- Jonas Deichmann absolviert 120 Triathlons am Stück.
- Er hat 10.000 Kalorien am Tag verbraucht.
- Ab Samstag sucht er die Einsamkeit.
Nun also noch das „Läufchen“. Das „Läufchen“, wie Jonas Deichmann sagt, ist 42,195 Kilometer lang. Ein klassischer Marathon. Zuvor ist er allerdings schon 3,8 Kilometer geschwommen und hat 180 Kilometer auf dem Rad absolviert. Aber nicht nur einmal.
Weltrekord schon mit dem 106. Triathlon in Folge geschafft
An diesem Donnerstag absolviert er seinen 120. Ironman in Folge. Dann ist Schluss, den Weltrekord hat er bereits zuvor mit seinem 106. Triathlon in Folge geschafft. Den hatte bis dahin der Brite Sean Conway gehalten.
Thüringerin Andrea Kummer vermarktet Eisenmann Deichmann

Jonas Deichmann ist in Stuttgart geboren, er wird von Andrea Kummer, Ex-Frau des einstigen Thüringer Radprofis Mario Kummer, gern vermarktet. Die 59-Jährige ehemalige Leichtathletin ist in Sömmerda geboren, hat in Erfurt gelebt und mit ihrer Athleten - und Experten-Agentur mittlerweile in Franken ihren Lebensmittelpunkt. „So einen Typen gibt es wohl nur einmal auf der Welt. Diese Leistung ist körperlich phänomenal und auch mental. Jonas denkt nur in Lösungen“, sagt sie bewundernd am 112. Tag an der Rad-Lauf-Wechselstelle in Roth. In der Kleinstadt im bayerischen Oberfranken wird jedes Jahr die internationale Ironman Challenge, der weltgrößte Triathlon, ausgetragen. Es ist der Ort, den sich der 37-Jährige für sein bisher extremstes Projekt ausgesucht hat.

Hobbysportler begleiten ihn täglich bei seinem Triathlon
Rund 25 Minuten macht Jonas Deichmann auch dieses Mal Pause, isst, pflegt den Körper, um dann den dritten Teil des Triathlons zu absolvieren. Der Autor dieses Textes kann ihn dabei ein Stück begleiten. Andere meistern mit ihm sogar den kompletten Triathlon oder bewältigen als Erlebnis die 42 Kilometer. Deichmann will ein Vorbild sein – und glaubt, dass er das auch ist. „Viele bestreiten mit mir ihren ersten Marathon“, sagt er und zeigt auf die Menschen, die vor und hinter ihm joggen. „Ich motiviere Leute dazu, mehr Sport zu machen.“ Tatsächlich scheint er für manche Hobbysportler ein Held zu sein. Um mit ihm aktiv zu sein, hören sie früher im Büro auf, nehmen Urlaub, buchen Übernachtungen. Sie kommen aus allen Regionen Deutschlands, aus der Schweiz, aus Italien. Zwar suchen viele seine Nähe, doch kaum jemand spricht ihn ungefragt an. Ihnen reicht es, für einige Stunden Teil des Projekts zu sein.
Deichmann will mit seinem Triathlon-Projekt die Grenzen testen und verschieben

Seit zwei, drei Jahren habe er mit dem Gedanken an dieses gespielt. „Ich möchte unter Beobachtung schauen, was im extremen Ausdauerbereich geht“. Das Warum des Unterfanges, über das viele auch nur den Kopf schütteln, ergänzt er noch mit den Worten: „Ich will sehen, was möglich ist, Grenzen testen und verschieben.“ 120 wählte der ehemalige Absolvent der Kopenhagen Business School, weil es der Distanz entspricht, die er bei seinem Triathlon um die Welt von September 2020 bis November 2021 zurückgelegt hatte. Diesen Donnerstag-Abend hat er dann in vier Monaten 456 Kilometer Schwimmen, 21.600 Kilometer Radfahren und 5.064 Kilometer Laufen hinter sich.
Um 6.30 Uhr ist täglich mit dem Sprung ins Wasser der Start für den Triathlon

Während er entspannt erzählt, joggen wir am Main-Donau-Kanal. Interviews mit ihm sind seit Wochen nur möglich, wenn er Sport macht. Seit 9. Mai ist jeder Tag für ihn gleich abgelaufen. Der Wecker klingelt 5.40 Uhr. Dann gibt es ein erstes Frühstück. Um 6.30 Uhr springt er in den Rothsee. Nach einer guten Stunde Schwimmen steht das zweite Frühstück an. Gegen 8.20 Uhr steigt Deichmann aufs Fahrrad, sieben, acht Stunden später schwingt er sich in Roth aus dem Sattel.

Nach einer kurzen Pause beginnt gegen 16.30 Uhr der Marathon. Auf der Strecke wird er von einem Lastenrad mit Musik begleitet, das unterschiedliche Freiwillige fahren. Darauf befindet sich seine Verpflegung: Trinkflaschen mit isotonischen Getränken, Riegel und Energie-Gels, die er sich in den Mund schiebt. Er lacht viel, das verrückte Projekt scheint ihm wirklich Spaß zu machen, „denn ich kann meine Leidenschaft professionell ausleben.“
10.000 Kalorien pro Tag verbrennt Triathlet Deichmann - und er trinkt 15 Liter
Gegen 21.30 Uhr ist das „Läufchen“ meist beendet. Dann bleibt noch etwas Zeit für Abendessen, Physiotherapie und zumindest sechseinhalb Stunden Schlaf. Die Routine sei wichtig, erzählt Jonas Deichmann. Die immer gleichen Abläufe verhindern Fehler und mindern Unwägbarkeiten.

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Eine der größten Herausforderungen ist das tägliche Essen. „Vom Moment des Aufwachens bis zum Moment, in dem ich einschlafe, vergehen nie mehr als 20 Minuten, in denen ich nicht etwas zu mir nehme“, sagt Deichmann. 10.000 Kalorien pro Tag verbrennt er, die muss er nachfülIen. Hinzu kommen etwa 15 Liter Wasser, die er pro Tag trinkt. „Ich muss aufpassen, dass mein Gewicht nicht zu wenig wird.“
Zwölf Paar Laufschuhe in drei Monaten hat Deichmann verbraucht
Deichmann hat zwölf Paar Laufschuhe verbraucht, die Füße haben ihn getragen, wobei die Gesundheit, einschließlich der Verdauung bei so einer Belastung mitspielen muss. „Ich fühle mich inzwischen besser als am 15. oder 20. Tag“, der Körper scheint sich an die Strapazen gewöhnt zu haben.

Ans Aufgeben hat er jedenfalls nie gedacht, auch wenn es die „erwarteten Tiefs“ und mehrere kritische Momente gab. Das Knie hat geschmerzt, auch der Rücken. Zweimal war Jonas Deichmann, der wegen Ansteckungsgefahr niemandem die Hand gibt, erkältet. „Aber ich habe das in den Griff bekommen, konnte weitermachen. Ich werde täglich von einem Arzt überwacht, die Werte ständig kontrolliert. Bei Gefahr hätte ich aufgehört“, entgegnet er Kritikern, die beispielsweise das Risiko einer Herzmuskelentzündung erwähnen.
Die Gemeinsamkeit ist eine Herausforderung beim Triathlon
Die Mediziner gaben ihm stets grünes Licht und so hat er unentwegt, ungebremst heiter weiter gemacht. An diesem 5. September ist der letzte Tag der „Challenge 120“. Dann wird Jonas Deichmann ein letztes Mal abends der „Finisher“-Schal umgehängt, ein letztes Mal werden ihm Menschen in Roth zujubeln.
Am Freitag dann stehen unter anderem Interviews und der Auftritt in einer Talkshow an. Und am Abend eine Feier in Roth. In Gemeinsamkeit. An die musste er sich, der früher monatelang allein durch die Welt gereist ist, erst gewöhnen. „Ganz allein bin ich nur unter der Dusche, auf der Toilette und beim Schlafen – sonst nie.“
Samstag sucht Deichmann einige Tage die Einsamkeit
Doch am Samstag werde er für vier, fünf Tage verschwinden – „wohin, das verrate ich nicht.“ Aber auch danach wird er sportlich bleiben. Dann eben vorerst nur 80 Kilometer in der Woche absolvieren. Pläne für ein nächstes Projekt gibt es schon – „ich will ja nicht in ein Loch fallen.“ Vielleicht auch in Thüringen zehnmal den Rennsteig hin und herlaufen beispielsweise? Er lacht, „ich war schon dort, schön da.“
Erst mal möchte er die Tortur jedoch auch verarbeiten – gedanklich, filmisch, in einem Buch, in Vorträgen. Das lohnt sich dann auch finanziell.
Andrea Kummer wird ihn dabei unterstützen, wenn er von seinem täglichen 15-Stunden Sport mit dem „Läufchen“ berichtet.




