handelte es sich zunächst um Vorabinformationen. Gedacht sind sie laut DWD als Hinweis unter anderem für Behörden, Katastrophenschutz und Bevölkerung auf eine bevorstehende Unwettersituation. Problematisch ist laut Scholz, dass in Thüringen und im Vogtland die Böden schon sehr gesättigt sind und kaum noch mehr Wasser aufnehmen können. Der Regen fließe dann direkt in die Flüsse zurück, wodurch die Pegelstände in kleineren Flüssen und Bächen weiter ansteigen könnten.

Abgesehen von Unfällen durch Aquaplaning wurden zunächst keine gravierenden Schäden aus Thüringen gemeldet. Alle Flusspegel standen bis zum Nachmittag auf Normal-Grün. Bürgerinnen und Bürgern wird weiterempfohlen, im Falle von unwetterartigem Regen möglichst Zuhause zu bleiben bzw. ihre Fahrweise im Straßenverkehr an die Wetterlage anzupassen. Überflutete Straßen sollten gemieden werden.

Katastrophenschutzlager bereiten Ausgabe von Sandsäcken vor

Das Thüringer Innenministerium bereitet sich auf den angekündigten Starkregen, vor allem am Samstag vor. Es gebe regelmäßig Beratungsrunden, bei denen auch die aktuellen Wetterdaten herangezogen werden, sagte ein Sprecher. Es sei eine Rufbereitschaft eingerichtet und auch die Alarmketten aktiviert worden. Die vier Katastrophenschutzlager würden sich darauf vorbereiten, beispielsweise Sandsäcke schnell ausgeben zu können. Die Lager seien für eine schnelle Hilfe auch rund um die Uhr besetzt.     

Abgesagt wurde vorsorglich eine Großübung der Tunnelfeuerwehren und des Technischen Hilfswerkes (THW) im ICE-Eisenbahntunnel „Baumleite“ im Kreis Sonneberg. Trainiert werden sollte das Retten von Reisenden aus Doppelstockzügen, die künftig auch über ICE-Schnellfahrtrasse zwischen Erfurt und Coburg fahren sollen.

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Talsperren werden vorsorglich abgelassen

Vorsorglich lässt die Thüringer Fernwasserversorgung bereits seit den ersten Wetter-Vorwarnungen für Ostthüringen seit Dienstag in ihren Talsperren die Füllmenge des Betriebsstauraums auf 80 Prozent ab, um zusätzliche Wassermengen durch Starkregen mit zurückhalten zu können. Auch das Rückhaltebecken Straußfurt (Kreis Sömmerda) lässt derzeit vorsorglich Wasser ab, sagte eine Unternehmenssprecherin am Freitag dieser Zeitung.

Regulär haben die Thüringer Talsperren neben ihrem Betriebsstauraum, der mit einem Füllstand von 100 Prozent ausgeschöpft ist, immer auch noch eine zusätzliche Hochwasserreserve, um weiteres Wasser aufnehmen zu können. Für die Thüringer Fernwasserversorgung gilt eine erhöhte Rufbereitschaft und es erfolgen zusätzliche Kontrollen an den Talsperren. Diese werden in Abstimmung mit der Hochwasserzentrale geregelt.