Die ersten Flockenwirbel und der Kälteeinbruch hat bei den Wintersportanbietern im Thüringer Wald Hoffnungen für die bevorstehende Saison geweckt. Noch stecken die Liftbetreiber mitten in den Vorbereitungen für den Skispaß auf den Abfahrtspisten. Die Lifte werden technisch überprüft, Wartungsarbeiten laufen, es wird vom Sommer- auf den Winterbetrieb umgerüstet.

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Im Oberhofer Novembergrau dreht sich der Sessellift am rund 800 Meter langen Fallbachhang schon einmal probeweise ohne Gäste. Betriebsleiter Ronald Kabitzsch ist zuversichtlich für den Anfang Dezember geplanten Saisonstart im bekanntesten Thüringer Wintersportort: „Wir gehen nicht davon aus, dass sich das Debakel vom letzten Winter wiederholt und erwarten eine stabile, gewohnt normale Saison.“
Kunstschnee als Schlüssel für alpine Abfahrt im Mittelgebirge
Die 17 Schneekanonen sind bereits am Hang platziert und – wenn auch mit Unterbrechung – schon mal in Betrieb gegangen. Die bei Minusgraden vorproduzierten Haufen aus Kunstschnee sind die Grundlage, um später die Piste zu präparieren. „Wir brauchen für eine breite, schöne Piste rund 25.000 Kubikmeter Schnee, eine Auflage von 50 Zentimetern ist ideal“, erklärt Kabitzschs Stellvertreter Marcus König. Je kälter es dabei sei, umso effektiver sei die Beschneiungsanlage.
Der so technisch fabrizierte Schnee macht die Liftbetreiber in den Mittelgebirgen ein wenig unabhängiger vom unberechenbaren Wetter mit weniger Schneefällen und kürzeren Wintern. Und die Schneekanonen bringen noch einen weiteren Vorteil, wie König erläutert. Der Kunstschnee habe mit bis zu 600 Kilogramm pro Quadratmeter eine höhere Dichte als Naturschnee, der es nur auf bis zu 100 Kilogramm pro Quadratmeter bringe. „Dadurch ist er sehr kompakt und stabil und nicht so anfällig für Tauperioden.“
An guten Wintertagen wedeln bis zu 1000 Gäste die Piste am Fallbachhang in Oberhof hinunter. Ein nachhaltiger Skibetrieb, da sind sich Kabitzsch und König einig, wäre ohne Beschneiungsanlage in Oberhof kaum noch möglich: „Die letzten Winter haben gezeigt, dass Naturschnee fast niemals ausgereicht hätte, um eine Piste zu machen.“
In der zurückliegenden Saison kam es jedoch besonders schlimm, denn der Thüringer Wald erlebte einen der schlechtesten Winter mit viel Regen und kaum Schnee – und der Februar war dann auch noch überaus warm. Das brach auch dem Betreiber der beiden großer Anlagen in Steinach und in Schmiedefeld finanziell das Genick. Nach der Insolvenz der Thüringer Alpin GmbH Anfang März werden für die Skiarena Silbersattel in Steinach und die Winterwelt in Schmiedefeld noch immer neue Betreiber gesucht.
Steinach und Schmiedefeld: Zwischen Krise und Aufbruch
Neben Oberhof sind Steinach, Schmiedefeld und Heubach bei Masserberg die alpinen Thüringer Skigebiete. Ein Ausfall hätte dem Wintertourismus im Freistaat einen herben Schlag versetzt. Daher springen in der kommenden Saison nun die Städte Suhl und Steinach übergangsweise in die Bresche, um den Skibetrieb ab Mitte Dezember zu sichern. Die Skiarena Silbersattel am 842 Meter hohen Fellberg in Steinach ist mit acht Abfahrtsstrecken das größte und außerdem schneesicherste alpine Thüringer Skigebiet.
„Die Skiarena ist gerade im Winter ein Besuchermagnet und ein Aushängeschild für die Region“, begründet Steinachs parteiloser Bürgermeister Udo Bätz die Entscheidung. Auch an den millionenschweren Ausbauplänen für das Areal – das wie in Oberhof im Sommer von Bikern genutzt wird – werde aktuell weiter festgehalten. Geplant sind laut Bätz unter anderem ein neuer Sessellift, eine weitere Piste und die Erweiterung des Parkplatzes.
Die Ausschreibungen dafür liefen derzeit. „Wir hoffen, bis Anfang nächsten Jahres den Auftrag vergeben zu können“, so der Bürgermeister. Für die Neuausrichtung der Skiarena Silbersattel sind in den nächsten Jahren knapp 16 Millionen Euro an Investitionen geplant – rund 14,3 Millionen Euro davon will das Land beisteuern.
Für den Skibetrieb in Schmiedefeld hat die Stadt Suhl im nächsten Jahr rund 50.000 Euro veranschlagt – trotz angespannter Haushaltslage, wie Steven Bickel von der Stadtverwaltung betont. Damit kann auch die Winterwelt Schmiedefeld in die neue Saison starten. „Wie es nach diesem Winter weitergeht, müssen wir dann neu schauen“, blickt Bickel auf eine noch ungewisse Zukunft für die Winterwelt.
Meiste Pisten auf Naturschnee angewiesen
In Thüringen stehen damit im kommenden Winter bei ausreichend Schnee wieder rund 20 Liftanlagen für die alpine Abfahrt bereit. Laut dem Regionalverbund Thüringer Wald verfügt jedoch nur etwa eine Handvoll davon über umfängliche Beschneiungstechnik. Gerade Betreiber kleinerer Anlagen müssten dafür Geld in die Hand nehmen, das diese oftmals nicht aufbringen könnten, sagt Katrin Bratner vom Regionalverbund.
In einer guten Saison locke es im Schnitt um die 100.000 Skifahrer auf die Pisten in Thüringen, die vor allem für Familien und Anfänger attraktiv seien, so Bratner. „Die Betreiber stehen für die neue Saison in den Startlöchern, aber es steht und fällt alles mit dem Schnee.“
dpa




